Schüler entwickeln Befriedungsstrategien

Krisen sind nicht (nur) durch Militärinterventionen lösbar

Experte im Unterricht: Friedemann Schirrmeister vom Heidelberger Institut für internationale Konfliktforschung berichtete vor Zwölftklässlern über seine wissenschaftliche Arbeit. (Foto: p)

Eberbach (pm). Die Zwölftklässler des Eberbacher Hohenstaufen-Gymnasiums (HSG), die in diesem Schuljahr den Seminarkurs „Frieden – nur ein frommer Wunsch“ unter Leitung der Studienräte Till Weidenhammer und Michael Windorfer besuchen, beschäftigten sich im Oktober 2010 unter Anleitung des Konfliktforschers Friedemann Schirrmeister vom Heidelberger Institut für internationale Konfliktforschung e.V. mit der wissenschaftlichen Vorgehensweise, nach der weltweite Konflikte und Kriege untersucht werden. Nach einem Vortrag über die Arbeitsweise der Konfliktforschung und einer Einführung in die Klassifikation aktueller Konflikte sowie den Wirtschaftskreislauf der neuen Kriege wurde den Schülerinnen und Schülern der Drogenkonflikt Mexikos dargestellt.

Anschließend erarbeiteten sie verschiedene Lösungsstrategien, die nicht bei militärischer Intervention stehen blieben, da die neuen Konflikte nachhaltigerer Antworten bedürfen, um nicht nach der Intervention wieder aufzuflackern. Anhand der Materialien arbeiteten die Seminarkursteilnehmer heraus, dass der Drogenkrieg in Mexiko nicht allein dort, sondern auch in den Nachbarländern und Abnehmerländern der Ressourcen der Kriegsparteien – in diesem Fall vorwiegend Drogen – beeinflusst werden kann, da die wirtschaftlichen Verbindungen wesentliche Triebfeder der meist profitorientierten Konflikte sind.

So wurde deutlich, dass nicht nur durch schärfere Zollkontrollen und Verringerung des illegalen Absatzes mexikanischer Drogen beispielsweise in den USA Profit und Attraktivität des Krieges verringert werden kann, sondern ebenso durch wirtschaftliche Hilfen für die mexikanische Bevölkerung, die teils aus Not und Alternativlosigkeit, teils aber auch nur wegen der höheren Gewinne mittels Korruption oder direktem Drogenanbau die Drogenkriege unterstützt. Neben die militärische Kontrolle und Vernichtung der Anbauflächen, aus welchen sich die Kriegsparteien finanzieren, muss allerdings nicht nur eine wirtschaftliche Grundversorgung der Gesellschaft und eine Erschwerung des Drogenverkaufs treten, sondern auch aktiv die Zahl der Waffen begrenzt werden.

Auch hier reicht es nicht, wie unter der Anleitung von Schirrmeister deutlich wurde, die leichten Waffen, welche vorwiegend in den Partisanenkämpfen gleichenden neuen Konflikten genutzt werden, im Land selbst einzuziehen, da über den freien Verkauf auf der amerikanischen Seite der mexikanischen Grenze vielfältiger Nachschub ins Land strömt. Der Drogenkrieg in Mexiko, so ein mögliches Fazit, muss in einer global vernetzten Welt deshalb global bekämpft werden. Dazu reichen begrenzte Militärinterventionen eben nicht aus. Die lokale Bevölkerung muss auch in die Lage versetzt werden, sich ohne Drogenanbau und Korruption zu ernähren, und die nach Schätzungen 50 Prozent der lokalen Administration betreffende Korruption sollte ebenfalls bekämpft werden. Eine Eindämmung des Verkaufs der Ressourcen, auf denen die Konflikte basieren, muss von den Abnehmerländern geleistet, der Waffenhandel in den Verkäuferländern kontrolliert und beschränkt werden. Wirtschaftlichen Fragen kommt also ein besonderes Gewicht zu, gerade weil die neuen Kriege meist profitorientiert sind. Weitere Ansätze der Friedenssicherung wird der Seminarkurs unter der Anleitung eines Jugendoffiziers der Bundeswehr und bei einer Exkursion in ein Kloster erarbeiten. Schon in dieser Arbeitsphase wurde den Seminarkursteilnehmern, die sich ein Jahr vor dem Abitur wie später an der Hochschule intensiv mit einem anspruchsvollen Themenkomplex beschäftigen, aber deutlich, dass Frieden kein frommer Wunsch bleiben muss, sondern mit vielen Mitteln zumindest gefördert werden kann.

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