Kunstwerke psychisch kranker Menschen ausgestellt

22.07.10

Ich kann wachsen wie ein Baum

Die Kunstwerke auf Holzplatten betrachteten bei der Vernissage auch: Katja Stoll, Ingmar Schiedel, Peter Bloss, Stationsleiter in der Neurologisch-Psychiatrischen Klinik, Dr. Burkhard Lang, Dr. Joachim Kühlewein, Geschäftsbereichsleiter Gesundheit der Johannes-Diakonie, und Gerhard Nelius, Mitorganisator der Ausstellung und ehemaliger Stationsleiter in der Neurologisch-Psychiatrischen Klinik. (Foto: Dirk Adler)

Bad Rappenau/Mosbach. Das Bild ist mit kindlichem Pinselstrich und bunten Wasserfarben gemalt: zwei Bäume, Vögel, Blumen, Sonne, blauer Himmel und ein Haus. „Das ist mein Lieblingsbild“, sagt ein Patient und fügt hinzu: „Wenn ich noch öfter an diesem vorbeigehe, werde ich bestimmt schneller gesund.“ Zu sehen ist das Bild neben anderen Kunstwerken jetzt in der Ausstellung „Von Bäumen und Menschen“ in der Salinenklinik in Bad Rappenau. Patienten der Neurologisch-Psychiatrischen Klinik der Johannes-Diakonie Mosbach haben die Werke geschaffen.

Der Patient der Salinenklinik hat gefühlsmäßig erfasst, was Maltherapeutin Katja Stoll den Gästen bei der Vernissage am 21. Juli mit in die Ausstellung gab: „Richten Sie den Blick nicht auf die Krankheit der Kunstschaffenden, sondern auf deren Ressourcen, Kreativität und Lebensmut.“

Stolls Einführung waren zwei Grußworte vorausgegangen. Dr. Burkhard Lang stellte die Johannes-Diakonie Mosbach und die Neurologisch-Psychiatrische Klinik vor, in der er Chefarzt ist. Hier sei das Kunstprojekt 2006 gestartet und mittlerweile in der Therapie etabliert. Ingmar Schiedel, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Kur- und Klinikverwaltung Bad Rappenau, ließ wissen, dass die Bilder im Haus gut ankämen.

Stoll verglich Mensch und Baum: An den Jahresringen ließe sich erkennen, wann es einem Baum gut oder schlecht erging. Eben solche Zeiten gebe es auch bei Menschen. In den weniger freundlichen Zeiten könne der Griff zum Stift oder Pinsel dazu beitragen, auch das Leben wieder in die Hand zu nehmen. Eine besondere Erfahrung beim kreativen Schaffen war für Stoll, dass sich die Lebendigkeit des Materials auf die Patienten übertrug, als diese mit Holz arbeiteten.

„Ich kann wachsen wie ein Baum“ war eines der Lieder, die der Singkreis und die Orff-Gruppe der Johannes-Diakonie unter Leitung von Peter Bechtold vortrugen. Auf die menschliche Entfaltung kam ebenfalls eine Patientin der Salinenklinik zu sprechen. Auch ihr gefiel ein naives Bild mit Baum, Haus und Sonne am besten. „So haben wir alle angefangen zu malen“, stellte sie fest. Es lässt sich auch sagen: So zu malen, ist ein Neuanfang.

Die Ausstellung „Von Bäumen und Menschen“ kann noch bis zum 29. September besucht werden. Sie steht im Rahmen der Kunstreihe „Trotz Einschränkungen Großartiges schaffen“, welche die Salinenklinik veranstaltet. Bereits zum zweiten Mal beteiligt sich die Neurologisch-Psychiatrische Klinik hieran.

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