„Mariä Himmelfahrt“ 2012 in Hettigenbeuern

Festgottesdienst, Lichterprozession und Kräuterweihe

Marienaltar

Zahlreiche liebevoll geschmückte Marienaltäre schmücken zu Ehren der Muttergottes alljährlich den Prozessionsweg. (Foto: privat)

Hettigenbeuern. (sch) „Maria Himmelfahrt“ ist für viele einer der beliebtesten Feiertage im Kirchenjahr. Der Festtag der „Aufnahme Mariens in den Himmel“ am 15. August wird in Hettigenbeuern alljährlich eindrucksvoll gefeiert. Es zieht immer wieder viele Gläubige ins Morretal wo an diesem Tag eine tiefe Marienverehrung spürbar wird. Das Hochamt mit Festpredigt, die Kräuterweihe sowie als Höhepunkt die anschließende Lichterprozession stehen in Hettigenbeuern traditionell im Mittelpunkt.

Im Madonnenländchen ist seit eh und je eine große Marienverehrung anzutreffen, zahlreiche der Muttergottes geweihte Bildstöcke in den Fluren zeugen hiervon. Der Festtag der Aufnahme Mariens in den Himmel ist bei Marienverehrern sehr beliebt. Früher war der 15. August als staatlicher Feiertag anerkannt, heute ist das nur noch in wenigen Bundesländern wie beispielsweise Bayern der Fall, weshalb der Festgottesdienst in Hettigenbeuern schon seit vielen Jahren abends stattfindet. Eine feierliche Lichterprozession ist seither Höhepunkt des Festtages. Viele liebevoll geschmückte Marienaltäre zeugen hierbei von der Verehrung Mariens und sorgen jedes Jahr wieder für eine ergreifend schöne Prozession. „Heddebör leuchtet  – und zwar zu Ehren der Mutter Gottes, so könnte die Umschreibung lauten.

In Hettigenbeuern hat das Marienfest lange Tradition, die Pfarreirechnungen belegen, dass schon im Jahr 1643 am Marienfeiertag ein Gottesdienst stattfand. Auch in den Jahren 1721 und 1722 wird von Ämtern am Himmelfahrtstag berichtet. In den Pfarreirechnungen von 1741 sind erstmals das Titularfest und die Marianische Bruderschaft erwähnt.

Auszüge aus dem Erzbischöflichen Archiv Freiburg zeigen ebenfalls auf, dass in Hettigenbeuern an „Maria Himmelfahrt“ schon seit langer Zeit eine Prozession stattfindet. Ein Auszug aus den Akten des Erzbischöflichen Archivs: „07.05.1838: Pfarrverweser Kramer frägt an, ob es gestattet sei an Mariae Himmelfahrt wie an Fronleichnam nach dem Hochamt eine Prozession mit der Aussetzung des Allerheiligsten und vier Altären zu machen.“




Ein weiteres Dokument der Marienverehrung im Morretal ist die vor mehr als 100 Jahren erbaute „Maria-Hilf-Kapelle“. Das kleine Kirchlein an der Straße in Richtung Buchen ist eine von Gläubigen gerne besuchte Gebets- und Besinnungsstätte. In ihrer heutigen Form besteht die Kapelle seit 1888, auf einem Grundstein der Kapelle, rechts neben der Türe sind die Worte „Erbaut zu Ehren der Schmerzhaften Muttergottes durch Guttäter im Jahre 1888“.

Im Mittelpunkt des Feiertages zu Ehren der Gottesmutter steht auch in Hettigenbeuern die Kräuterweihe. Warum gerade dieses Fest mit Kräutern in Verbindung steht, lässt sich nur spekulativ beantworten. Es scheint wahrscheinlich, dass die jahreszeitlich bedingte Getreidereife und Hochblüte der Natur in Erinnerung brachten, dass Maria traditionell als „Blume des Feldes und Lilie in den Tälern“ (Hoheslied 2, 1) verehrt wurde. Die Symbolhandlung – mit Gottes Hilfe die Kräfte der Natur zu Gunsten von Mensch und Tier einzusetzen- soll verdeutlichen, dass alle Heilkräfte eine von Gott verliehene Gabe sind. Die Heilkräuter sollen Hoffnung und Trost spenden und spiegeln das Bild der Gottesmutter wieder. In der Kräuterweihe wird Gott gedankt, dass er solch große Heilkräfte in die Pflanzen gelegt hat und gebeten, dass er die Heilkraft der Pflanzen freisetzte.

Diese alte Tradition, die viele noch aus der Kindheit kennen, ist hier noch lebendig. Das Zusammenstellen und Binden der Kräuter gilt als Wissenschaft und ist regional sehr unterschiedlich gehandhabt. So gehören in einen „Würzbüschel“, wie er in unserem Raum genannt wird beispielsweise Wermut, Johanniskraut, Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, eine Königskerze, Tausendgüldenkraut und Eisenkraut.

Beim Festgottesdienst erfolgt die Weihe der Kräuter, die Gläubigen nehmen ihre geweihten Kräuter mit nach Hause.  Alljährlich zieht es an „Mariä Himmelfahrt“ viele Gläubige nach Hettigenbeuern, es übt an diesem Feiertag eine besondere Anziehungskraft aus.

Der Festtag am Mittwoch, 15. August beginnt mit dem Festgottesdienst mit Kräuterweihe um 20 Uhr. Anschließend findet die Lichterprozession durch den illuminierten, festlich geschmückten Stadtteil, zum Bildstock der schmerzhaften Muttergottes statt.

Den Gottesdienst zelebriert in diesem Jahr der als Urlaubsvertretung in der Seelsorgeeinheit tätige Neupriester Marcel Brdlik aus Hockenheim. Am Ende des Gottesdiensts erteilt er den Allgemeinen Primizsegen.


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