Agrarpolitik des Landes findet nicht statt

MdB Alois Gerig: „Bauern sollen Brücken bauen“

von Liane Merkle

Marco Eberle vom Landesbauernverband

Neckar-Odenwald-Kreis/Seckach. Eindringlicher Appell von MdB Alois Gerig (CDU) im Rahmen der Mitgliederversammlung des Kreisbauernverbandes Neckar-Odenwald in der gut besuchten Seckachtalhalle war der unbedingte Zusammenhalt der Landwirte, die nicht gleich gegeneinander schmollen sollten, wenn etwas nicht von Anfang an rund läuft. Zwar könne man schon manchmal an der Situation und dem ungerecht schlechten Image der Landwirte bezüglich der Tierhaltung und des Pflanzenschutzes verzweifeln, aber es sei mehr als nur ungesund, wenn sich Landwirte, Politik und Gesellschaft gegeneinander ausspielen lassen. Im Gegenteil sei es wichtig Brücken zu bauen zwischen Erzeuger und Verbraucher und dies habe man mit der ,,Carta“ auf politischer Ebene versucht.

Mit einem Dank an alle, die zum Gelingen dieser Jahreshauptversammlung beigetragen hatten, vor allem an den 1. Vorsitzenden Herbert Kempf und Geschäftsführer Andreas Sigmund, rief der Bundestagsabgeordnete dazu auf, positiv und optimistisch nach vorne zu schauen und vor allem weiter zusammenzuhalten.

Diesen Ausführungen war eine kurzweilige und äußerst informative Mitgliederversammlung in Anwesenheit von Bürgermeister Thomas Ludwig als Hausherr, Landrat Dr. Achim Brötel und Vertreter von Banken, Genossenschaft, Kreisjägervereinigungen sowie landwirtschaftlichen Organisationen und der Landjugend. Ein weiterer Willkommensgruß des Vorsitzenden Herbert Kempf galt auch den Landfrauen und den beiden Ehrenvorsitzenden Theo Schadt und Siegfried Hornung sowie dem Referenten Marco Eberle vom Landesbauernverband mit seinem Vortrag über ,,Moderne Landwirtschaft im Spannungsfeld wirtschaftlicher Zwänge und den Verbraucherwünschen“.


Kempf wies auf die Aktion des Deutschen Bauernverbandes hin, der auch im Rahmen dieser Versammlung mit einer sinnbildlichen Uhr deutlich mache, dass täglich in Deutschland knapp 90 Hektar landwirtschaftliche Fläche versiegelt bzw. der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen werde. Neben einer allgemeinen Kritik an den politischen Entscheidungsprozessen mit negativen Auswirkungen auf die Landwirtschaft hob der Vorsitzende das Problem des sogenannten ,,Greening“ auf ca. 7 Prozent der Flächen hervor. Hierbei sollen bestehende Landschaftselemente in Kombination mit Biodiversitätsflächen und Randstreifen in Form von Stilllegungen und Produktionsentnahmen durchgeführt werden, was einen riesigen Kontroll- und Bürokratieaufwand nach sich ziehe.

Als weitere Maßnahmen in diesem ,,Greening“ nannte er die Einhaltung einer Fruchtfolge und Grünlandumbruchverbot. ,,Aber nicht nur von der gemeinsamen Agrarpolitik der EU sind wir betroffen sondern ganz besonders von der Agrarpolitik des Landes Baden-Württemberg, die praktisch nicht mehr stattfindet“, sagte Herbert Kempf und kritisierte damit besonders die Kürzungen von Ausgleichszahlungen und Förderungen.

Der Kreisvorsitzende abschließend: ,,Die Politik in Baden-Württemberg insgesamt zieht sich in letzter Zeit aus den ländlichen Räumen zurück und konzentriert sich nur noch auf die Ballungsräume, was wir sehr bald in unseren Ortschaften merken werden“.


Kreisgeschäftsführer Andreas Sigmund ging in seinem Geschäftsbericht auch auf die Mitgliederentwicklung im vergangenen Jahr ein, wo man bei einem Mitgliederstand von 1.258 aktuell 59 Mitgliederverluste zu verzeichnen hatte. Bei einer veranlagten Fläche von 36.546 Hektar bedeute dies einen Rückgang von 203 Hektar. Der Kreisbauernverband verstehe sich als Dienstleister für seine Mitglieder, der z. B. unterstütze bei Flurstücksverzeichnissen, Steuerberatungen, Landpachtverträge, Rentenanträge und Hofübernahmen.

Während er sich für eine Öffnung der verschiedenen Betriebe in moderne Strukturen und Produktionsfelder aussprach, appellierte auch er an eine klare Regelung bei Christbaumkulturen und für einen sofortigen Stopp beim Landfraß.  Mit zahlreichen Partnern unterhalte man ein vertrauensvolles und kooperatives Verhältnis.

Als anstehende Termine nannte Sigmund die Informationsveranstaltung zur Windkraft am Freitag, 02. März um 14 Uhr in Steinbach und die Veranstaltung zusammen mit den Kreisjägervereinigungen am Freitag, 16. März um 20 Uhr in der Schefflenzer Roedderhalle mit dem Thema ,,Schwarzwildmanagement – Zusammenarbeit Landwirt und Jäger“.


Nachdem die Kassenprüfer Wilfried Gruppenbacher und Roland Pföhler keinerlei Beanstandungen in der Finanzverwaltung zu vermelden hatten erteilten die Mitglieder der gesamten Vorstandschaft als Dank und Anerkennung für die geleistete Arbeit einstimmig Entlastung.

Als unverzichtbare und wertvolle Partner seien die Landwirte als Nutzer, Pfleger und Gestalter unserer Kulturlandschaft anerkannt, betonte Seckachs Bürgermeister Thomas Ludwig, der auch auf die positiven Auswirkungen der Biogasanlagen für die Landwirtschaft und das allgemeine Zusammenwirken sowie auf die Biotopvernetzungskonzeption einging.

Gerade für unsere heimische Region gelte brandaktuell, dass die Landwirtschaft wieder etwas wert sei, sagte Landrat Dr. Achim Brötel in seiner gewohnt kurzweiligen Grußrede. Die Landwirtschaft sei und bleibe gerade im ländlichen Neckar-Odenwald-Kreis eine absolute Zukunftsbranche mit hohem gesellschaftlichem Mehrwert. Nach dem statistischen Landesamt liegen die Landwirtschaftsbetriebe im Kreis mit durchschnittlich knapp 53 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche an der Spitze im ganzen Land, in dem durchschnittlich 32 Hektar bewirtschaftet würden.

Nach dem interessanten Referat von Marco Eberle vom Landesbauernverband über die moderne Landwirtschaft im Spannungsfeld wirtschaftlicher Zwänge und Verbraucherwünschen, zeigte sich MdB Alois Gerig als profunder Diskussionsleiter, ehe Kreisbauernverbandsvorsitzender Herbert Kempf zum allgemeinen Gedankenaustausch überleitete.

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