Fußball muss Kinder schützen

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Sexueller Missbrauch – BFV will Kultur des Hinsehens

Karlsruhe. (bfv) Immer wieder kommen Fälle der Kindeswohlgefährdung und des sexuellen Missbrauchs oder von Gewalt ans Tageslicht. Und immer dann ist auch das Lamento über fehlende Schutzvorkehrungen oder die Erosion sozialer Strukturen groß. „Wir sind alle gefordert, die Kinder zu schützen“, stellt denn auch Ronny Zimmermann, der Präsident des Badischen Fußballverbandes klar heraus, zumal gerade in Sportvereinen diese Gefahr sehr groß ist. Ronny Zimmermann: „Kinder- und Jugendschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und dieser Verantwortung muss sich auch der Fußball stellen. Wir stehen in der Pflicht, sich auch mit negativen Themen und Entwicklungen auseinanderzusetzen und dazu gehören Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigungen. Sie sind allgegenwärtig und niemand kann von sich behaupten, nicht selbst in Verband oder Verein damit von heute auf morgen konfrontiert zu werden“.

Deshalb ist es dringender denn je, an der gesamten Basis alle möglichen und sinnvollen Maßnahmen zum Schutz der Kinder zu ergreifen. Damit der Einstieg bei der beruflichen oder ehrenamtlichen Betreuung von Minderjährigen erschwert wird, wurde das Bundeszentralregistergesetz geändert. Personen, die im kinder- und jugendnahen Bereich tätig werden wollen, haben ein so genanntes erweitertes Führungszeugnis vorzulegen. Dieses enthält im Interesse eines effektiven Kinder- und Jugendschutzes auch minderschwere Verurteilungen zu Sexualstraftaten, beispielsweise wegen Exhibitionismus oder Verbreitung von Kinderpornographie. „Menschen mit einschlägigen Vorstrafen ist der Berufsweg in Kindergärten, Jugendämter oder als ehrenamtliche Sporttrainer damit erschwert“, erläutert Ronny Zimmermann.


Nach bislang gültigem Recht erschienen im Führungszeugnis Erstverurteilungen nur bei einer Geldstrafe von mehr als 90 Tagessätzen oder einer Freiheitsstrafe von mehr als drei Monaten. Von diesen Grenzen waren deshalb nur bestimmte schwere Sexualstraftaten wie sexueller Missbrauch von Schutzempfohlenen und Vergewaltigungen ausgenommen, nicht aber alle anderen kinder- und jugendschutzrelevanten Sexualdelikte. Bei Vorlage eines Führungszeugnisses erlangte man somit von solchen Erstverurteilungen im untersten Strafbereich keine Kenntnis und konnte somit auch zum Beispiel eine berufliche Einstellung oder die Übertragung eines Traineramtes nicht verhindern. Dies hat sich mit der Einführung des erweiterten Führungszeugnisses geändert.

Zu Beginn des Jahres hat der Vorstand des Badischen Fußballverbandes beschlossen, von allen ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern/innen ein erweitertes Führungszeugnis einzufordern. Mit Beginn dieses Spieljahres liegen etwas mehr als 350 Zeugnisse dem Verband von den Mitgliedern aller Gremien, von der Verbandsgeschäftsstelle und von der Sportschule Schöneck vor. „Das war unser erster Schritt und den ist auch jeder mitgegangen und künftig wird dies auch der Standard bei allen Einstellungen, Berufungen oder Neuwahlen“, so Präsident Ronny Zimmermann. Jetzt wird es weiter gehen mit der Aufklärung in Führungskräfteseminaren, Teamleiter- oder Trainerausbildungen und Schiedsrichterlehrgängen, um nur einige zu nennen.

Zimmermann: „Wir können aufklären und warnen, die Vereinsverantwortlichen  sensibilisieren. Vor Ort aber muss jeder Verein selbst tätig werden. Deshalb fordere ich unsere 620 Vereine auf, sich diesem Thema verstärkt anzunehmen und als Einstieg ebenfalls das erweiterte Führungszeugnis von all denen zu fordern, die Tag für Tag nahe an der Jugend dran sind. Wir können in keinen Menschen hineinschauen, deshalb kann sich keine Jugendabteilung zu hundert Prozent sicher sein, dass bei ihr alles in besten, geordneten Händen liegt“.

Es gibt viele Möglichkeiten der Prävention in Sportvereinen oder Sportverbänden. Die baden-württembergische Sportjugend hat sich diesem Thema deshalb auch schon verstärkt angenommen und Ausarbeitungen, bis hin zu einem Ehrenkodex gemacht. Entsprechendes „Material“ kann über die Fax-Nummer 0711/28077879 angefordert werden.

Fußballpräsident Zimmermann stellt in Richtung Vereine nochmals klar, „dass das erweiterte Führungszeugnis nur der erste Schritt zur Auseinandersetzung mit dieser Thematik sein kann“. Als weitere Präventionsmöglichkeiten können unter anderem genannt werden: a) eine Aufklärung der Kinder und Jugendlichen darüber, wo es im Falle von Problemen Hilfe gibt, b) Förderung des Selbstwertgefühls, der Persönlichkeit und der Durchsetzungsfähig, c) Anbieten von Selbstverteidigungs-, Selbstbehauptungs- oder Selbstsicherheitstraining, d) Sensibilisierung der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter für das Thema, e) Kultur des Hinsehens und Hinhorchens, Reden nicht schweigen, f) Kummerkasten, g) strukturell verankerte Vertrauensperson (eventuell der Jugendleiter) oder h) das Aufstellen von allgemeinverbindlichen Verhaltensregeln und Verhaltensnormen in Vereinen oder Verband (Verhaltenskodex).

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