CDU-Juristen beim Oberkirchenrat

19.07.10

Neckar-Odenwald-Kreis. Der Regionale Arbeitskreis der CDU-Juristen des Neckar-Odenwald-Kreises informierte sich in Karlsruhe bei dem evangelischen Oberkirchenrat über das Staatskirchenrecht und den Aufbau der Badischen Landeskirche. Kirchenoberrechtsdirektor Dr. Jacobs hatte sich bereit erklärt, an diesem Tag den Regionalen Arbeitskreis, unter der Leitung von Frau Rechtsanwältin Lore Pfisterer, zu empfangen und zu diesen Themen zu referieren. Dr. Jacobs, selbst Jurist, zeigte in anschaulicher Art und Weise das Verhältnis  Staat und Kirche auf.

Bis ins 12. Jahrhundert hinein reichen dabei die Beziehungen zwischen Staat und Kirche. Damals -erstmalig in der Geschichte –  zeigte sich ein Herrscher in eigener Person auch für die Religion als verantwortlich. Dies setzte sich bis ins 20. Jahrhundert fort. In der Badischen Landeskirche war der jeweilige Großherzog auch für die Kirche verantwortlich (landesherrliches Kirchenregiment).

Dr. Jacobs wies auf die grundsätzlichen Möglichkeiten der Beziehung zwischen Staat und Kirche hin; so könne Staatsoberhaupt gleichzeitig das Oberhaupt der Kirche sein, we z.B. in England oder die strenge Trennung von Kirche und Staat, wie beispielsweise in Frankreich.

Deutschland nehme aber eine Zwischenstellung ein. Es herrscht zwar eine Trennung zwischen Staat und Kirche, aber gewisse Funktionen der Kirche werden vom Staat wahrgenommen, wie der Einzug der Kirchensteuer. Dieses in der Welt einmalige Konstrukt geht letztendlich auf die Weimarer Republik zurück. In der Weimarer Reichsverfassung wurde das kirchliche Selbstbestimmungsrecht festgelegt, welches bis heute Grundpfeiler des dt. Staatskirchenrechts ist.

In der anschließenden Diskussion wurden auch die Unterschiede zwischen der Badischen Landeskirche und der Württembergischen Landeskirche, die sich z.B. in den Wahlen der Kirchenältesten offenbare, aufgezeigt. Der Referent wies auch darauf hin, in welchen Teilen die Lutheraner überwiegen, wie z.B. in Norddeutschland und in den skandinavischen Ländern, wohingegen die Reformierten  überwiegend in Baden vertreten sind.

Es bestand anschließend die Möglichkeit der Diskussion, wobei Frau Pfisterer ausdrücklich darauf hinwies, dass sie es bedauerte, dass die evangelische Landeskirche im Vorfeld zur Abschaffung des Buß- und Bettages leider keine  ausreichende Stellungnahme zum Erhalt abgegeben habe, sondern erst im Nachhinein Vorwürfe erhob.

Zum Abschluss hatten die Teilnehmer noch die Möglichkeit, sich in den Räumlichkeiten umzusehen, was auch aufgrund der Konstruktion dieser Räume und Verbindungen einzelner Gebäude äußerst interessant war. Die Teilnehmer waren sich einig, dass sie wieder sehr viel Wissen aufgrund dieser Informationen mit nach Hause nehmen konnten. Nach einer Stadtführung zu dem Thema „Badische Geschichte“ ließ man den Tag in der Besenwirtschaft „Guggugsnescht“ ausklingen.

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