Start in ein neues Leben

Eine offene Tür fand Rouven Poranzl (l.) bei Frisotec-Geschäftsführer Marco Sohns. (Foto: Andreas Lang)

Inklusion: Mit gezielter Förderung ist Rouven Poranzl bei Frisotec auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt angekommen

Sattelbach. (pm) Eigentlich hatte sich Rouven Poranzl schon gegen Metalltechnik entschieden. Bis 2014 absolvierte der 26-Jährige eine Ausbildung im Metallbereich des Berufsbildungswerks (BBW) Mosbach-Heidelberg der Johannes-Diakonie, wo junge Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf in verschiedenen Berufen ausgebildet werden.

Nach dem Abschluss folgten für den jungen Mann aus Mosbach schwierige Jahre. Praktika in mehreren Firmen brachten keine berufliche Perspektive; private und psychische Probleme belasteten ihn, erinnert er sich: „In dieser Zeit ging es mir nicht gut.“

Die Wende brachte ein Praktikum bei der Firma Frisotec in Sattelbach. Vermittelt hatte es Barbara Klein, Jobcoach im Geschäftsbereich Beschäftigung der Johannes-Diakonie.

Sie hat Poranzl zwei Jahre lang in der Maßnahme „Unterstützte Beschäftigung“ begleitet und unterstützt. Ziel der Maßnahme ist es, Menschen mit Beeinträchtigungen durch gezielte Förderung und Vermittlung von Praktika auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu vermitteln. „Bei Frisotec hat Rouven Poranzl sein Dreamteam gefunden“, erzählt Klein.

Der wichtigste Spieler in diesem „Dreamteam“ ist Marco Sohns, Inhaber und Geschäftsführer von Frisotec. Sein Unternehmen hat er vor vier Jahren „von null auf hundert gegründet“, wie er erzählt. Heute produzieren Sohns und seine elf Mitarbeiter vor allem Maschinenersatzteile.

Die Entscheidung, Rouven Poranzl einen Praktikumsplatz zu geben, fiel Sohns schwer. „Bei uns gibt es für Praktikanten keine ausgebauten Strukturen, erst recht nicht, wenn die Praktikanten eine spezielle Förderung brauchen“, erklärt der Firmeninhaber. „Ich war mir nicht sicher, ob ich genug Zeit für Rouven haben würde.“

In dieser Situation gab Barbara Klein Sicherheit. Gemeinsam suchten Jobcoach, Firmeninhaber und Praktikant nach Aufgaben und wurden schnell fündig: Verpacken, aufräumen, Waren versandfertig machen − Poranzl erledigte Aufträge zuverlässig und präzise. Sohns merkte: „Rouven will mehr und kann mehr.“

Und es geschah, was Sohns ein Wunder nennt. Denn nach einem Dreivierteljahr hat sich Rouven Poranzl zu einem zuverlässigen Mitarbeiter entwickelt. Er kann mit Sägen und anderen Maschinen umgehen und fertigt einzelne Bauteile an.

Vor allem aber gehört er fest zum Frisotec-Team. Gerade die familiäre Atmosphäre in dem inhabergeführten Unternehmen haben Poranzl gut getan. Von einem schüchternen, zurückgezogenen Praktikanten ist  er zu einem offenen, geschätzten Kollegen geworden, der die Pausen mit dem Rest des Teams verbringt. „Die Arbeit macht mir einfach Spaß“, erklärt Poranzl. „Vor allem aber gefällt mir die Atmosphäre, weil ich hier auch als Mensch geschätzt werde. Das war früher oft nicht so.“

Inzwischen ist Rouven Poranzl auch formell auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt angekommen. Denn zum August hat er einen festen Arbeitsvertrag mit dem Unternehmen geschlossen, in dem er sich erst im vergangenen Herbst als Praktikant vorgestellt hatte.

Was ihn mindestens genauso freut: Endlich kann er in eine eigene Wohnung ziehen, die ihm Marco Sohns vermittelt hat. Damit war das Praktikum bei Frisotec für ihn mehr als nur ein Glücksfall. Es war ein Start in ein neues Leben.

Artikel teilen:

Zum Weiterlesen:

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen