Endlager für Atommüll eine große Sache

 
 
 
 MdB Sylvia Kotting-Uhl sprach in Mosbach
 
 Mosbach. (pm) Gerade an Atomenergie-Standorten ist die Bevölkerung sensibel für Fragen wie die nach der Lagerung radioaktiver Abfälle. So folgten rund 30 Gäste in Mosbach den Ausführungen von MdB Sylvia Kotting-Uhl. Die Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen ist Mitglied der Endlager-Kommission. Nach ihrem Vortrag war klar, wo sie die neue Qualität der Endlagersuche sieht: Die Kommission soll ein Verfahren für die Suche entwickeln, bei der nicht nur technische, geografische oder geologische Kriterien berücksichtigt werden, sondern auch ethische und gesellschaftliche Belange. Die Zusammensetzung des Gremiums aus 34 Personen ist ein Abbild dieser Zielsetzung. Neben den beiden Vorsitzenden gehören der Kommission je acht Mitglieder der Landesregierungen und des Bundestags an. Ausschließlich die Vertreter der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft – entsandt von Gewerkschaften, Kirchen, Umweltverbänden und der Atomwirtschaft – haben Stimmrecht.
 
 Diese Besetzung zeige schon, dass sich gegenüber bisherigen Entscheidungswegen im Umgang mit Atommüll Entscheidendes verändert habe: „Wir führen die gesellschaftliche Debatte vor der parlamentarischen“, erklärte Kotting-Uhl vor kompetentem, kritischem Publikum. Diese gesellschaftliche Dimension berge viele Möglichkeiten des Scheiterns, aber auch Chancen, dass die große Aufgabe gelinge.
 
 Die Frage der Konzepte für die Endlagerung kam auch in Mosbach zur Sprache: Soll der Atommüll tiefengeologisch gelagert und verschlossen werden? Kotting-Uhl hält das nicht für erstrebenswert: „Es gilt das Prinzip der Rückholbarkeit, das ist Voraussetzung für die Akzeptanz“, findet sie und diskutierte mit einem Bergmann aus dem Publikum die Unberechenbarkeit strahlender Abfälle. Neben diesen technischen Fragen hätten die Erfahrungen mit Atommüll-Lagern in Gorleben, Morsleben oder Asse – „da fühle ich mich als Karlsruherin mitverantwortlich“ – gelehrt, dass die Öffentlichkeit am Such-Prozess beteiligt werden müsse. Diese Beteiligung will Kotting-Uhl unter allen Umständen fortentwickelt sehen.
 
 Im Zuge des Verfahrens werde der Bundestag Schritt für Schritt Beschlüsse fassen, aus denen sich eine Eingrenzung möglicher Standorte ergebe. Erst wenn reale Standortvorschläge auf dem Tisch liegen, werde die Beteiligung Betroffener lebendig. Schon jetzt setze man sich in der Kommission mit Fragen auseinander, die dann gestellt werden: Unter welchen Bedingungen kann eine Kommune ein Endlager akzeptieren? Und wenn es so wäre: Hat dann eine Region ein Vetorecht? Die Politikerin ist dafür, ebenso wie sie die Einrichtung eines öffentlich-rechtlichen Fonds für Rückstellungen zur Finanzierung der Endlagerung befürwortet. Nach dem Verursacherprinzip müssen dazu die großen Energieversorgungsunternehmen (EVU) herangezogen werden.
 
 Ob diese genügend Rückstellungen gebildet haben, ist neben juristischen Auseinandersetzungen und Klangen einer von vielen Streitpunkt in der Kommission. Schließlich, so Kotting-Uhl, „ist völlig unklar, was das alles kosteten wird“. Höchstmögliche Sicherheit habe bei allen Entscheidungen Vorrang. Froh ist sie über den Konsens, dass eine bundeseigene Gesellschaft die operative Arbeit, die eigentliche Standortsuche, leisten soll.
 
 Als „gute Botschaft“ wertete Kotting-Uhl die Abkehr großer Energiekonzerne wie Eon von der Atomkraft. Wenn die EVU zunehmend in erneuerbare Energien investieren, sei das ein Signal an Länder, die noch an alten Technologien festhalten: „Deutschland kriegt den Ausstieg hin.“ Dennoch wurde deutlich, dass am Ende der Endlagersuche nicht zwingend eine Lösung steht.

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3 Kommentare

  1. Leserbrief – Atommüllberg am Neckarufer
    17.03.2015 · 0 Kommentare

    Alle Lösungsversuche zur Endlagerung von Atommüll werden unterirdisch gesucht, die schlimmste Lösung ist Asse, nach nur wenigen Jahren Lagerzeit verrostete Metallfässer im unterirdischen Wasser.

    Ich meine, dass auch die dezentrale Endlagerung am Ort jeden Kraftwerkes auf sichere und vernünftige Art möglich wäre. Die gesetzlich vorgesehene Endlagerung an einem Ort in Deutschland ist doch schließllich nicht “gottgegeben” !

    Da eine Nutzung der Kuppelfläche in Obrigheim vermutlich nicht möglich ist, betoniere man in der Nähe (Hof,Parkplatz…..) eine Fläche von 100 x 100 m mindestens so hoch (5…….10 m), dass man diese Grund-Träger-Platte als “erdbeben-stabil” bezeichnen kann. Darauf stelle man in sinnvollen Abständen das zu lagernde Material in nichtrostenden Fässern und betoniere mit Einbringung von Eisengeflecht die 1.”Schicht“. Darauf wieder eine “Lage” Fässer, natürlich weniger als darunter,darauf wieder Beton ,ca. 1-2m und darauf die nächste Abdeckfläche aus Beton mit Eisengeflecht u.s.w. . Das Ganze natürlich auch mit vertikal stabilisierenden Eisen/Stahl-Elementen.

    So kann durch Reduzierung der Stellfläche von Lage zu Lage eine Pyramide oder bei runder Grundfläche ein Berg aus Beton enstehen, wobei natürlich durch Einbringung von dünnen, verschliessbaren Messröhrchen bis nach aussen die innere Strahlung messbar sein muss. Die Form wird zum Hügel nach oben abgerundet und mit Schichten aus Schutt, Altmetall…..mit Beton so dick überdeckt und als Deckschicht Erde und Bepflanzung, dass das Ganze auch mit bunkerbrechenden Waffen nicht zu knacken ist. Somit wäre auch die Einbringung des nur leicht strahlenden Abrissbetons zu erledigen. Obrigheim hätte einen “Ortsberg”, der bei Überwachung der Rest-Radioaktivität durch Begrünung mit einem “Rundumwegaufstieg” die Schlittenfahrer u.Ä. erfreuen könnte !

    Ich möchte noch daran erinnern, dass die Münchner mit ihrem “Kriegs-Schutt” auf dem Olympia-Gelände den “Olympia-Berg” sinnvoll errichtet haben. Diese “oberirdische” Lösung wäre von unterirdischen Einflüssen unabhängig, denn sind wir so unbelehrbar, anzunehmen, dass die Erdoberfläche sich freundlicherweise nicht mehr verändert ? Es muss sich natürlich darum “gekümmert” werden, wenn sich das Flussbett des Neckars verändert…… , obwohl der ganze “Klotz” in sich stabil wäre.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dipl.-Ing. Rudolf Grünberg, Obrigheim

    • Was würde der Ingenieur zum Stollen in Neckarzimmern als ein mögliches dezentrales Endlager sagen?

      • Hallo, wäre möglich, ich sehe aber ein Problem bei der Absicherung des Eingangs. Toll, das wenigstens 1 Alternative gekommen ist !
        In der RNZ hatte bisher niemand eine Meinung.
        Rolf Grünberg

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