Geothermie bei der CDU Billigheim

Dr. Marco Lichtenberger referierte

Billigheim. (mw) „Eine saubere und effiziente Energieversorgung ist eines der entscheidenden Themen unserer Zeit, ganz besonders auch mit Hinblick auf die ehrgeizigen Klimaziele, die wir uns gesteckt haben. Und eine der regenerativen und CO2-freien Energiequellen ist unser Planet selbst, wenn man nur daran denkt, dass 99 Prozent der Erde heißer sind als 1.000 Grad Celsius“, eröffnete der Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbandes Billigheim Mischa Waldherr den Vortragsabend zur Nutzung von Geothermie im privaten und öffentlichen Bereich.

Als Referenten für diesen Abend konnte man den Lohrbacher Geologen Dr. Marco Lichtenberger von der Geothermie RheinMainNeckar GmbH gewinnen, der in seinem Vortrag einen Überblick über die derzeitigen Methoden und mögliche zukünftige Anwendungen, von der Stromerzeugung über die Gebäudebeheizung bis zur Eisfreihaltung von Verkehrsflächen gab.

„Wir sitzen praktisch auf einer riesigen Heizung und müssen dieses riesige Energiepotenzial auch dementsprechend nutzen“, veranschaulichte Lichtenberger. Denn im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien wie Solar- oder Windkraft, sei die Geothermie grundlastfähig, ökologisch sinnvoll – so ist kein Energietransport notwendig – und zudem geopolitisch unabhängig. „Da kann Ihnen keiner den Gashahn abdrehen.“ Zudem liege man in unserer Region von den geologischen Bedingungen her relativ günstig, was den Aufwand und die Effizienz von geothermischen Anlagen betreffe. Hierzu hatte Lichtenberger eine eigens angefertigte geologische Karte für Billigheim mitgebracht. Dabei stieß auch eine Verwerfung der Erdkruste nördlich von Billigheim auf großes Interesse der Zuhörer: „Hier muss es einmal stärkere Erdbeben gegeben haben“, erläuterte Lichtenberger. Anschaulich erklärte er auch die Funktionsweisen der Anlagen und ging auf verschiedene Kosten- und Investitionsmodelle ein. Hier machte er mittels verschiedener Rechnungen deutlich, dass sich die Investitionskosten einer Erdwärmeheizung im Vergleich zu einem Fortbetrieb der Ölheizung relativ schnell amortisierten.

„Bei all dem ist aber eine gute Planung das A und O“, betonte der Geologe. Denn durch eine professionelle Betreuung könnten nicht nur Investitionskosten minimiert und die Effizienz der Anlagen gesteigert werden, sondern vor allem Folgekosten vermieden werden. Sodann kam Lichtenberger auf die kritischen Fälle zu sprechen, allen voran das von ihm als mahnendes Paradebeispiel einer schlechten Planung und Umsetzung geführten Geothermieprojekt der Stadt Staufen in Baden-Württemberg. Hier war bei nicht fachgerecht durchgeführten Bohrungen Grundwasser über ein nicht ordnungsgemäß nachbefülltes Bohrloch in eine Anhydrit-Schicht gelangt, die sich daraufhin ausdehnte und folgenschwere Hebungen in der historischen Altstadt verursachte. Hier konnte Lichtenberger detaillierte Informationen liefern, da er selbst im Zuge der dortigen Nachuntersuchungen als Gutachter tätig war.

Am Ende hob Lichtenberger noch die Bedeutung der Erforschung besserer Energiespeicher hervor, um Energieüberschüsse, wie sie etwa bei der Photovoltaik anfallen, besser speichern zu können, womit die Wärmepumpe der Erdwärmeanlage ganzjährig mit Solarenergie betrieben werden und damit auch autarkes Heizen möglich werden könnte. Danach schloss sich eine ausführliche Diskussion an, in der Lichtenberger auch auf technische und individuelle Nachfragen detailliert einging.

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