Energiewende in der Region

(Foto: pm)
Buchen. (pm) Im dritten Teil der Reihe mit Beiträgen zur Nachhaltigkeit steht die Photovoltaik im Mittelpunkt.
Die Sonne liefert ungeheure Mengen an Energie, die mittels Photovoltaik-Anlagen klimaneutral in Strom umgewandelt werden kann. Diese Möglichkeiten noch viel stärker zu nutzen als bisher ist ein Gebot der Stunde.

Die Anzahl der PV-Anlagen wird in den nächsten Jahren auch in Buchen deutlich zunehmen. Laut Koalitionsvertrag sollen bei privaten Neubauten die Solarenergieanlagen „die Regel“ werden. Für gewerbliche Neubauten gibt es bereits eine Pflicht. Auch bei der Sanierung von Dachanlagen ist eine gesetzliche Regelung in Planung.

In diesem Kontext treibt die Stadt Buchen im Rahmen ihrer Klimaschutzmaßnahmen den Zubau von Photovoltaikanlagen-Anlagen (PV) auf ihren städtischen Gebäuden voran. Der Eigenbetrieb der Stadt Buchen Energie- und Dienstleistung (EDB) wird neben den bestehenden PV-Anlagen auf dem Burghardt-Gymnasium Buchen, der Mehrzweckhalle in Hainstadt und der Friedhofskapelle in Buchen weitere Anlagen errichten. Hierfür sind im Doppelhaushalt 2022/23 jeweils 150.000 Euro vorgesehen.

Der Fokus hat sich über die Jahre durch die technische Weiterentwicklung verschoben: Standen früher eine Südausrichtung der Anlagen und die Volleinspeisung ins Netz im Mittelpunkt, priorisiert man heute den Eigenverbrauch. Hierfür sind insbesondere Dächer in Ost/Westausrichtung geeignet. Folgerichtig wurden die städtischen Dachflächen unter diesen neuen Aspekten auf Eignung überprüft.

Neben der technischen Eignung wie Statik, Netzanschluss, Begrünung sind auch Sachverhalte wie die Verschattung, der Denkmalschutz oder geplante Sanierungen zu berücksichtigen. Denn wenn ein Abriss oder eine Dachsanierung bereits geplant sind, wird die PV-Anlage sinnvollerweise erst mit der Dachsanierung installiert.

Ein Beispiel aus der Praxis: Im Waldschwimmbad sind die Dachflächen entweder mit Solarthermieanlagen belegt oder nur bedingt geeignet. Im Rahmen einer ohnehin anstehenden Zaunerneuerung soll nun eine Solarzaunanlage errichtet werden, um den Anteil an erneuerbarer Energie auch im Waldschwimmbad zu erhöhen.

Neue Möglichkeiten bietet die Agri-Photovoltaik. Damit wird ein Verfahren zur gleichzeitigen Nutzung von Flächen für die landwirtschaftliche Pflanzenproduktion (Photosynthese) und die
PV-Stromproduktion (Photovoltaik) bezeichnet.

Die Stadtwerke Buchen wollen auf der Gemarkung Walldürn mit privaten Investoren und Landwirten eine Agri-PV-Pilotanlage in Neusaß errichten. Derzeit befindet sich diese Anlage („Energiepark II“) mit ca. 2.4 Megawatt in der Genehmigungsphase. Geplant ist die Installation von bifacialen (beidseitig PV-aktive), senkrecht stehenden Solarmodulen in Ost-West-Ausrichtung.

Die versiegelte Fläche beträgt nur rund ein Prozent und die bebaute Fläche wird um das sieben- bis achtfache geringer sein als bei einer klassischen PV-Freiflächenanlage. Zwischen den im Abstand von rund zehn Meter angeordneten, senkrecht stehenden Modulen ist Landwirtschaft zu zwar eingeschränkten, aber annehmbaren Bedingungen weiter möglich.

Je nach Kultur gibt es sogar Vorteile für die entsprechenden Pflanzen, weil durch die Module eine Beschattung und ein Windschutz entsteht. Agri-Photovoltaik kann eine doppelte Antwort auf den Klimawandel sein: Der Schattenwurf und der Schutz vor Westwinden kann Pflanzen zu besserem Wachstum anregen und gleichzeitig wird sauberer Strom produziert.

Schon seit 2009 sind die Stadtwerke Buchen am bestehenden Energiepark Neusaß beteiligt, der zum damaligen Zeitpunkt mit 3,2 MW der größte Sonnenenergiepark in der Region war. Der jetzt geplante Standort in unmittelbarer Nähe zum vorhandenen Energiepark wurde gewählt, um die bereits vorhandenen Netzanschlusskapazitäten mit zu nutzen.

Durch die Ost-West-Ausrichtung kann die Einspeisung vor allem in den Morgen- und frühen Abendstunden erfolgen – die vorhandenen Stromnetze können effizienter genutzt und ein aufwendiger Netzausbau kann vermieden werden.

Zudem ist beabsichtigt, künftig mit einem Batteriespeicher die Energie zu speichern. Dieser nachhaltige Großspeicher soll flexibel nach Bedarf für verschiedene Anwendungsfälle, zur Netzoptimierung, für Nachtlieferungen u.ä. eingesetzt werden. Denn erst Speichermöglichkeiten machen die Photovoltaik bedingt „grundlastfähig“, also rund um die Uhr verfügbar.

Der in Neusaß erzeugte Strom soll nicht nur von den landwirtschaftlichen Betrieben genutzt, sondern über die Stadtwerke Buchen regional im Rahmen eines Green Power Purchase Agreements (kurz Green PPA) vermarktet werden. Über die Kommunen sind alle Einwohner der Region mittelbar an den Stadtwerken, den traditionellen Energie-Gemeinschaften und zukünftig auch an der Agri-PV-Anlage in Neusaß beteiligt. Die Wertschöpfung wird somit langfristig in der Region gehalten.

Auch auf der Gemarkung Buchen sollen Freiflächen-PV-Anlagen bevorzugt auf „schlechten Böden“ oder in Randlagen errichtet werden können. Eine entsprechende Gemarkungsanalyse wurde von einem Fachbüro erstellt, der Gemeinderat hat sich vorab in seiner Klausurtagung mit dem Thema beschäftigt.

Im Anschluss wurden interessierte Bürger in die Meinungsfindung eingebunden, bevor belastbare Kriterien für die Errichtung derartiger Anlagen vom Gemeinderat beschlossen wurden und in der Folge ein Pilotprojekt gestartet werden soll.

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