Kreis-Grüne erleben Zulauf

Laufzeitverlängerung fördert Riegeltechnologie – Winfried Kretschmann kommt

Neckar-Odenwald-Kreis, Mosbach. (bd) Zunächst mussten Stühle herbei geschafft werden, im Tagungsraum des „Lamm“ saßen Grüne Parteimitglieder und Neuinteressenten dicht gedrängt. Entsprechend gut gelaunt begrüßten die beiden Kreisvorsitzenden Christine Denz (Mosbach) und Christine Böhm (Walldürn) besonders Landtagskandidatin Simone Heitz und den Referenten Dr. Uwe Graser.

Ihren Bericht zu den Anti-Atom-Demonstrationen und den Protestaktionen gegen Stuttgart 21 begann Simone Heitz mit der Bemerkung, dass angesichts des massiven Bürgerprotests derzeit von interessierter Seite so getan werde, als ob die gesellschaftliche Ordnung in Gefahr sei. „Das Gegenteil ist der Fall! Wenn die Menschen sich für politische Themen interessieren und notfalls, wo sie ihre Interessen nicht ernst genommen sehen, auf die Straße gehen, dann ist das lebendige Demokratie“. Für Politiker möge es unbequem sein, wenn BürgerInnen politische Vorhaben hinterfragten, so Heitz. “ Aber wenn Entscheidungen verantwortlich gefällt werden, wenn alle Risiken den Entscheidungsgremien bewusst waren, dann kann ein Entscheidungsträger auch die getroffene Entscheidung vermitteln!“ zeigte sie sich sicher. Wer nicht bereit sei, die Bevölkerung mit Argumenten bei einem Volksentscheid zu überzeugen, der werde es auch nicht mit Tränengas und Wasserwerfern tun. Bei Stuttgart 21 mangele es aber nicht nur an Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern, das Projekt sei in sich nicht stimmig. Insbesondere bringe es keinen Vorteil für die Fläche, auch wenn Peter Hauk S 21 praktisch zum Strukturhilfeprogramm für den Neckar-Odenwald-Kreis deklariere.

„Gelder sind keine Kartoffeln, die sich nach dem Eingraben in wunderbarer Weise vermehren, Geld bekommt unterirdisch nicht Junge“. Was im Stuttgarter Untergrund für das Prestigeobjekt vergraben werde, fehle an wesentlich dringlicheren Punkten für den ÖPNV. Sie zitierte eine Anzeige der S 21-Befürworter: „Ohne Stuttgart 21 werden diese Mittel anderswo in Bahnprojekte investiert.“ und schloss: „Wäre S 21 nicht schon einmal abgesetzt gewesen, hätten wir nicht die S-Bahn Rhein-Neckar bekommen. Es wäre einfach kein Geld mehr dafür zur Verfügung gestanden.“

Dr. Uwe Graser, Physiker beim Max-Planck-Institut, stellte sein Referat zu den Anforderungen einer sicheren und klimaverträglichen Energieversorgung unter die Fragestellung: „Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke – Brücken- oder Riegeltechnologie?“ Er präsentierte den Stand der wissenschaftlichen Diskussion, in der es inzwischen unumstritten sei, dass Atomenergie ohne Laufzeitverlängerung klimaverträglich durch erneuerbare Energien und Energieeffizienz ersetzt werden könne. „Das haben im Frühjahr auch alle von der Bundesregierung berufenen Sachverständigengremien bestätigt“, betonte er. Dieser notwendige Umbau sei eine gewaltige Herausforderung, mit enormen Anstrengungen – auch Einspar-Anstrengungen – verbunden, technisch jedoch zweifelsfrei machbar, wenn der politische Wille da sei. Die nun erfolgte Privilegierung der Atomkraftbetreiber stehe den notwendigen Veränderungen entgegen. Faktisch werde die Atomtechnik nun zur „Riegeltechnologie“, da dank der Riesengewinne aus den AKWs der Veränderungsdruck von den vier Strom – Großkonzernen genommen sei.

Graser zeigte die dazu notwendigen technischen Maßnahmen auf. Besonders der Aufbau eines intelligenten Versorgungsnetzes mit nahezu verlustfreien Gleichstromleitungen, um Solar- und Windenergie aus ertragreichen Gegenden dorthin zu bringen, wo sich die Verbraucher befänden, müsse zügig angegangen werden. Speichertechnologien seien entwickelt, müssten nun in die Produktion gehen, um die Unstetigkeit mancher Naturenergien ausgleichen zu können.

Bei den nachfolgenden Delegiertenwahlen wurden Christine Denz, Rene Engelhorn und Simone Heitz in die Metropolregion – Konferenz entsandt. Zum Landesparteitag mit der Verabschiedung des Landtagswahlprogrammes werden Klaus Brauch-Dylla und Simone Heitz als Delegierte, Christine Böhm und Rene Engelhorn als Ersatzdelegierte reisen. Für die Bundesdelegiertenkonferenz in Freiburg wurde Hans Detlef Ott gewählt.

Abschließend wurde für die Teilnahme an der Großdemonstration in Gorleben am 6. November aufgerufen und bekannt gegeben, dass Winfried Kretschmann in den Neckar-Odenwald-Kreis komme.
Am 15. November wird er bei einer Abendveranstaltung in Mosbach über den Stand der Dinge, nicht nur bei Stuttgart 21, sprechen.

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