Nachgefragt: Auswirkungen der Energiewende

MdB Dr. Dorothee Schlegel besuchte die Eisengießerei Röth in Neckarelz

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(Foto: pm)

Neckarelz. (pm) „Dass die angestrebte Energiewende ein finanzieller Kraftakt wird, war von Anfang an kein Geheimnis“, so die örtliche SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Dorothee Schlegel zur geplanten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). „Mich interessiert dabei, welche Auswirkungen dies auf energieintensive Unternehmen der heimischen Wirtschaft hat“, so die SPD-Politikerin. Sie besuchte, um sich darüber vor Ort zu informieren, die Georg Röth Eisengießerei GmbH & Co. KG in Neckarelz.

Empfangen wurde Schlegel in dem 1890 begründeten Traditionsbetrieb von den Geschäftsführern Sigrid Röth-Ehrmann und Hans-Georg Ehrmann sowie Betriebsleiter Dieter Beck. Gekommen war auch der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Norbert Johnen (Mannheim). Hans-Georg Ehrmann stellte den Gästen zunächst die Rahmendaten des Werkes vor, in dem 126 Mitarbeiter beschäftigt sind und täglich etwa 100 Tonnen Eisen verarbeitet werden.

„Die EEG-Umlage verhindert bei uns eine zukunftsweisende Investition“, sagt Geschäftsführerin Röth-Ehrmann. Ihre Kritik bezieht sich dabei insbesondere auf die sogenannte „14%-Klausel“, wonach eine Befreiung von der EEG-Umlage erst erfolgen kann, wenn die Stromkosten im vorhergehenden Geschäftsjahr mindestens 14% der Bruttowertschöpfung des Unternehmens betrugen. „Dadurch wird die Anschaffung eines fortschrittlichen elektronischen Schmelzofens für uns wirtschaftlich nicht zu stemmen sein“, erklärt Röth-Ehrmann, „zumal andere Wettbewerber die Freistellung bereits jetzt erhalten.“ Die Firma Röth arbeitet bisher mit einer klassischen Koks-Ofenanlage und liegt daher knapp unter dem Grenzwert.




MdB Schlegel steht zur Energiewende – betont aber die Wichtigkeit, bei der finanziellen Belastung der Endabnehmer „ein tragbares Maß zu halten“ – es müsse „insbesondere darauf geachtet werden, dass keine Überbeanspruchung für den Mittelstand entsteht.“ Gerade im ländlichen Raum sei produzierendes Industriegewerbe mit Standortnachteilen belastet, weshalb starre Grenzwerte schnell zu ungewollten Folgeproblemen führen könnten. Die vorgetragene Kritik versprach Schlegel, die Anfang April mit dem Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zu Gesprächen zusammentreffen wird, nach Berlin zu transportieren und prüfen zu lassen.  

Ebenfalls Teil des Gesprächs waren Fragen der beruflichen Ausbildung im ländlichen Raum. Die Firma Röth bildet derzeit vier Lehrlinge zu Gießereimechanikern, technischen Modellbauern sowie Maschinen- und Anlageführern aus. „Am Standort Deutschland und noch mehr im ländlichen Raum muss man auf Qualität setzen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können“, zeigt sich Schlegel beeindruckt von den Bemühungen des Unternehmens, den eigenen Nachwuchskräften die bestmögliche praktische wie theoretische Ausbildung zu organisieren. Hierzu kooperiert das Unternehmen eigens mit einer speziellen beruflichen Schule in Stuttgart.

Bei einer Führung durch die Werkshallen brachte Betriebsleiter Dieter Beck der Abgeordneten die aufwendigen technischen Vorgänge der Produktion in der Eisengießerei näher. Als Zulieferer ist Röth mitunter für Welt-Unternehmen wie SEW und Siemens tätig. Die hier produzierten, massiven Bauteile finden sich beispielsweise in Getriebemotoren, Pumpen oder Produktionsmaschinen wieder.

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