„Christlicher Glaube fordert soziale Gerechtigkeit“

Hochkarätig besetzte Diskussionsrunde hinterfragt politische Ziele und ethische Werte

Richterin U. Hammer, Direktorin Amtsgericht Wertheim, Dr. D. Schlegel, Kreisrätin, S. Rebmann, DGB-Vorstand Nord-Baden,  G. Langguth, Dr. D. Dreisbach, Evang. Kirche/ Diakonie, und Industriepfarrer Martin Huhn, Mannheim, diskutierten in Mosbach mit zahlreichen Interessierten über die Verwirklichung christliche Werte im sozialen Miteinander.

Mosbach. Auf Einladung von SPD-Abgeordneten Georg Nelius fanden sich kochkarätige Gesprächspartner im Mosbacher Gasthof „Lamm“ ein, um mit zahlreichen Interessierten über die aus dem christlichen Glauben abgeleitete Pflicht zum sozialen Handeln zu sprechen. Nach einer kurzen Begrüßung durch Gerhardt Langguth, Mosbach, übermittelte die Moderatorin, Kreisrätin Dr. Dorothee Schlegel, die Grußworte des Abgeordneten Georg Nelius.

Industriepfarrer Martin Huhn aus Mannheim stellte in seinem Einführungsvortrag den Begriff Gerechtigkeit in den Mittelpunkt. Gerechtigkeit sei stets nur positiv behaftet, sei schlichtweg der Inbegriff guten Lebens. Dort, wo Gerechtigkeit vorhanden sei, herrsche Achtung und Solidarität, wo sie fehle, kranke das Gemeinwesen. Die Kernaussagen der Bibel richteten sich stets auch daraufhin aus, dass den Schwachen und Armen Gerechtigkeit zuteilwerde. Diese sehe man auch an der Zuwendung Jesus für Kranke und Schwache, das Aufrichten der Schwächsten sei ein programmatischer Schwerpunkt seines Wirkens gewesen. Das Recht der Schwachen zu schützen, sei Kern christlichen Gedankengut. „Doch Gottes Zuwendung ist nicht darauf abgerichtet, das Leid unmittelbar zu lindern,“ führte Pfarrer Huhn weiter aus, “sondern sie spornt an, selbst aktiv zu werden, um diese zu lindern.“ Demnach sei die grundlegende Ausrichtung christlichen Tuns auf eine Verbesserung der Situation der Schwächsten fokussiert. „Gerechte Teilhabe muss deshalb das Ziel unserer Gesellschaft sein“, sein Kredo.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“„Christlicher Glaube fordert soziale Gerechtigkeit““ url=“//www.nokzeit.de/?p=10377 „]Stefan Rebmann vom DGB Nord-Baden schlug in seinem Eingangsstatement den Bogen zu den aktuellen politischen Rahmenbedingungen. Für ihn bestehe soziale Gerechtigkeit auch darin, das faire Teilen einzufordern, sei bei der Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit oder den in seinen Augen ungerechten neuen Freigrenzen in der Krankenversicherung. Exemplarisch verwies er auf den Umstand, dass „sang-und-klaglos“ Milliarden Euro für die Rettung der Banken bereit gestellt worden seien, aber „um wenige Euro Erhöhung den Hartz-IV-Sätze geschachert“ worden sei. „Eine Partei, die das C in Namen trägt, sich aber gegen Equal Pay stellt, nimmt ihre soziale Aufgabe nicht war!“ bringt es S. Rebmann auf den Punkt.
Für die Richterin und Direktorin am Amtsgericht Wertheim, Ursula Hammer, bedeute Christ zu sein, Verantwortung zu tragen. Ihr gebe die Bibel vor, Gott und seinen Nächsten zu lieben. Sie stellte den Begriff der Barmherzigkeit in den Mittelpunkt ihres Statements. Diese regle den Umgang mit den Mitmenschen und fordere Verantwortung für den Nächsten. Und diese Verantwortung beinhalte auch eine politische Komponente. „Die SPD ist für die Partei, in der die christlichen Werte am besten umgesetzt werden können. Für mich ist meine Partei das Mittel zum Zweck, christliches Handeln umzusetzen.“ so Richterin Hammer.
Dr. Dieter Dreisbach, Evang. Kirche/ Diakonie, zeigte in einem historischen Brückenschlag auf, wie sich der Begriff Barmherzigkeit in den letzten Jahrhunderten zu Fürsorge hin entwickelt hat. Die großen Diakonien, so wie auch „seine“ Johannesanstalten, seien letztendlich nur die konsequente Anwendung der Barmherzigkeit auf die heutigen Herausforderungen. „So wie die Bibel im Alten Testament Gerechtigkeit und Barmherzigkeit für Witwen, Waisen und Fremde fordert, müssen wir heute dies auch auf Arbeiter, ja sogar auf die gesamte Schöpfung, ausweiten.“ lautete eine seiner Kernaussagen.

In der angeregten Diskussion wurde zahlreiche virulente Problemfelder gestreift: von der „Selektion“ in der Schule, über die Ungerechtigkeiten bei der Leiharbeit und den Mängeln in der geänderten Gesundheitspolitik, bis hin zu den – durchaus positiv bewerteten – radikalen Vorschlägen des Neuköllner Bürgermeister Buschkowski.

Am Ende kündigte Dr. D. Schlegel an, dass sich dieser Diskussionskreis in Zukunft regelmäßig treffen werde und brachte Ihre Freude zum Ausdruck, dass der SPD-Landtagsabgeordnete Georg Nelius seine volle Unterstützung dafür zugesagt habe.

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