Der richtige Umgang mit sozialen Netzwerken

AK Sucht und Gewalt entwickelt Konzept

Wertheim. (pm) Zum jährlichen Informations- und Erfahrungsaustausch kamen die Mitglieder des Arbeitskreises Sucht- und Gewaltprävention unter Vorsitz von Bürgermeister Wolfgang Stein im Rathaus zusammen. Im Mittelpunkt stand ein Fachvortrag zum Thema „Soziale Netzwerke“. Daraus werden sich weitergehende Initiativen des Arbeitskreises entwickeln. Weitere Themen waren die aktuelle Sicherheitslage in Wertheim und die Kriminalitätsentwicklung im Bereich der illegalen Drogen.

Über die Chancen und Risiken der sozialen Netzwerke referierte Gerhard Heine, Suchtberatung der AGJ im Main-Tauber-Kreis. Im Gegensatz zur Computerspielsucht, so der Hinweis des Fachmannes, gebe es die Computersucht bisher nicht als Krankheitsdiagnose. Doch auch beim PC-Missbrauch entstehe ein Suchtgedächtnis im Gehirn. Das PC-Spiel verschaffe den Abhängigen einen Kick und unterdrücke unangenehme Gefühle. Gleichzeitig werde das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert und die berauschende Erfahrung im Suchtgedächtnis gespeichert.

Ein weiteres Problemfeld sei das Mobbing über die sozialen Netzwerks. Früher habe sich Mobbing im Wesentlichen auf die Schulzeit und ein paar Schüler begrenzt. Heute seien Eingriffe über das Internet rund um die Uhr möglich. Das Publikum sei unüberschaubar groß, Inhalte verbreiteten sich extrem schnell und Cyber Täter handelten anonym. Wichtig sei daher eine gute Präventionsarbeit, um Kinder, Jugendliche und Erwachsene über den richtigen Umgang mit den sozialen Netzwerken zu informieren. In Wertheim sei das Thema bereits in der Veranstaltungsreihe “Elternkompass“, durch die Schulsozialarbeit sowie durch verschiedene Initiativen in einigen Schulen aufgegriffen worden. Doch Fachleute empfehlen eine noch intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema.

Die Arbeitskreismitglieder waren sich darin einig, dass man Kinder und Jugendliche von der digitalen Welt nicht fernhalten könne. Deshalb sei es auch Aufgabe der Eltern, den verantwortungsvollen Umgang mit den digitalen Medien zu vermitteln. An diesem Punkt müsse man ansetzen. Iris Klein, Gesamtelternbeiratsvorsitzende, informierte über das Vorhaben, eine Veranstaltung des Gesamtelternbeirats der Wertheimer Schulen in Zusammenarbeit mit der Stadt Wertheim zum Thema „Soziale Netzwerke“ zu organisieren. Die Beteiligung von Experten aus dem Arbeitskreis Sucht und Gewalt wäre bei der weiteren Vorbereitung sicher hilfreich.




Eine Arbeitsgruppe könnte die Initiative des Elternbeirates unterstützen, mit bestehenden Angeboten vernetzen und damit auf breitere Beine stellen, so ein Vorschlag des Kinder- und Jugendbeauftragten Uwe Schlör-Kempf. Im Ergebnis wurde im AK Sucht und Gewalt ein ganzes Maßnahmenpaket geschnürt, das folgende drei Elemente beinhaltet: Verankerung des Themas soziale Netzwerke in der Reihe „Elternkompass“, Gemeinschaftsveranstaltung des Gesamtelternbeirats sowie die Ausbildung von Medienscouts. In der Arbeitsgruppe werden das Diakonische Werk, die Suchtberatung der AGJ im Main-Tauber-Kreis, der Gesamtelternbeirat, die Schulsozialarbeit sowie die Stadt Wertheim mitwirken. Bürgermeister Stein dankte dem Gesamtelternbeirat für sein Engagement und bekräftigte das Angebot der Stadt Wertheim, an der Entwicklung eines Gesamtkonzeptes mitzuwirken.

Den aktuellen Sicherheitslagebericht des Polizeireviers Wertheim stellte Polizeihauptkommissar Burkard Reinhart dem Arbeitskreis vor. Wesentliche Änderungen gegenüber dem Vorjahr seien nicht erkennbar. Bei der Zahl der Straftaten sei 2012 ein Rückgang von 6,3 Prozent zu verzeichnen. Auffällig sei der Anstieg der einfachen Diebstähle von 273 auf 322 Straftaten. Davon sei hauptsächlich das Wertheim Village in Bettingen betroffen. Es handele sich in der Regel um auswärtige Täter. Die Anzahl der gemeldeten Hausstreitigkeiten habe sich 2012 von 58 auf 65 leicht erhöht. Reinhart berichtete zudem von einer Haus-zu-Haus-Aktion in Bettingen und Lindelbach, um vor Wohnungseinbrüchen zu warnen. Bürgermeister Stein lobte das Engagement des Polizeireviers Wertheim trotz der schwierigen Personalsituation.

Polizeihauptkommissar Reinhart informierte weiter über die Kriminalitätsentwicklung in Wertheim im Bereich der illegalen Drogen. Hier sei im Jahr 2012 ein Anstieg der Rauschgiftfälle zu verzeichnen. Im Main-Tauber-Kreis sei eine eigene Rauschgiftermittlungsgruppe im Einsatz, was automatisch eine intensivere Ermittlung und damit höhere Fallzahlen zur Folge habe. Sorge bereite den Fachleuten die neue Designerdroge „Crystal“ (Amphetamin), die es in verschiedenen Formen gebe, eine starke Wirkung habe und einen schwierigen Entzug mit sich bringe. Verschiedene Kräutermischungen seien ebenfalls stark im Kommen und würden häufig nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.

In Vertretung des Jugendamts berichtet Uwe Schlör-Kempf, Stadtverwaltung Wertheim, über die Entwicklung des Sprechtages des Jugendamtes im Haus der Begegnung. Der Allgemeine Soziale Dienst biete den Sprechtag seit Juli 2012 an jedem ersten Mittwochnachmittag im Monat (ausgenommen Ferienzeit) an. Ohne Voranmeldung habe in den vergangenen Monaten noch keine Person den Sprechtag aufgesucht. Vermutlich werde es noch eine Zeit dauern, bis sich die Präsenz des Jugendamtes in der Bürgerschaft herumgesprochen habe. Gerade für alleinerziehende Mütter sei der Sprechtag vor Ort jedoch eine Erleichterung.

Uwer Schlör-Kempf informierte die Gremiumsmitglieder auch über das Projekt „Nachtwanderer“, das u.a. in Bad Mergentheim umgesetzt wurde. Dort  sind inzwischen 13 Erwachsene nach einer Schulung als Nachtwanderer im Einsatz. Sie fungieren ehrenamtlich als Ansprechpartner für Jugendliche und sind in kleinen Gruppen an öffentlichen Plätzen, Discos und Veranstaltungsorten im gesamten Stadtgebiet präsent. Das Modell wurde bereits zwischen dem Ordnungsamt der Stadt Wertheim und den Verantwortlichen des Polizeireviers Wertheim diskutiert. Anders als Wertheim seien die Städte, in denen das Projekt bereits umgesetzt wurde, zentral strukturiert. Aus diesem Grund sehen die Fachleute derzeit keinen Handlungsbedarf für Wertheim. Die Entwicklung des Projektes werde man aber weiterhin beobachten.

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