Die Wärmewende ist entscheidend

Kommunaler Nahwärmekongress von Bioenergie-Region H-O-T und Metropolregion stößt auf beeindruckende Resonanz

2014 03 19 Die Waermewende ist entscheidend 2 

Besonderes Interesse unter den Besuchern fand die Demonstration der Leistungsfähigkeit moderner Wärmeleitungen im Rahmen des kommunalen Nahwärmekongresses in Spechbach. (Foto: pm)

Spechbach. (pm) Ein vielleicht entscheidender Erfolg in Sachen regionaler Wärmewende war der „kommunale Nahwärmekongress“ der Bioenergie-Region Hohenlohe-Odenwald-Tauber (H-O-T) und der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) am vergangenen Montag in Spechbach. Rund 100 Teilnehmer waren der Einladung der beiden Landräte Dr. Achim Brötel (Neckar-Odenwald-Kreis) und Stefan Dallinger (Rhein-Neckar-Kreis) gefolgt. Aufgrund des großen Andranges musste der Veranstaltungsort kurzerhand vom Bürgersaal in die Sport- und Festhalle der Gemeinde verlegt werden. Die Energiewende im Wärmemarkt benötigt dringend neue Impulse. Im Rahmen der gemeinsamen Kooperation zwischen der Bioenergie-Region H-O-T und der Metropolregion Rhein-Neckar wurden in Spechbach besonders nachhaltige Wärmekonzepte für das kommunale Energiemanagement präsentiert. Ziel der Veranstaltung war es, den „schlafenden Riesen“ im Wärmebereich zu wecken.

Neben zahlreichen Bürgermeistern, Kreis- und Gemeinderäten konnte Spechbachs Rathauschef Guntram Zimmermann eine ganze Reihe namhafter Referenten im künftigen BürgerEnergiedorf begrüßen. „Die Energiewende kann nicht nur eine Stromwende sein“ erklärte Zimmermann. Die große Resonanz unter den kommunalen Entscheidungsträgern zeigt, dass das Thema erneuerbare Wärmeenergie in den Köpfen angekommen ist. Gerade Städte und Gemeinden haben viele Möglichkeiten, die Wärmewende vor Ort aktiv zu gestalten. „Die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine zeigen, wie wichtig eine unabhängige Energieversorgung ist“ hob auch Landrat Stefan Dallinger hervor. Auf steigende Energiekosten gibt es eine Antwort: Energie effizient nutzen, Energie sparen und Erneuerbare Energien zielgerichtet einsetzen.




Rund zwei Drittel der in Deutschland benötigten Energie ist Wärmeenergie. Der Aufbau einer erneuerbaren Wärmeversorgung, in Kombination mit Energieeinsparungs- und Energieeffizienzmaßnahmen, ist daher der entscheidende Baustein einer erfolgreichen Energiewende. Wenn die Klimaschutzziele erreicht werden sollen, muss in Zukunft mehr Wärme aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Dabei ist das Potenzial der regenerativen Energien gerade im Wärmebereich besonders groß. Alleine in Baden-Württemberg existieren rund 800 Biogasanlagen und 50 Holzkraftwerke. Die meisten dieser Anlagen verfügen über kein sinnvolles Wärmekonzept. Die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Wärmeenergie kann dabei erhebliche ökologische und ökonomische Vorteile bringen. Bene Müller, Vorstandsmitglied des Singener Bürgerunternehmens Solarcomplex, das sich seit rund 15 Jahren in Sachen Energiewende engagiert, plädierte für den Umbau der Energiewirtschaft hin zu heimischen, erneuerbaren Energien. Am Beispiel der Region Bodensee verdeutlichte Müller wie durch dezentrale Versorgungsstrukturen regionalwirtschaftliche Vorteile erzielt werden können. Über 100 Millionen Euro konnte die Solarcomplex AG, ein laut Müller „regeneratives Stadtwerk in breitem Streubesitz“ bereits in nachhaltige Projekte investieren. Geld, das nicht für fossile Energien ins Ausland abfließt und Solarcomplex zur zentralen Kraft beim Ausbau erneuerbarer Energien im Süden Baden-Württembergs macht.

Über die technischen Aspekte bei der Umsetzung von regenerativen Wärmeprojekten informierte Wolfgang Schuler vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Bietigheim-Bissingen. Sein Unternehmen befasst sich mit der Entwicklung und Umsetzung fortschrittlicher Energiekonzepte, in deren Mittelpunkt der Einsatz erneuerbarer Energien steht. Schuler machte deutlich, dass heute bereits vielfältige technische Lösungen für eine nachhaltige Wärmenutzung vorhanden sind. Dabei beschränken sich diese Maßnahmen keineswegs nur auf die ländlichen Räume. Durch sogenannte Insellösungen können auch Versorgungskonzepte für städtische Gebiete geschaffen werden.

Die passenden Finanzierungsstrategien für Nahwärmeprojekte präsentierte Christopher Siebler, Rechtsanwalt bei PricewaterhouseCoopers (PWC) in Mannheim. Von Darlehen über die Kreditvergabe bis hin zu den regulatorischen Herausforderungen bei der Bürgerbeteiligung beleuchtete der Spezialist für Energie- und Versorgungsrecht alle juristischen Herausforderungen einer Nahwärmegesellschaft. Für Siebler ist es dabei entscheidend, sich bereits im Vorfeld gründlich über mögliche Finanzierungsmodelle zu informieren und Fördermöglichkeiten zu prüfen.

Eine ganz praktische Demonstration der Leistungsfähigkeit moderner Wärmeleitungen lieferte im Anschluss die Firma REHAU aus Erlangen. Durch die Flexibilität moderner Leitungen können beim Verlegen verschiedene Methoden angewendet werden. Ein aufwendiges Verlegen durch umfangreiche Grabarbeiten ist, je nach Projekt, durch moderne Einpflüg- oder Spülbohrverfahren überflüssig und deutlich schneller und effizienter als bisher zu erledigen.

Der kommunale Nahwärmekongress in Spechbach lieferte überzeugende Argumente für den Einsatz von erneuerbarer Wärmetechnologie. Die Notwendigkeit der Umstellung ist unbestritten. Mehr und mehr Städte und Gemeinden entscheiden sich deshalb für eine eigene, zukunftssichere, kommunale Energieversorgung. „Gerade den Kommunen kommt hier eine Schlüsselfunktion zu. Mit Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und einer verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien nehmen sie eine Vorbildfunktion ein“ unterstrich Landrat Dr. Achim Brötel in seiner Zusammenfassung. Ziel ist es, die Region auf erneuerbare Energien umzustellen. „Dem Thema erneuerbare Wärmeenergie kann sich heute keine Kommune mehr verschließen“ betonte H-O-T Geschäftsführer Sebastian Damm. Die Realisierung von Wärmenetzen setzt Engagement und Motivation vieler verschiedener Akteure voraus. Gemeinsam mit kommunalen Entscheidungsträgern und engagierten Bürgerinnen und Bürgern wollen die Bioenergie-Region H-O-T und die Metropolregion Rhein-Neckar auch weiterhin den Ausbau erneuerbarer Energien vor Ort vorantreiben. Nur so kann die entscheidende Wärmewende gelingen.

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