NABU: Lust-Molche auf Wanderschaft

Amphibienwanderung beginnt – NABU bittet Autofahrer um Rücksicht – Ehrenamtliche tragen rund 400.000 Kröten über die Straße

Kröten, Molche und Frösche sitzen in den Startlöchern. (Foto: NABU/Thomas Beuster)

Odenwald. Auch wenn es an vielen Orten noch ein wenig am Regen mangelt: Bei den jetzigen Temperaturen packt Frösche, Kröten und Molche die große (Wander-) Lust. Jetzt ist die Zeit, um sich fortzupflanzen, die Amphibien machen sich dazu auf den Weg zu ihren Laichgewässern. „Damit aus der Lust-Reise keine Reise ohne Wiederkehr wird, bitte ich alle Autofahrer um Rücksicht“, sagt Dr. Andre Baumann, der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes NABU. „Wir schätzen, dass eine Million Kröten und Frösche über eine Straße wandern müssen, um ihr Gewässer zu erreichen.“

Für Tausende dieser Tiere endet die Wanderung vorzeitig und blutig. Dabei sterben die Tiere nicht nur, weil sie unter die Räder kommen. „Selbst wenn ein Frosch unter ein fahrendes Auto gerät und die Reifen vorbeirollen, ist der Strömungsdruck oft tödlich. Bei einer Geschwindigkeit von über 30 Stundenkilometer haben sie fast keine Überlebenschance“, erklärt Baumann. Die vielen hundert ehrenamtlichen Amphibienschützer im NABU kennen dieses Phänomen: Immer wieder finden sie Tiere, die nicht überrollt wurden, denen jedoch Teile der Eingeweide aus dem Mund hängen. „Um Kröten, Frösche und Molche nicht zu töten, reicht der gut gemeinte Slalom alleine also nicht aus. Nur wenn das Auto langsam, sprich unter 30 Stundenkilometer fährt, können die Tiere überleben“, sagt Baumann. „Mit etwas Rücksicht können wir auch in Zukunft Abende mit romantischem Frosch-Konzert im Hintergrund genießen und von den Diensten dieser natürlichen Mückenfallen profitieren.“

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“NABU: Lust-Molche auf Wanderschaft“ url=“//www.nokzeit.de/?p=10093″] Kröten, Frösche und Molche wandern im Frühjahr zu ihren Geburtsgewässern, um sich dort fortzupflanzen. Sie legen dabei Strecken von bis zu zwei Kilometern zurück. Unter www.NABU.de/kroetenwanderung informiert der NABU, wo sie hauptsächlich unterwegs sind. Interessierte erfahren so auch, wo sie helfen können. Seit vielen Jahren haben NABU-Ehrenamtliche dem Amphibientod auf den Straßen den Kampf angesagt. Jahr für Jahr sind Naturschützer vieler Organisationen aktiv, stellen rund 250 Fangzäune auf und sichern so an Brennpunkten ungefähr 125 Kilometer Straße ab. Dort tragen sie geschätzte 400.000 Kröten über die Straße – vor allem Erdkröten, Gras- und Springfrösche sowie Molche.

Die Bestände der Amphibien in Baden-Württemberg sind in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. „Fast alle unsere Amphibienarten sind gefährdet und stehen auf der Roten Liste – vor allem, weil immer mehr Straßen gebaut und Lebensräume zerstört werden“, erklärt Baumann.

Auch im Odenwald haben die Straßenmeistereien bereits sogenannte Krötenzäune aufgestellt. In Kürze werden dort wieder Naturschützer aktiv sein, um die Amphibien zu sammeln und über die Straßen zu transportieren. Die Autofahrer werden um entsprechende Rücksichtnahme gebeten.

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