Kunstwoche für traumatisierte Kinder

21.07.10

Kinder fotografieren das Adelsheimer Schloss (Foto: Karl Anton Koenigs)

Adelsheim. Eine Kunstwoche für traumatisierte Kinder, organisiert vom Verein „Innocence in Danger“, findet derzeit im Adelsheimer Schloss statt. Acht Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren lernen, sich durch Töpfern, Filmen, Fotografieren, bildende Kunst, Schauspiel, Musik und Malerei auf neue Weise auszudrücken.

„Innocence in Danger International“ ist eine weltweite Bewegung gegen sexuellen Missbrauch von Kindern, insbesondere die Verbreitung von Kinderpornographie durch die neuen Medien. Der Verein führt seit 2004 solche Wochen für französische und mittlerweile auch amerikanische und deutsche Kinder durch. Den Kindern und ihren Vertrauenspersonen – begleitet und aufgefangen von Psychologen – wird die Möglichkeit geboten, in einer schönen Umgebung Abstand zu gewinnen und sich auf eine künstlerische Ausdrucksweise einzulassen. Unter Anleitung renommierter Künstler verschiedenster Disziplinen können die Kinder und Jugendlichen schöpferisch tätig sein, Neues probieren und versuchen, wieder Vertrauen aufzubauen.

Ausgangspunkt ist der Gedanke, dass kreatives Gestalten, das keiner therapeutischen Intention folgt, die Entwicklung von Widerstandsfähigkeit bei Kindern unterstützt. Sie lernen, effektiv mit Stress umzugehen, entwickeln Problemlösefähigkeiten und sehen sich als „Überlebende“ – nicht als „Opfer.“

Seit 2007 hat „Innocence in Danger e.V.“ unter der Schirmherrschaft von Freifrau Stephanie zu Guttenberg diese Idee für Deutschland aufgegriffen. Geschäftsführerin ist die Diplompsychologin Julia von Weiler, die auch die Adelsheimer Kunstwoche leitet.

In den vergangenen Jahren lud der Verein immer wieder Kinder und ihre Vertrauenspersonen (Mütter wie Pädagoginnen) ein, sich auf diese künstlerische Abenteuerreise zu begeben. Kreativität, Bewegung, Spaß und Spiel sollen neue, heilungsfördernde Impulse setzen. Und dabei entstehen, manchmal scheinbar ganz nebenbei, wundervolle Kunstwerke.

Begleitende Künstler sind in dieser Woche die Bildhauerin Julia Schrader, der Musiker Johannes Schlichting, der Photograph Karl Anton Koenigs, der Sounddesigner Martin Löscher und Videokünstler Louis von Adelsheim. Darüber hinaus wird die Gruppe von zwei Innocence-Fachkräften und weiteren freiwilligen Helferinnen und Helfern begleitet. Bekocht wird die Gruppe von Hans Hennig.

Die wissenschaftliche Begleitung der Kunstwochen übernimmt die Fachhochschule Koblenz unter der Leitung von Professor Gisela Braun und Dr. Catherine Kaiser-Hylla. Von 2010 bis 2013 werden insgesamt sechs Kunstwochen evaluiert. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung werden unterschiedlichen Institutionen der Jugendhilfe zugänglich gemacht.

Die Kunstwoche endet am Freitag, 23.Juli, ab 21.30 Uhr mit einer Präsentation im Theaterkeller und im Schlosspark. Gezeigt werden Objekte aus Gips und Ton sowie Foto- und Videoarbeiten, die in Gruppen von und mit den Kindern produziert wurden. Dazu sind Interessierte herzlich willkommen.

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