Lichterprozession zu Maria Himmelfahrt

(Foto: privat)

Besondere Ausstrahlung mitnehmen in den Alltag – damit das Leuchten dieses Abends fortdauert

Hettigenbeuern. (sch) „Die besondere Stimmung dieses Abends, aus der wir Kraft schöpfen, sie darf nicht morgen früh schon wieder zu Ende sein“, so forderte Diakon Gerhard Gramlich bei seiner inspirierenden Festpredigt an Maria Himmelfahrt auf. Er beleuchtete hierbei die Fragen, ob und was dieses Fest als Zeichen für die Zukunft bewirken könne.

Neben dem feierlichen Festgottesdienst standen auch in diesem Jahr beim Marienfeiertag im Morretal die Lichterprozession sowie die Kräuterweihe im Mittelpunkt.

Jedes Jahr schmücken Anwohner liebevoll Marienaltäre entlang des Prozessionsweges, diese zeugen von der Wertschätzung und Verehrung der Muttergottes. Dieses Jahr gestaltete sich der Aufbau der Altäre wegen des wechselhaften Wetters wieder einmal schwierig.

Die bange Frage lautete: „Hält das Wetter?“ Mitten in der heißen Aufbauphase, gegen 18 Uhr, wurde der Himmel dunkel und es regnete. Direkt über der Kirche zeigte sich da jedoch ein schöner Regenbogen, welcher bekanntlich als Symbol der Hoffnung steht, zeigt eine Verbindung zwischen Himmel und Erde auf.

So bauten die Anwohner nach dem Schauer trotzdem weiter auf. Während des Gottesdienstes gab es dann einen weiteren Regenguss und die Lichter mussten teilweise mehrmals wieder neu entzündet werden. Keine leichte Aufgabe, aber die Mühen lohnten sich und die Prozession konnte stattfinden.

„Maria Himmelfahrt ist eines der lieblichsten Feste im Kirchenjahr und in Hettigenbeuern ist dies etwas ganz besonderes, etwas sehr lebendiges“, verkündete Pfarrer Dr. Raymond aus Indien zu Beginn des Festgottesdiensts. Der Gottesdienst wurde von den beiden Ferienvertretungen Pfarrer Dr. Raymond und Pfarrer Stefan aus Ungarn zusammen mit Diakon Gerhard Gramlich aus Hainstadt zelebriert.

Was wäre ein Fest ohne Musik und Gesang: Für eine feierliche musikalische Umrahmung des Gottesdienstes sorgten der gemischte Chor des Gesangvereins „Harmonie“ unter Leitung von Dirigent und Organist Magnus Balles sowie Solistin Evelyn Wörner-Zemelka mit ihrem „Ave Maria“. Der feierliche Einzug und die Prozession wurden von den „Heddebörmer Musikanten“ unter Leitung von Dirigent Bernd Berres musikalisch gestaltet.

Die Christen bringen an diesem Marienfeiertag die Freude über die Vollendung Marias zum Ausdruck, hob Pfarrer Raymond hervor. Maria wurde mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen, ihr Leben sei vollendet und erfüllt, an ihr wurde die Schöpfung vollendet, dies bringe sie den Christen näher.

Diakon Gerhard Gramlich aus Hainstadt hielt eine ansprechende und mutmachende Festpredigt. Er habe sich zur Vorbereitung einige Frage gestellt: „Warum kommen wir an diesem Abend nach Hettigenbeuern?, Was wolle das Fest den Gläubigen sagen?, Wird es in ein paar Jahren noch genauso sein?, Finden sich wieder Leute mit diesem Enthusiasmus, damit das Fest gefeiert werden kann?, Wie wirkt das Fest auf Menschen, die der Kirche fern sind?“ Bestimmt werde es verschiedenste Antworten geben.

Die Anwesenden freuen sich auf einen besonderen Abend mit festlichem Gottesdienst, schöner Musik und liebevoll geschmückten Altären, so der Diakon. Die Gläubigen können sich hineinfallen lassen, die Sorgen vergessen und die besondere Stimmung in sich aufnehmen, die so viel Vertrauen schenke, verbunden mit der Gewissheit dabei nicht allein zu sein. Gott stehe zur Seite wie eine liebende Mutter, die sich um ihre Kinder kümmere, betonte Diakon Gramlich, welche alle Sorgen teile, an dem Leben teilnehme, sich mit ihnen freue und weine und stets ein offenes Herz habe.

Diese Liebe einer Mutter wecke Sehnsüchte in den Menschen. Er zeigte Lebenssituationen der Gottesmutter auf, die ihrem Sohn vertraute und mit ihm den Weg bis zum Tod am Kreuz ging. Diakon Gramlich fragte, was jedoch mit den Menschen sei, die heute nicht mehr zur Kirche kommen, weil sie nichts mehr mit dem anfangen können, was da in der Kirche ablaufe? Diese Menschen halten der Kirche den Missbrauch vor und müssen feststellen, dass sich hier nichts bewege.

Wie können die Gläubigen es schaffen diese Menschen ebenfalls zu überzeugen, dachte er nach. Es gelte Mut aufzubringen, Dinge zu verändern und neuen Wegen zu vertrauen. Er vermisse manchmal auch den Mut der Kirchenleitung, etwas zu verändern. Der Weg werde nicht einfach, eher unbequem, auch mit Abschied von manch Liebgewonnenem. Jeder einzelne könne den Weg jedoch mit gehen, auch im Kleinen. Oft sei schon aus einem kleinem Anfang etwas Großes geworden.

Es gelte zu zeigen, dass Gott eine Bedeutung im Leben habe. Die Stimmung des Abends, aus der Kraft geschöpft werde, dürfe nicht am Morgen danach schon zu Ende sein. Sie müsse viel mehr hineingenommen werden in den Alltag, in die Begegnung mit den Menschen. „Wir brauchen nicht aufgeben, nicht austreten, sondern müssen auftreten!“, so der mutmachende Appell.

Dann werde es gelingen auch andere von der Liebe Gottes zu überzeugen. Diesen Auftrag und diese Hoffnung solle das Fest den Menschen mit auf den Weg geben. Er wünsche sich dieses Fest noch oft feiern zu können, weil es ein erstes Zeichen sein könne, wenn es an dem schönen Abend nicht ende, sondern fortdauere.

Beim Gottesdienst wurden nach altem Brauch die vielen mitgebrachten Würzbüschel, Kräuter und Blumen gesegnet. „Diese Blumen und Kräuter stehen für Maria als Fürsprecherin des Heils und Zeichen der Schönheit. Maria sei Mutter aller Geschöpfe, Frau des Sommers und Freundin der Blumen“, so Pfarrer Raymond.

Nach dem Gottesdienst fand, begleitet von den Heddebörmer Musikanten, die Lichterprozession durch den Stadtteil statt. Von der Feuerwehr wurden hierbei eine große Marienstatue und der Baldachin getragen, sowie der Prozessionsweg abgesichert. Beim Marienaltar am Bildstock der „Schmerzhaften Muttergottes“ erbaten die Gläubigen mit Liedern und Gebeten für all ihre Anliegen nochmals Mariens Fürsprache.

Im Gotteshaus beim Abschlusssegen dankten Pfarrer Dr. Raymond und Pfarrgemeinderätin Gisela Schwing allen die zum Gelingen des schönen Festes beigetragen hatten. „Dieses wunderschöne Fest ist in Hettigenbeuern alljährlich etwas ganz Besonderes“, fasste es Dr. Raymond abschließend treffend zusammen. Er dankte für alle Mühen und zeigte sich froh, dass der „Sturm“ vorbeizog und die Prozession zum Muttergottesbildstock konnte trotz Regen und Wind während des Gottesdiensts stattfinden.

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1 Kommentar

  1. Das ist ja mal ein schönes Bild. Im Mittelalter hätte man es als Zeichen für irgendwas gedeutet – vor allem wenn es im Zusammenhang mit einer Lichterprozession vorgekommen wäre. Noch heute denken viele Leute in Oberschwaben, dass man mit Glockenläuten das Gewitter vertreiben kann.

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