20 Jahre Seckach – Reichenbach

Eintrag ins Goldene Buch. (Foto: Liane Merkle)

Seckach. (lm) ,,Wir gehen mit Mut und Zuversicht nach vorne. Die vergangenen 20 Jahre haben gezeigt, was wir gemeinsam schaffen konnten und was wir in der Zukunft noch schaffen können. Wir sind zusammengewachsen und zusammen gewachsen“. So die Kernaussagen der Bürgermeister Andreas Böer und Thomas Ludwig im Rahmen der Festveranstaltung „20 Jahre Partnerschaft Reichenbach/Oberlausitz und Seckach“ am vergangenen Freitag in der heimischen Seckachtalhalle.

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus Seckach und eine Abordnung von knapp 100 Personen aus Reichenbach dokumentierten mit ihrer Anwesenheit und Teilnahme eine lebendige und gelebte Partnerschaft mit unzähligen Freundschaften über Ländergrenzen hinweg. Für eine hervorragende Organisation vor und hinter den Kulissen dieser Festveranstaltung mit Rahmenprogramm zeichneten ausschließlich Seckacher Vereine, Feuerwehren und Organisationen verantwortlich, die sich in der Städtepartnerschaft zwischen Seckach und Reichenbach engagiert haben und noch werden.

Mit dem passenden Lied ,,Über sieben Brücken musst du gehen“ und ,,Mensch ärgere dich nicht“ sorgte der Männergesangverein Großeicholzheim unter der Leitung von Klaus Baier für eine stimmungsvolle Eröffnung des offiziellen Teils. Den beiden Bürgermeistern Ludwig und Böer oblag es anschließend, die zahlreichen Gäste zu begrüßen, darunter Landrat Dr. Achim Brötel, Ehrenbürger und Bürgermeister a. D. Ekkehard Brand sowie die aktuellen und ehemaligen Vertreter der jeweiligen Vereine, Organisationen, Kirchen, der Kommunalpolitik und nicht zuletzt Gerd Zeipert, der als ehemaliger Schulleiter der Reichenbacher Oberschule als erster Reichenbacher Bürger seinen Fuß im Juli 1990 auf Seckacher Boden gesetzt hatte.

20 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Seckach und Reichenbach sei eine mustergültig funktionierende deutsch-deutsche Partnerschaft, durch welche der Blick über den Tellerrand hinaus gefördert, die Lebensqualität in beiden Kommunen erheblich gesteigert und den Menschen viele wertvolle Begegnungen und neue Freundschaften beschert wurden. ,,Wir dürfen stolz sein auf die großartige Gemeinschaftsleistung. Eine gute Städtepartnerschaft braucht nämlich sowohl in den Gemeinderatsgremien, den Verwaltungen mit ihren Bürgermeistern an der Spitze als auch in beiden Bürgerschaften Menschen, die für ein funktionierendes Miteinander guten Willens sind“. Daher galt ein besonderer Dank und Willkommensgruß den ,,Ehemaligen“, die Kraft ihres Amtes und Funktion in den verschiedensten Bereichen als Motoren dieser Partnerschaft gelten, darunter und an erster Stelle Bürgermeister a. D. Ekkehard Brand und der bereits verstorbene Reichenbacher Bürgermeister Dr. Walter Langer.

Nach einer musikalischen Auflockerung durch das Violin-Trio Susanne Makajima, Victoria Kreß und Laura Schäfer sowie das Saxophon-Duo Daniel Nafz und Martin Parstorfer von der Musikschule Bauland, ging Ehrenbürger Ekkehard Brand unter dem Motto ,,Wie alles begann“ auf die Historie dieser besonderen Partnerschaft zwischen Seckach und Reichenbach ein. Begonnen hatte alles mit einem Besuch der Delegationen von Görlitz und Löbau im Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises, nachdem klar war, dass Baden-Württemberg und Bayern sich des neuen Bundeslandes Sachsen annehmen sollten. „Es war sehr notwendig, dass die Menschen der ehemaligen DDR spüren konnten, dass sie ihren deutschen Mitbürgern aus dem Westen wichtig sind.“ Ekkehard Brand hatte damals die Idee eingebracht, Partnerschaften über die Basis der Gemeinden zu beginnen, weil es überschaubarer war als gleich ein Kreis. Und er hatte Bereitschaft signalisiert, die vom damaligen Reichenbacher Bürgermeister Achim Petrik aufgenommen wurde.

Nach dem ersten Beschnuppern entschied man jedoch, die Kommunalwahlen in den neuen Bundesländern abzuwarten. Im Juni desselben Jahres schrieb dann der neue Reichenbacher Bürgermeister Dr. Langer eine Einladung an Seckach. Und dann handelte man zügig. Ekkehard Brand folgte der Einladung zusammen mit Edgar Baier, Norbert Richter, Erich Keller, Manfred Kilian, Roland Beck und Pius Sanns. Vor Ort stellte die Delegation fest, „Amtshilfe ist vordringlich“, denn die neue Führung war zwar guten Willens, hatte aber wirklich keine Ahnung von Kommunalverwaltung. Nach vorangegangenen Gesprächen, Besuchen und Meinungsaustausch in den verschiedensten Bereichen wurde am 12. Oktober 1990 im Reichenbacher Hof in festlichem Rahmen und im Beisein zahlreicher Vertretern aus beiden Kommunen die Partnerschaft Reichenbach-Seckach inkl. 90 Liter Badischem Wein und einem Stapel Liederbüchern vertraglich besiegelt.

Die Seckacher Gemeindefahne und ein Lindenbaum mit Gedenktafel waren von da an sichtbare Zeichen dieser Verbindung, betonte Bürgermeister a.D. Ekkehard Brand. Manfred Kilian und Thorsten Weber ließen sich als Beamte des gehobenen Dienstes von Seckach nach Reichenbach abordnen und konnten die notwendigsten Wissenslücken schließen. Die Autorität und Unabhängigkeit von Dr. Langer war ebenfalls eine große Hilfe. Leider verstarb er viel zu früh.
Doch mit seinem Nachfolger Andreas Böer haben die Reichenbacher nach Aussage von Brand „ins Schwarze getroffen“ und sie können stolz sein auf die Entwicklung ihrer Stadt in den letzten zwei Jahrzehnten.

Nach dem Lied ,,Ihr seid nicht umsonst gekommen“ durch den jungen Kirchenchor „Jezimus“ Zimmern unter Leitung von Wilfried Ackermann und dem gemeinsamen Abendessen überraschte Landrat Dr. Achim Brötel mit einem erfreulich kurz gefassten Grußwort. Die Bürgerinnen und Bürger aus Reichenbach und Seckach hätten trotz der 524 km Entfernung die vergangenen 20 Jahre positiv genutzt und so seien in dieser Zeit auch viele persönliche Freundschaften entstanden, die diese Partnerschaft heute tragen.

Mit Reichenbach und Seckach hätten sich die richtigen Gemeinden nicht nur gesucht, sondern vor allem auch gefunden und so übermittelte er auch die Glückwünsche des Landkreises, des Kreistages und der Kreisverwaltung. Der Reichenbacher Pfarrer Christoph Wiesener outete sich in seinen Grußworten zunächst einmal als waschechter Badener, dem die intensive Städtepartnerschaft in seinen 16 Jahren Oberlausitz nicht nur geholfen habe, frühzeitige Fluchtgedanken zu verwerfen, sondern auch seine Integration als Pfarrer mit Migrationshintergrund wesentlich zu erleichtern. „Diese Partnerschaft ist war und ist eine emotionale Stütze für das in der Fremde lebende Badner-Herz“. Vor allem konnte er Dank der zahlreichen freundschaftlichen Treffen beider Kommunen oft und in großer Runde singen, auch sein Badnerlied, denn „ganz im Vertrauen, die Reichenbacher singen nicht wirklich viel.“

Ein Notstand, dem der Musikverein Seckach unter Leitung von Martin Hess fast sofort entgegen wirkte mit dem „Reichenbacher Heimatlied“, das der Seckacher Dirigent arrangiert hatte und das bei Bürgern auf beiden Seiten offensichtlich guten Anklang fand. Dieser Premiere ging jedoch der Eintrag ins Goldene Buch voraus. Wie immer kunstvoll illustriert durch Rainer Kampfhenkel. Andreas Böer, Thomas Ludwig, Dr. Achim Brötel und Ekkehard Brand eröffneten den Unterschriftenreigen für alle, die ihr „Dabeisein“ ebenfalls dokumentieren wollten. Bevor der Musikverein Seckach zur Unterhaltung und gemütlichen Beisammensein aufspielte, hatten die beiden Bürgermeister doch noch einige Überraschungen auf Lager. Zunächst überreichten sie die Erstdrucke einer umfangreichen Fotodokumentation über diese gemeinsamen 20 Jahre nach der Vorstellung an Landrat Dr. Brötel und Ehrenbürger Brand. Nach dem offiziellen Teil mit dem traditionellen „Badnerlied“ durfte jeder der Anwesenden ein Exemplar zusammen mit einem Erinnerungsglas nach Hause nehmen.

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