Grauer Star: 100 Operationen monatlich

Seit rund 23 Monaten operieren Ärzte der Augenklinik Lohr in den Neckar-Odenwald-Kliniken in Buchen Patienten, die an einer Eintrübung der Linse (Grauer Star) leiden. Bisher konnte schon rund 1500 Betroffenen geholfen werden. (Foto: LRA)

Buchen. Neckar-Odenwald-Klinken Standort Buchen, Montagmorgen, acht Uhr: Augenarzt Dr. Tilman Littan aus Lohr setzt den ersten mikroskopisch kleinen Schnitt am Auge eines Patienten. Montagnachmittag 16.30 Uhr: Dr. Littan prüft den Sitz einer gerade eingesetzten künstlichen Linse und verabschiedet die noch leicht benommene Patientin, bei der, wie bei allen anderen auch, im Vorfeld der Graue Star diagnostiziert worden war.

Zwischen der ersten und dieser letzten OP liegen 23 weitere augenchirurgische Eingriffe, die der erfahrene Mediziner mit seinem Team allein an diesem Tag in
Buchen vorgenommen hat. Insgesamt summiert sich die Gesamtzahl der Operationen, die Dr. Littan und sein Kollege Dr. Stephan Münnich in den letzten 23 Monaten immer montags in Buchen gemacht haben, auf runde 1500. Diese stolze Zahl, kombiniert mit der großen Zufriedenheit der ganz überwiegend älteren Patienten, lässt den Schluss zu: Die Einrichtung eines Augenärztlichen Operationszentrums in Buchen, die in enger Kooperation mit der Augenklinik Lohr – von dort kommen auch die operierenden Ärzte – erfolgte, ist eine Erfolgsgeschichte.

Vor allem ältere Menschen erkranken häufig am Grauen Star. Allein in Deutschland gibt es jährlich rund 650.000 Neuerkrankungen. In der Folge trübt sich die Linse immer mehr ein, Betroffene haben zwar keine Schmerzen, sehen aber zunehmend  „wie durch Milchglas“. Hier kann die Medizin Abhilfe schaffen: Die getrübte Linse wird mittels Ultraschall zertrümmert und entfernt. An ihre Stelle wird eine Kunststofflinse gesetzt, die für einen klaren Blick sorgt und praktischerweise auch noch in verschiedenen Dioptrienstärken zu haben ist. Dank der „eingebauten Brille“ benötigen Betroffene nach der OP im Idealfall nur noch eine zusätzliche Lesebrille – ein Plus an Lebensqualität, auf das kein Betroffener mehr verzichten möchte. Zumal die OP normalerweise nicht länger als eine Viertelstunde dauert und bei örtlicher Betäubung annähernd schmerzfrei durchgeführt wird. Nach dem ambulant durchgeführten Eingriff kann der Patient nach Hause gehen, die Nachbehandlung übernimmt der Augenarzt vor Ort.

Früher mussten Patienten aus dem Kreis für eine derartige Operation Fahrzeiten von über einer Stunde in Kauf nehmen. Das ist nicht mehr nötig, seit im Dezember 2008 von den beiden Augenärzten aus Lohr in Zusammenarbeit mit der Buchener Augenarztpraxis Dr. Uihlein/Dr. Kurasch das Augenärztliche Operationszentrum am Krankenhaus in Buchen eröffnet  wurde. Bürokratische Hürden, die das Projekt ein Jahr lang behinderten, hatte unter anderem Landrat Dr. Achim Brötel  beseitigen helfen. „Dieses Operationszentrum muss man einfach als „sein Baby“ bezeichnen, für die Realisierung hat er sich wirklich über die Maßen eingesetzt“, erinnert sich Dr. Littan.

In der Praxis stellen die Lohrer Ärzte die Geräteeinheit und bringen zu den OP-Tagen jeweils zwei OP-Schwestern mit. Anästhesist und Anästhesieschwester sowie zwei Krankenschwestern oder –pfleger gehören zum Krankenhaus. Komplettiert wird das Team von zwei Arzthelferinnen der Praxis Dr. Uihlein/Dr. Kurasch. Gemeinsam sorgen sie für einen reibungslosen Ablauf in der Abteilung für Ambulantes Operieren, die immer montags zu einem Großteil von
„Augenpatienten“ belegt ist.

„Eine ruhige Atmosphäre ist ganz wichtig. Denn auch wenn der Eingriff selber in aller Regel nicht lange dauert, ist doch immer größte Konzentration nötig und Patienten, die Vertrauen haben. Das haben sie aber nur, wenn die Atmosphäre stimmt. Und das tut sie hier, wofür wir sehr dankbar sind“, erklärt Dr. Littan, der besonders dem guten Verhältnis zwischen Anästhesist und Operateur einen großen Wert beimisst. Er selbst operiert immer mit Hilfe eines Mikroskops, die winzigen Dimensionen wären mit dem bloßen Auge gar nicht zu erkennen. Dr. Littan ist sich sicher:  „Diese Operationen wird auch künftig kein Roboter übernehmen können“. Eine Erfolgsquote von weit über 95 Prozent ist der Lohn für die konzentrierte Arbeit des Teams und die gute Vorbereitung, die von den Augenarztpraxen vor Ort – gegebenenfalls in Absprache mit den Operateuren – übernommen wird. „Auch das klappt sehr gut“, betont Dr. Littan: „Künftig möchten wir aber auch mit den anderen Augenarztpraxen in der Umgebung noch enger zusammenarbeiten, um möglichst allen am Grauen Star erkrankten Patienten im Neckar-Odenwald-Kreis die modernsten Behandlungsmethoden hier in Buchen zur Verfügung zu stellen.“

Info: Wer am Grauen Star erkrankt ist, kann sich bei seinem Augenarzt über die Möglichkeiten einer Operation im Augenärztlichen Operationszentrum in der Neckar-Odenwald-Klinik in Buchen erkundigen. Die Koordination und die Überweisung zum operativen Eingriff erfolgt durch den Augenarzt des Patienten. Auch die Nachversorgung übernimmt der behandelnde Augenarzt am Wohnort. Für Patientenfragen zum Thema Operation am Grauen Star steht zudem die Augenklinik Lohr beratend zur Verfügung. (Tel.-Nr.: 09352/42 42 bzw. E-Mail: info@aoz-lohr.de)

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen: