7. Reha-Tag auf Schloss Waldleinigen

Unser Gruppenbild zeigt die Ideegeberinnen Rita und Hannelore (vorne mittig), Andreas Fürst zu Leiningen (2.v.r.), 1. Vorsitzender „“Das Boot“ Rolf Leitenberger (hinten Mitte), v.r. Dr. Stephan Gelbhaar, Manfred Blesch, Alexandra Fürstin zu Leiningen, Kassenwartin „Das Boot“ Hanne Mätschke, Dipl. Psych. Andreas Stark, Technischer Leiter „Das Boot“ Jürgen Schmidgall. (Foto: Liane Merkle)

Waldleiningen. (lm) Fürstlich – im wahrsten Sinn des Wortes – durften sich Patienten und ehemalige Patienten im Rahmen der Angebote zum 7. Deutschen Reha-Tag in der Fachklinik Schloss Waldleiningen fühlen.  Es gilt als lieb gewordene Tradition, dass das Fürstenpaar an diesem Tag mit zu den Gastgeber zählt und auch bei engstem Terminkalender Zeit für den offiziellen Part des Nachmittags einräumt.

So lag auch in diesem Jahr der „familiäre“ Begrüßungsauftakt bei Seiner Durchlaucht, Andreas Fürst zu Leiningen. Er stellte ganz kurz die Historie des Hauses und äußerte sich hörbar stolz über die fachlichen, aber auch die landschaftlichen sowie atmosphärischen Bonuspunkte dieser ganz besonderen Klinik vor bevor er Chefarzt Dr. Stephan Gelbhaar das fachliche Wort zum diesjährigen Hauptthema „Depressionen – Symptome und Behandlungsmöglichkeiten“ überließ.

Die unglaubliche Resonanz an Zuhörern zeigte, wie sehr dieses Thema vielen unter den Nägeln brennt. Unglaubliche 12 – 18 Prozent aller Menschen sind direkt davon betroffen, wobei der Frauenanteil deutlich höher ist als der männliche. Ein Drittel aller Patienten in psychischer Behandlung werden auf Depressionen therapiert. Volkswirtschaftlich sind das allein durch ausgefallen Arbeitsstunden aufgrund dieser Krankheit vier Milliarden Euro. Depressionen wirken sich immens auf die Lebensqualität der Betroffenen, aber auch deren Umfeldes aus. Leider wird diese Krankheit oft erst sehr spät diagnostiziert, vor allem wenn sie sich in erster Linie körperlich auswirkt. Dabei hat sie eine hohe sozialmedizinische Bedeutung.

Wie Dr. Gelbhaar weiter erläuterte, sind die Symptome äußerst vielschichtig wie folgende Beispiele zeigen: „Ich vergesse alles so schnell“, „Bin ständig nur am Grübeln“, Gedankenkarusselle, negative Lebenseinstellung, Angst, ständige Traurigkeit, kein Freudegefühl mehr bzw. zunehmende Gefühlskälte nach allen Richtungen, Selbstwertprobleme. Schreckhaftigkeit, Antriebslosigkeit, Verspannungsschmerzen, zunehmende soziale Isolation, „Es ist alles so sinnlos“ bis hin zu akuter Suizidgefährdung.

Die Behandlungsmethoden müssen natürlich individuell gestaltet sein. Doch habe man große Erfolge verzeichnen können in Kombination von Medikation und Therapie. Denn die neuen Medikamente ermöglichen ein schnelleres neues Nervenzellwachstum. Wenn es zusätzlich gelingt, die Rahmenbedingungen des Patienten zu verbessern, dürfte ein Optimum an Gesundung erreicht werden können.

Vertieft wurden die Ausführungen des leitenden Chefarztes durch die Vorträge der Diplom-Psychologen Andreas Stark und Ruth Brand über die „Drei typischen Verhaltenstherapeutischen Behandlungen“, „Lebensfalle Unterwerfung“ sowie das praxisorientierte „Genuss-Training“ im Schmecken bzw. Riechen.

Als dritter „Gastgeber“ war die komplette Vorstandschaft der Sozialen Gemeinschaft „Das Boot“ e.V. mit dem 1. Vorsitzenden Rolf Leitenberger an der Spitze angetreten. Die überwiegende Zahl der Mitglieder – zumindest bis jetzt – sind ehemalige Patienten der Fachklinik Schloss Waldleiningen. Vorgestellt wurde dieser ganz besondere Verein durch Manfred Blesch, der als „Ehemaliger“ hier wieder zu seiner Musik gefunden hat und sie heute zu „Therapiezwecken“ für sich und andere einsetzt.

Das bringt eine gewisse Routine in Öffentlichkeitsarbeit mit sich. Dabei erfuhr man, dass die Ideengeber der heutigen Sozialen Gemeinschaft „Das Boot“, Hannelore Böhmig und Rita Sciehilone, sich vor rd. elf Jahren in Waldleiningen kennengelernt haben. Die eine seh-, die andere gehbehindert isolierten sie sich zu Beginn ihrer Reha immer mehr. Bis sie feststellten, dass sie Zimmernachbarinnen sind. „Von da an ging’s bergauf!“ Die eine wurde das Augenlicht der anderen, und diese andere die Stütze der einen. Die Freundschaft der beiden dauert bis heute an, denn sie haben festgestellt „Wir sitzen alle in einem Boot“ und gemeinsam sind wir stark.

Die Klinikleitung nahm das Konzept auf und 2005 gründete sich dann der genannte Verein mit dem Zweck von Hilfe, Förderung und Erfahrungsaustausch in der Gemeinschaft unter gleichgesinnten psychisch Erkrankten und dem Ziel von Selbsthilfegruppen im ganzen Bundesgebiet. Schon jetzt sind die ca. 60 Mitglieder samt Vorstandschaft über ganz Deutschland verteilt. Sie sehen sich alle Organisation oder Vernetzung und halten entsprechend Sitzungen und Mitgliederversammlungen ab. Sowohl der Vorstand als auch die Mitglieder sind in großem Umfang ehrenamtlich tätig in telefonischer Betreuung. Dazu nehmen sie an Fortbildungen teil – auch in Karlsruhe oder Stuttgart –organisieren Treffen in Waldleiningen, halten selbst Vorträge für Patienten in der Klinik oder für Selbsthilfegruppen.

Beim 7. Deutschen Reha-Tag in der psychosomatischen Fachklinik Schloss Waldleiningen waren sie mit einem Infostand vertreten, organisierten den Ehemaligen-Treff, Kaffee und selbstgebackenen Kuchen am Nachmittag und einen Bunten Abend mit Tanz und Musik von DJ Manfred.

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de



Artikel empfehlen: