Extrembiker siegte in Rom

(Foto: privat)

Rom/Waldkatzenbach. (hof) Nachdem Gewinn der Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft der 24-Stunden-Mountainbiker nutzte Michael Kochendörfer (Team Votec) vom VfR Waldkatzenbach einen einwöchigen Urlaub zur Regeneration. Anschließend bereitete er sich intensiv auf sein letztes Saisonrennen in der italienischen Hauptstadt Rom vor. Dass das Intensivtraining richtig dosiert war, zeigte der überlegene Sieg des Odenwälders.

Schon mittwochs ging Kochendörfer mit seinem Betreuerstab auf Reisen,, um vor Ort noch ausreichend Zeit zur Akklimatisierung zu haben. Das Rennen fand in einem Park in der Nähe der Cinecitta-Filmstudios im südwestlichen Teil der Metropole statt. Der Kurs war technisch wenig anspruchsvoll, führte jedoch über sehr harten, unebenen Acker und Schotterboden. Schon bei der Besichtigung der Strecke sei im klar gewesen, dass es ein sehr schnelles und zermürbendes Rennen würde. Am Freitag vor dem Rennen ging noch ein kurzer Schauer nieder, während des Rennens blieb es aber trocken. Tagsüber war es mit 22°C sehr angenehm, nachts wurde es aber ziemlich kalt.
Für den Biker aus Deutschland war es erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit die Italiener den Rundkurs mit 6,5 km in einem Park samt dazugehörigem Equipment wie Zeitnahme, Bühne, Toiletten, Duschzelte, Stromversorgung etc. aufbauten.

Neben den Solofahrern, zu denen auch der Billigheimer Kochendörfer gehörte, waren auch Teams am Start. Bei den Einzelstartern gab es zwei Kategorien, Fahrer bis und Fahrer über 40 Jahren. Überraschend war die ungewöhnlich hohe Zahl von Solofahrern, gingen doch über 200 Biker das 24-Stunden-Abenteuer an.

Gestartet wurde mit dem sogenannten Le-Mans-Start, bei dem die Teilnehmer ihr Rad in einer abgesteckten Zone ablegen, um dann 500 Meter zu laufen und danach loszufahren.

Michael Kochendörfer kam gut weg und konnte sofort Fahrt aufnehmen. Aufgrund des Riesenfeldes war es aber unmöglich, die Konkurrenten einzuschätzen. So fuhr der Winterhauchbiker in gewohnter Manier sein Tempo, ohne nach den Gegner zu schauen. Nach sechs Stunden kamen die ersten Zwischenergebnisse und die Betreuer signalisierten dem Billigheimer, dass er in seiner Klasse mit vorne dabei war. Es wurde sehr schnell dunkel, weshalb schon um 19.30 Uhr die Waridi-Leuchte montiert werden mussten. Mit der Dämmerung sanken die Temperaturen, sodass ein kurzer Stopp notwendig wurden, um neben der Lichtmontage auch Arm- und Knielinge sowie eine Windweste überzuziehen.

In der Kategorie der Biker über 40 Jahren hatte der VfR-Fahrer im Verlauf des Abends einen kleinen Vorsprung herausgefahren. Über die Platzierung in der Gesamtwertung gab es zu diesem Zeitpunkt keine Kenntnisse, sodass Kochendörfer vorerst bei seinem Tempo blieb. Da die Nacht in dieser Jahreszeit schon sehr lange ist, mussten nach sechs Stunden nochmals die Akkus der Lampen gewechselt werden. Um 6:30 Uhr zeigte sich dann endlich das ersehnte Tageslicht.

Nun erfuhr der Odenwälder auch, dass er in seiner Altersklasse bereits einen beachtlichen Vorsprung herausgefahren hatte. In der Gesamtwertung lag zu diesem Zeitpunkt ein Italiener in Führung, an dem Kochendörfer aber schon dran war. So entwickelte sich in den letzten fünf Rennstunden ein harter Zweikampf.

„Ich wollte mich nicht mit dem Altersklassensieg zufrieden geben, sondern wollte unbedingt den Gesamtsieg,“ so der VfR-Athlet. Er mobilisierte nochmals alle Kräfte und fuhr einen Vorsprung von zwei Minuten heraus. In den folgenden Runden teilten die Betreuer den Abstand mit, sodass Kochendörfer immer zwischen zwei und vier Minuten in Front bleiben konnte, ohne die Führung zu gefährden. „Das war auch mental eine ganz harte Phase“, erzählte der Extrembiker nach dem Rennen. Zum einen war er nach 20 Rennstunden körperlich sehr angeschlagen, zum anderen beschäftigte sich der Sportler gedanklich mit einer möglichen Panne oder einem Sturz, was auch psychisch an den Kräften zehrte.

Zwei Stunden vor Rennende war der Widerstand gebrochen. Kontinuierlich vergrößerte Kochendörfer den Vorsprung. „Nun musste ich das Ding in der letzten Stunde nur noch nach Hause fahren“, berichtete der Billigheimer Ausdauersportler.

Nach 24 Stunden mit 84 gefahrenen Runden (546 km) feierte Michael Kochendörfer einen souveränen Gesamtsieg unter allen 200 Solobikern. In der Altersklasse hatte er sogar zehn Runden Vorsprung herausgefahren. Auch das Vierer-Team von Votec kam als Sieger ins Ziel.

Überglücklich dankte der erfolgreiche Mountainbiker bei der Siegerehrung seinen Betreuern Ralph Groß und Ehefrau Anja, ohne die ein Sieg nicht möglich gewesen wäre. Auch das Team Votec und der Lampensponsor Waridi unterstützte den Start durch die Organisation im Vorfeld. „Es war ein toller Saisonabschluss“, so Kochendörfer. Der Start sei zwar mit einem Riesenaufwand für An- und Abreise verbunden gewesen, dennoch sei der Start in Rom ein unvergessliches Erlebnis gewesen.

Insgesamt ging Michael Kochendörfer im Verlauf der Saison bei vier 24-Stunden und bei einem 12-Stunden-Rennen an den Start. Dabei fällt das Fazit durchweg positiv aus, stand der VfR-Biker doch bei allen Rennen auf dem Podest. Die Bronzemedaille und der Sieg in Rom waren dabei die größten Erfolge. Insgesamt feierte er drei Siege.

Den Oktober wird der Extrembiker zur Regeneration und für die Rennplanung 2011 nutzen, bevor im November das Training wieder beginnt.

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de



Artikel empfehlen: