Leserbrief: An die Schwächsten denken

Symbolbild - Pflege
Symbolbild - Pflege/Hospiz

Die Stadt Mosbach dürfe ältere Menschen nicht aus den Augen verlieren. Insbesondere müssten sich Angebote auch an bisher ausgegrenzte Senioren richten, fordert Leserbriefautor Reinhold Berberich. (Symbolbild: Pixabay)

Seniorenarbeit in Mosbach: Schwächere und Einsame nicht vergessen

Demnächst steht in Mosbach die Wahl des Stadtseniorenrats an. Seit dessen Gründung umfasste dieser 13 Mitglieder.

Erst nach personellen Problemen wurde das Gremium unter Oberbürgermeister Michael Jann auf sieben Personen verkleinert und 2022 ohne große Hinterfragung erneut so gewählt.

Die Praxis zeigt jedoch: Durch Krankheit, Todesfälle oder Verpflichtungen im privaten Umfeld fallen immer wieder einzelne Personen aus. Das liegt in der Natur des Alterns.

Zwar hat der aktuelle Seniorenrat wertvolle Arbeit geleistet – etwa bei kulturellen Angeboten, der „Netten Toilette“ oder der Bordsteinabsenkung – doch erreicht dies vor allem die ohnehin noch aktiven Senioren.

Diejenigen, die isoliert, weniger mobil oder von Armut betroffen sind, bleiben weitgehend außen vor. Auch an die rund 4.000 Mitbürger mit Migrationsgeschichte, unter denen die Zahl älterer Menschen ebenso steigt, wurde bislang kaum gedacht.

Verunsicherung, Hitzebelastung und Vereinsamung schaden älteren Menschen massiv und steigern das Risiko für unerkannte Erkrankungen wie Demenz.

Ein erfüllter letzter Lebensabschnitt braucht mehr gegenseitige Einbindung – Skandinavien zeigt auf, wie das gelingen kann.

Auch die Kirchen und freien Träger sollten stärker als Ratgeber eingebunden werden. In Mosbach leben rund 3.800 Menschen im Alter zwischen 63 und 75 Jahren. Wenn man diese Generation wertschätzend einbindet, ließe sich ein tragfähiges Unterstützungsnetzwerk aufbauen.

Zudem wäre es wichtig – ähnlich wie bei einem Jugendgemeinderat, wo es mittlerweile sogar gesetzlich vorgeschrieben ist, den Seniorenrat besser in die Gremienarbeit des Gemeinderates einzubinden.

Mit den aktuellen Vorgaben und der reduzierten Mitgliederzahl ist eine umfassende Seniorenarbeit, die auch an die Schwächsten der Gesellschaft denkt, meines Erachtens kaum machbar.

Hier sollten Stadtverwaltung und Gemeinderat umdenken.

Reinhold Berberich, Mosbach

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