Neues Konzept für Gerlachsheim

Aktueller Beschluss des Caritasverbandes erfordert Umdenken

Gerlachsheim. (pm) Das Kloster Gerlachsheim wird bis auf Weiteres als Altenpflegeheim geführt. Gleichzeitig wird die Landkreisverwaltung des Main-Tauber-Kreises neue Konzeptionen entwickeln, wie das ortsbildprägende Gebäude im Zentrum Gerlachsheims langfristig sinnvoll genutzt und mit Leben gefüllt werden kann. Diese Notwendigkeit ergibt sich, nachdem der Caritasverband im Tauber-Kreis e.V. nach intensiver Prüfung und externer Beratung mit dem Diözesancaritasverband beschlossen hat, dass er das Gebäude entgegen der bisherigen, bereits weit fortgeschrittenen Planung doch nicht als Wohnheim für Menschen mit Behinderung nutzen wird.

Das Kloster Gerlachsheim wurde 1721 als Prämonstratenserkloster errichtet und gilt als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung. 1952 begann die Nutzung durch den damaligen Landkreis Tauberbischofsheim als Kreisalten- und Pflegeheim. Heute ist das Seniorenzentrum Gerlachsheim ein Betriebsteil der Krankenhaus und Heime Main-Tauber GmbH (GmbH) unter dem organisatorischen Dach der Gesundheitsholding Tauberfranken. Erbbaunehmer beim Land ist für das Gebäude weiterhin der Main-Tauber-Kreis, der bis 2023 die volle Bau- und Unterhaltungslast zu tragen hat.

Aktuell sind in dem Seniorenzentrum 89 Pflegeplätze (davon acht für Kurzzeitpflege) vorhanden und rund 55 Mitarbeiter tätig. Leider war die wirtschaftliche Entwicklung des Heimes seit 2005 negativ; das Haus war nicht mehr wirtschaftlich zu führen. Hinzu kommt ein grundlegender Sanierungsbedarf im baulichen Bereich, der schon im Jahr 2011 überschlägig auf acht Millionen Euro kalkuliert wurde. Die neue Heimbauverordnung erlaubt ab 2019 unter anderem nur noch Einzelzimmer. Somit hätte im Rahmen einer Sanierung und eines weiteren Betriebs als Altenpflegeheim die Bettenzahl deutlich reduziert werden müssen. Damit wäre ein wirtschaftlicher Betrieb nur unter erschwerten Bedingungen möglich gewesen.

Vor diesem Hintergrund hat der Kreistag des Main-Tauber-Kreises am 23. November 2011 der Umwandlung des bisherigen Seniorenzentrums in ein Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung zugestimmt. Dieses wollte der Caritasverband im Tauberkreis e.V. betreiben. Die Kreisverwaltung sollte gemeinsam mit dem Caritasverband einen langfristigen Pacht- und Nutzungsvertrag vorbereiten. Zudem beschloss der Kreistag einen einmaligen Bau- und Investitionskostenzuschuss in Höhe von einer Million Euro. Ziel war, dass der Caritasverband das Gebäude auf eigene Rechnung saniert und umbaut. Der Erbpachtvertrag mit dem Land sollte verlängert werden. Das Land hatte sich in diesem Zusammenhang außerdem nach Verhandlungen mit dem Landkreis zu einem Sanierungskostenzuschuss von zwei Millionen Euro bereiterklärt.




Die Landkreisverwaltung und der Caritasverband haben zwei Jahre lang intensive und konstruktive Gespräche und Verhandlungen über das Projekt geführt. Ziel war bis zuletzt im Januar, im ersten Quartal 2014 einen bindenden Vorvertrag zu schließen. Am 23. Januar 2014 hat der Caritasrat jedoch beschlossen, das Projekt aufgrund aktueller Entwicklungen und als Ergebnis seiner umfangreichen Prüfung nicht weiter zu verfolgen. Sowohl fachliche als auch wirtschaftliche Gründe ließen aus Sicht des Caritasverbandes leider keine andere Wahl. Die aktuellen Förderrichtlinien des Landes Baden-Württemberg vom Herbst 2013 ermöglichen inzwischen landesweit ausschließlich die Schaffung von eher dezentralen, kleineren Einrichtungen in der Nähe zu den Heimatorten der Menschen mit Behinderung. Während das Projekt auf 44 Pflegeplätze kalkuliert war, fördert das Land daher nur noch den Bau neuer Einrichtungen mit maximal 24 Plätzen. Lange Flure, hohe Räume und ein erhöhter Personaleinsatz durch die Zimmerverteilung und die notwendigen Brandabschnitte hätten nach entsprechenden Berechnungen zu deutlich zu hohen Betriebskosten geführt. Dieses Prüfgebnis einer nicht wirtschaftlichen Betriebsführung entspricht der Einschätzung zur nicht möglichen Fortführung eines Altenheims und wurde in Gesprächen mit dem Diözesancaritasverband Freiburg klar bestätigt. Darüber hinaus kam der Caritasverband zu dem Schluss, dass in dem Gebäude die gewünschte Schaffung von Wohngruppen aufgrund der Kloster- und Zellenstruktur doch nicht möglich gewesen wäre. Die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung hat sich insofern weiterentwickelt, dass diese häufiger bei ihren Familien leben und ambulante Angebote nutzen. In der Folge wird der Anteil von Menschen mit stärkeren körperlichen Einschränkungen in stationären Einrichtungen immer höher und die Heimbewohner werden immer älter. Die dadurch nötigen Anforderungen an ein Gebäude haben ebenso dazu beigetragen, dass dem Caritasverband die Umnutzung des Klosters Gerlachsheim aufgrund der baulichen Struktur des historischen Klosters nicht mehr möglich erschien.

Die Verantwortlichen des Caritasverbandes und der Landrat bedauern diese Entscheidung. Landrat Reinhard Frank respektiert zugleich das Votum. Der Caritasverband selber sieht sich in seiner Entscheidung gemeinsam mit der Landkreisverwaltung zum Wohle der Menschen mit Behinderung unterwegs. Die nachhaltige Nutzung des Gebäudes darf aus Sicht von Caritas-Geschäftsführer Matthias Fenger nicht wichtiger sein als eine fachlich qualifizierte Betreuung. Diese ethische Dimension der Entscheidung erfordere eine gemeinsame Verantwortung für die Menschen mit Behinderung, eine Verantwortung, der sich Caritasverband und Landkreis sehr gern auch in Zukunft gemeinsam stellen würden.

Nun habe die Landkreisverwaltung als erste Reaktion mit der Geschäftsführung der Gesundheitsholding Tauberfranken vereinbart, das Seniorenzentrum Gerlachsheim bis auf Weiteres in der bisherigen Form zu betreiben. Gleichzeitig verfolgt die Gesundheitsholding nach wie vor das Ziel, mehrere kleine Pflegeeinrichtungen für Senioren zu bauen (zunächst in Grünsfeld und Distelhausen), welche bis Ende 2015/Mitte 2016 das Seniorenzentrum Gerlachsheim ersetzen sollen. „Der Landkreisverwaltung ist eine langfristige, sinnvolle Nutzung für das Kloster Gerlachsheim jedoch ein großes Anliegen. Wir werden nun intensiv nach neuen Lösungsansätzen suchen und diese so schnell wie möglich an den Kreistag herantragen“, versichert Landrat Reinhard Frank.

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