Billigheim: Unverzichtbare Knochenarbeit

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Für eine nachhaltige Waldentwicklung: Standortskartierung findet derzeit im Privatwald  

Billigheim. (pm) Eine Knochenarbeit wird derzeit in den Privatwäldern von Billigheim ausgeführt. Denn für eine forstliche Standortskartierung wird mit kräftigen Hammerschlägen ein Hohlbohrer immer wieder rund 60 Zentimeter tief in den Waldboden getrieben und dann an das Tageslicht gehoben. Im hohlen Inneren des Bohrers verbleibt ein Bohrkern aus Bodenbestandteilen. Aus ihm lassen sich detaillierte Informationen über Art und Aufbau des Bodens, Wasserhaushalt, Humus- und Kalkgehalt und viele andere Bodenparameter ziehen. Als Zusatzinformationen fließen noch weitere Parameter wie beispielsweise die Art der Bodenvegetation in die Festlegung einer Standortseinheit ein.

Durch systematisches Abbohren des Geländes in einem Raster von 50 Meter wird so eine Standortskarte erstellt. Für Oberforstrat Martin Hochstein, Leiter der Forstbetriebsleitung Adelsheim, ist das Ergebnis dieser Kartierung für eine nachhaltige Arbeit unverzichtbar. Denn nicht jede Baumart wächst auf jedem Boden gleich gut und manche problematische Standortseinheit ist für bestimmte Baumarten völlig ungeeignet. „Fehler bei der Baumartenwahl sind häufig erst nach Jahrzehnten erkennbar, wenn die Bäume frühzeitig durch Stürme geworfen oder verstärkt von Schadinsekten befallen werden“, so der Forstmann. Das Wissen um die Standortseigenschaften vor Ort hilft, solche Fehler zu vermeiden, denn anhand einer Standorteignungstabelle lassen sich Chancen und Risiken für jede Baumart abschätzen. Auch in Hinblick auf den zu erwartenden Klimawandel kann die Standortskarte wertvolle Dienste leisten.

Betreut werden die Arbeiten von Dr. Hans-Gerhard Michiels von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg; mit der Durchführung beauftragt ist der Assessor des Forstdienstes Bernd Hörner von der Firma „ö:konzept“ in Freiburg. Unterstützt wird er dabei von Lorenz Schramm, Student der Umweltnaturwissenschaft, der das kräftezehrende Einschlagen und Herausziehen des Erdbohrers übernimmt. Kosten entstehen den Waldbesitzern nicht, denn die Kartierung wird vom Land finanziert. Die Waldbesitzer müssen lediglich die Hilfskräfte stellen, wobei die Kleinstprivatwaldbesitzer selbst von diesen Kosten befreit sind.

Auch bei der Standortskartierung hat inzwischen die digitale Datentechnik Einzug gehalten. Als Eingabegerät dient ein outdoortauglicher Computer, in dem alle wichtigen Karten und Zusatzinformationen hinterlegt sind. Der Computer ist mit einem GPS-Gerät verbunden, mit dem die Bohrpunkte schnell und mit hinreichender Genauigkeit gefunden werden können. Alle am Bohrpunkt erhobenen Daten werden direkt vor Ort in eine Datenbank eingegeben. Besonders wichtig ist die Kartierung für die Förster auf Standorten, denen man bei oberflächlicher Betrachtung ihre Eigenschaften nur schwer ansieht. So lässt sich Staunässe im Untergrund häufig nur durch Begutachtung des Bohrkerns erkennen. Hier führt der Wasserüberschuss durch periodischen Sauerstoffmangel zu einer deutlichen Marmorierung des Bodensubstrates. Staunässe kann zu erheblichen Stabilitätsproblemen bei Baumarten wie beispielsweise der Fichte führen, weswegen man auf solchen Standorten besser ganz auf den Anbau dieser Baumart verzichten sollte.

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Bohrgehilfe Lorenz Schramm, Standortskartierer Bernd Hörner, Revierleiter Jochen Lutz. (Foto: Forst)

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