Clarissen-Kapuzinerinnen verlassen Balsbach

„Je schöner die Erinnerung, desto schwerer der Abschied“
  – Bewegender Gottesdienst zur Verabschiedung
 

 
 
 Balsbach. (nsch) Es waren bewegende Momente bei der Verabschiedung der Balsbacher Schwestern im Rahmen des Pontifikalamtes mit Weihbischof Dr. Michael Gerber am vergangenen Sonntag – es waren Momente, die eindrucksvoll die Bedeutung, die Einbindung und das segensreiche Wirken des Klosters in Ortschaft, politischer und kirchlicher Gemeinde, Dekanat, Landkreis und Region zeigten, und die vor allem auch das herzliche Miteinander, das in 66 Jahren seit den Anfängen im Spätjahr 1949 gewachsen ist, vor Augen führten. Über 300 Gottesdienstbesucher empfingen beim Einzug den Gast aus Freiburg und die Mitzelebranten Pater Karl Mack, Pfarrer Ulrich Stoffers, Provinzial Pater Bernhardin von den Franziskaner-Minoriten Würzburg, Pfarrer Bschirrer (Oberschefflenz), assistiert von den Diakonen Reiner Roos und Franz Mainz, Gemeindereferentin Petra Reiß und Diakon Pemsl aus Frankfurt vom Deutschen Orden. Der Kirchenchor und Gesangverein „Liederkranz“ mit Chor „Querbeet“ gestaltete a capella, mit Orgelbegleitung und im Wechsel mit Gemeinde und Schwesternschola den Festgottesdienst mit.
 
 „Je schöner die Erinnerung, desto schwerer der Abschied“ – mit diesen Worten zur Begrüßung sprach Pater Mack von den Steyler Patres aus Mosbach, die seit 1994 von Freiburg mit der Klosterseelsorge betraut waren, der Gottesdienstgemeinde aus dem Herzen. Weihbischof Dr. Gerber erschloss anhand der Lesungen vom Aufbruch Abrahams, aus dem Jakobusbrief und dem Tagesevangelium die aktuelle Situation der Schwesterngemeinschaft mit der mutigen Entscheidung zur Veränderung und dem Vertrauen auf Gottes Führung. Das Glaubenszeugnis im kontemplativen Leben nach den Evangelischen Räten in Region und Erzbistum, offen für die Anliegen und Nöte der Menschen in all den Jahren, wecke mit Sicherheit so manche dankbare Erinnerung, führe am heutigen Tag im Rückblick wie ein Film Schlüsselerlebnisse vor Augen und sei in gewisser Weise Vermächtnis des Klosters für die Menschen des Raumes in der Zeit danach.
 
 Pfarrer Stoffers würdigte die Rolle des Klosters als geistliches Zentrum in der Kirchengemeinde Elztal/Limbach/Fahrenbach und darüber hinaus, erinnerte dabei an die Mitgestaltung der Glaubensverkündigung, seelsorgerliche Gesprächsangebote, Bibelabende, Eucharistische Anbetung u. a.
 
 Bürgermeister Bruno Stipp überbrachte die Anerkennung, den Dank und die guten Wünsche der politischen Gemeinde und der Vereine aus Balsbach und Wagenschwend. Er erwähnte zusammenfassend die verschiedensten Kontakte und gemeinsamen Ereignisse, den Einsatz der Feuerwehr bei Arbeiten und Festlichkeiten rund um Kirche und Kloster, insbesondere aber die bedeutsame Rolle des Kirchenchors und GV „Liederkranz“ mit dem Chor „Querbeet“ bei der musikalischen Gestaltung des Kirchenjahres in Abstimmung mit dem Konvent und die zahlreichen kirchenmusikalischen Projekte unter der Leitung von Chorleiter (seit 1978) und Organist (seit 1973) Manfred Schäfer. Robin Schork und Benedikt Hemberger verabschiedeten sich im Namen aller Ministranten von den Schwestern und von Pater Mack mit einem selbst zusammengestellten Gebetbuch.
 
 Generaloberin Schwester Michaela von den Franziskanerinnen in Gengenbach ging auf die engen Beziehungen zu Balsbach und auf die neue Heimat des Balsbacher Konvents dort im Haus Bethanien ein. Als lebendige Erinnerungsgeschenke wurden u. a. ein Odenwälder Christbäumchen und in Anlehnung an den Olivenhain in San Damiano/Assisi ein Olivenbäumchen überreicht.
 
 Dankbar und gerührt ließen Äbtissin Schwester Ancilla in ihren Abschiedsworten und der Schwesternchor mit dem Abschiedslied (auf der Rückseite der Gedenkschrift) die Einbindung des Klosters, seine facettenreiche Geschichte in all den Jahren und die unzähligen, vielfältigen und herzlichen Begegnungen mit den Menschen Revue passieren. Mit Blick auf den Altar und den Wandteppich mit Christkönig (Kirchenpatrozinium) mit den Ordensgründern St. Franziskus und St. Clara empfingen die Schwestern nach dem Verlassen der Klausur den Segen des Bischofs für ihren neuen Lebensweg.
 
 Der Auszug mit den Zelebranten und Ministranten durch die dichtgedrängten Reihen der Gläubigen versinnbildlichte bewegend das Ende der 66-jährigen Klostergeschichte der Clarissen-Kapuzinerinnen in Balsbach. Draußen auf dem Kirchplatz nahm man in langen Gesprächen persönlich Abschied voneinander.
 
 Wie die Gebäude weiter genutzt werden, ist nach den Worten von Weibischof Gerber, Vikar für das Ordenswesen in der Erzdiözese Freiburg, noch ungewiss. Friedhelm Link wurde vorübergehend mit der Betreuung beauftragt.
 
 Die Geschichte von Kloster und Kirche in Balsbach wurde beim Klosterfest Anfang Juli in Führungen, Wort und Bild ausführlich dargestellt (wir berichteten), die Anfangszeit ist von Willi Bauer im neuen Heimatkalender „Unser Land – 2016“ veröffentlicht. Die Bilderausstellung dazu ist im Museum Wagenschwend zu sehen.
 


Zum Ende des Gottesdienstes erteilte Weihbischof Dr. Michael Gerber dem scheidenden Schwesternkonvent den Segen für den neuen Lebensweg. Auf dem Kirchplatz nahmen die zahlreichen Gottesdienstbesucher persönlich Abschied von den Schwestern. (Foto: N. Schwing)

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