Multiprofessionelles Team versorgt Schlaganfallpatienten

Offizielle Vorstellung der „Stroke unit“ am Krankenhaus Mosbach

 Notfall erstversorgung im rettungswagen

Beim Schlaganfall kommt es auf die Zeit an. Wichtig ist die enge Zusammenarbeit von Rettungsdienst und Kliniken. (Foto: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe)

Mosbach. (pm) Nach mehrjährigen Bemühungen ist es endlich gelungen: die Schlaganfalleinheit am Standort Mosbach der Neckar-Odenwald-Kliniken konnte nach Erfüllung aller Anforderungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen offiziell ihren Betrieb aufnehmen. Aus diesem Anlass hatten die beteiligten Fachabteilungen zu einer Fortbildung eingeladen, und 75 interessierte niedergelassene Ärzte, Mediziner aus den Kliniken, Mitarbeiter der Rettungsdienste und der Krankenhäuser trafen sich am 26.11.2014 zum fachlichen Austausch.

Die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe berichtet von jährlich 270.000 Schlaganfällen in Deutschland. Rund die Hälfte der überlebenden Schlaganfall-Patienten bleibt ein Jahr nach Ereignis dauerhaft behindert und ist auf fremde Hilfe angewiesen. Nach Krebs- und Herzerkrankungen ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist eine qualifizierte Vorort-Versorgung ein wichtiger Beitrag, um Überlebensraten zu steigern und den Grad der Behinderung zu reduzieren.

„Time is brain“, also „Zeit ist Hirn“ war gleich am Anfang der Veranstaltung auf der Leinwand zu lesen. Diese Aussage zog sich als roter Faden durch die fünf Vorträge. Als Ärztlicher Direktor der Neckar-Odenwald-Kliniken begrüßte Priv.-Doz. Dr. Harald Genzwürker die vielen Interessenten und übernahm auch gleich den ersten Vortrag. Bei der Versorgung von Schlaganfallpatienten durch den Notarzt gibt es einige wichtige Aspekte zu beachten. Entscheidend sei aber die Information der Öffentlichkeit, damit typische Symptome des Schlaganfalls wie Seh- und Sprachstörungen, Lähmungen, Taubheitsgefühl und Schwindel mit Gangunsicherheit, sowie stärkste, bisher nicht erlebte Kopfschmerzen, erkannt werden und der Rettungsdienst über den Notruf 112 verständigt wird.

Mit den Möglichkeiten moderner Technik können die kooperierenden Neurologen im Schlaganfallzentrum der Universitätsklinik Heidelberg rund um die Uhr einen Patienten im Krankenhaus Mosbach beurteilen, wie Prof. Dr. Alexander Gutschalk in seinem Vortrag darstellt. „Wir können mit dem installierten hochauflösenden Kamerasystem, das wir fernsteuern, sogar die Pupillen des Patienten beurteilen.“ Gemeinsam mit den Kollegen vor Ort werde das weitere Vorgehen festgelegt. Hat das Computertomogramm (das ebenfalls per Datenleitung nach Heidelberg übertragen wird) einen Verschluss einer Hirnschlagader ergeben und erfüllt der Patient alle Voraussetzungen, so kann direkt mit einer Lysetherapie, also einer massiven „Blutverdünnung“ zur Auflösung des Gerinnsels, begonnen werden. Auch hier gilt: entscheidend ist der Faktor Zeit, denn je früher die Therapie angewendet werden kann, desto höher die Erfolgsaussichten und umso geringer ist das Risiko von Komplikationen.

„Selbstverständlich haben wir auch in den letzten Jahren Schlaganfallpatienten betreut – aber jetzt haben wir ganz andere Möglichkeiten.“ stellte Dr. Wolfgang Teinert zu Beginn seines Vortrags klar.

Er erläuterte die Anstrengungen, die seitens der Klinik für Innere Medizin unternommen wurden, um die formalen, aber auch die technischen und personellen Voraussetzungen für die Etablierung der Schlaganfalleinheit zu erfüllen. Noch viel wichtiger waren aber auch ihm die zeitlichen Aspekte: unmittelbar nach Aufnahme des Patienten muss eine Erstuntersuchung und ein CT durchgeführt werden. Danach erfolgt so schnell wie möglich die Vorstellung des Patienten über die teleneurologische Einheit, damit im Idealfall bereits nach 30 bis 60 Minuten die Therapie eingeleitet werden kann. Danach ist es wichtig, den Patienten durchgängig zu überwachen und regelmäßige standardisierte Kontrollen durchzuführen, um Veränderungen des Gesundheitszustandes sofort zu bemerken und entsprechend handeln zu können.

Als einer der neurologischen Partner vor Ort zeigte Dr. Giampiero Adocchio aus der Gemeinschaftspraxis für Radiologie, Neurologie und Psychiatrie im Ärztehaus Mosbach auf, wie wichtig eine differenzierte Beurteilung des Patienten im weiteren Verlauf ist. Zahlreiche neurologische Erkrankungen können ähnliche Symptome wie ein Schlaganfall aufweisen – umgekehrt gibt es aber auch Schlaganfälle, die nicht den typischen Verlauf bieten und deshalb nur verzögert erkannt werden. Wichtige Aufgabe des Neurologen ist die regelmäßige Kontrolle der Schlaganfallpatienten im weiteren Verlauf der Behandlung.

Möglichkeiten der Rehabilitation erläuterte Dr. Karlheinz Schöll, Leitender Arzt der Sektion Akutgeriatrie und Geriatrischer Schwerpunkt des Neckar-Odenwald-Kreises. Dabei stellte er aber klar, dass auch hier ein sehr früher Ansatz entscheidend ist: binnen 24 Stunden soll die Physiotherapie beginnen und der Patient mobilisiert werden, soweit es sein Zustand erlaubt. Ergänzend kommen Ergotherapie und Logopädie dazu mit dem Ziel, das Ausmaß der Beeinträchtigung oder Behinderung zu vermindern. Ihm war es auch ein großes Anliegen darauf hinzuweisen, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Berufsgruppen, gerade die Pflegekräfte und Therapeuten, mit großem Engagement die Ärzte bei der Versorgung der Schlaganfallpatienten unterstützen. „Durch diese gemeinsamen Anstrengungen können wir vielen Schlaganfallpatienten wieder ein eigenständiges Leben ermöglichen!“

Infos im Internet:

www.schlaganfall-hilfe.de/presse-bilder  

 

 

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