60 Jahre Grundschule Großeicholzheim

28.07.10

Anfänge des örtlichen Schulwesens liegen im Mittelalter

Die Grundschule in Großeicholzheim – seit sechs Jahrzehnten ein Erfolgsmodell. (Foto: Liane Merkle)

Großeicholzheim. (lm) „Die flotten 60 Jahre, die sieht man ihr nicht an“, sangen die Kinder das selbst gedichtete Geburtstagslied für ihr Großeicholzheimer Grundschule. Und sie hatten vollkommen Recht. Diese Schule ist Dank ihrer Schulleiter, der Lehrer und Kinder, der Gemeindeverwaltung und natürlich der Bürger, „jung und beliebt geblieben“ und hat sich flexibel den jeweiligen Bedürfnissen angepasst.

Zur Geburtstagsparty waren darum auch unzählige Gäste aller Altersklassen erschienen, darunter die ehemalige Rektorin Maxi-Monika Thürl, Bürgermeister Thomas Ludwig, Ortsvorsteher Reinhold Rapp, Pfarrvikar Ingolf Stromberger und natürlich der Elternbeirat.

In ihrer Willkommensrede ging Rektorin Gabriele Wurm-Bussemer darauf ein, dass für eine Schule 60 Jahre zwar noch kein Alter seien, aber ein guter Grund, in der Hetze des Alltags einmal inne zu halten und die Entwicklung Revue passieren zu lassen.

Die Chronik hatte der Bürgermeister in seine Festrede integriert. Er war in seinen Recherchen darauf gestoßen, dass die Anfänge des Schulwesens in Großeicholzheim vermutlich um 1570 zu finden seien. Erste urkundliche Nachweise aus den Jahren 1669/ 1676/ 1683/ 1694 lassen darauf schließen. Es gab noch keine allgemeine Schulpflicht, die Schulfrage war vor allem von der jeweiligen Herrschaft abhängig- 1685 wurde das erste Schulhaus gebaut, vorher fand der Unterricht wohl in privaten Räumen statt, welches 1786 durch einen „Donnerschlag“ in seinen Mauern so sehr erschütterte, dass eigentlich Baufälligkeit angesagt war. Noch 1824 weigerte sich eine Kommission zur Schulvisitation das Gebäude aus diesem Grund zu betreten. Im Ostflügel des Schlosses fanden die evangelischen Schüler ab 1845 alternative Unterrichtsräume, die katholischen mussten weiter ins baufällig Gebäude. Diese Trennung wurde erst 1876 aufgehoben. Und 1950 schließlich wurde aufgrund der stark gestiegenen Kinderzahlen das heutige Schulhaus im Schlossgarten für 210.000 DM gebaut und im September 1951 eingeweiht. Es war damals das erste neue Schulgebäude im ganzen Kreis Buchen. Grundsätzlich saniert und erweitert wurde das Gebäude 1996/97 für 2,1 Mio. DM. Und noch heute gelte – so Ludwig weiter in seinen Aussagen – dass diese Grundschule attraktive Lernbedingungen mitten im Ort und doch im Grünen biete. Und zwar in einem behüteten Umfeld mit kleinen Klassen und einer überschaubaren Schulgröße. Ein echter Schatz mit vielen Auszeichnungen und dem auffälligen Schulbaum an der Außenwand.

Weitere Beispiele aus der Erfolgsgeschichte waren die erfolgreiche Bewerbung bei der Stiftung „Singen mit Kindern“ einschließlich der Einladung zur Klingenden Mainau im Jahre 2003 und der Abdruck des Kartoffelliedes auf dem landesweit verbreiteten Kalender, die Leseförderung mit Auszeichnung im Rahmen der Projektbörse „Goldener Floh“ einschl. dem Theaterprojekt „Momo“ im Jahre 2004, die- Anschaffung eines Klaviers mit Unterstützung der Schulstiftung Baden-Württemberg im Jahre 2003. Als Folge konnte man z. B.das Talent Olivier Pols entdecken und fördern. Und schließlich erwähnte das Gemeindeoberhaupt noch Naturprojekte wie die Pflanzung der Benjeshecke.

Großeicholzheim hatte die Schulreformen mit Zusammenlegungen 1966, in den 80-er Jahre und zuletzt durch die innovativen Maßnahmen von Rektorin Maxi-Monika Thürl vor fünf Jahren überlebt. Darauf ging Gabriele Wurm-Bussemer als deren Nachfolgerin im Amt verstärkt ein. Denn heute zeige sich sehr deutlich, dass die Aufnahme einer Außenklasse der Alois-Wißmann-Schule eine wesentliche Sprosse auf der Erfolgsleiter der Grundschule Großeicholzheim ausmachte.

Behinderte und nicht behinderte Kinder in einer Klasse seien hier nahezu Normalität geworden unter selbstverständlicher Förderung von Toleranz und Rücksicht. Diese Tugenden hätten einen neuen Stellenwert erhalten und würden tagtäglich ge- und erlebt. Und die „Außenklässler“ seien schon längst „Innenklässler“ geworden.

Mit einem Dank an ihr engagiertes Lehrerteam und den verlässlichen Schulträger leitete die Rektorin zu dem kurzweiligen kulturellen Programm der Schülerinnen und Schüler über, das alle vorherigen Aussagen bestätigte. Das lebhafte harmonische Miteinander wurde gleichermaßen dokumentiert in modernen Tänzen und Liedern wie in Gedichten aus der Feder von Heinz Erhard, Flöten- und Mundharmonika-Vorträgen und natürlich in dem anschaulichen Theaterstück „Schule einst und heute“.

Bis in den Abend genossen die unzähligen Gäste begeistert das Programm der Kids, aber auch die kulinarischen Leckereien des Schuleigenen Fördervereins, bevor der Männergesangverein Großeicholzheim abschließend zum gemeinsamen Volksliedersingen einlud.

Ortsvorsteher Reinhold Rapp brachte es mit Heinz Erhards Worten auf den Punkt „Die Made, schade“, und zwar in der Überzeugung dass diese Schule, auf die alle Großeicholzheimer unheimlich stolz seien, ganz sicher noch lange nicht in Rente gehe. Und nicht nur Gemeinde- und Ortschaftsrat würden sich dafür auch künftig einsetzen.

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Das lebhafte harmonische Miteinander an der Jubiläumsschule. (Foto: Liane Merkle)

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