Neuberechnung schockt Gemeinderat Seckach

 Noch immer steht der Bauzaun auf dem Friedhof Zimmern, wo eigentlich mit dem Bau der Aussegnungshalle begonnen werden sollte. Doch Kostensteigerungen verzögern die Maßnahme. (Foto: Liane Merkle)

Friedhofsanierung in Zimmern wird teurer – Zuschüsse für Kindergarten-Neubau sinken – Gemeinderat bestätigt Ortsvorsteher

Seckach. (lm) Die erste öffentliche Sitzung des Gemeinderates nach der Sommerpause eröffnete Bürgermeister Thomas Ludwig mit der traurigen Nachricht dass Martin Hochstein, langjähriger Leiter der Forstbetriebsleitung Adelsheim im Alter von 59 Jahren überraschend verstorben ist. Das Gedenken der Anwesenden war von tiefer Betroffenheit geprägt.

Anschließend stand die Nachverpflichtung von Alexander Winter als neues Gemeinderatsmitglied für die nächsten fünf Jahre an. Nachdem dieser an der konstituierenden Sitzung im Juli berufsbedingt nicht teilnehmen konnte, nahm ihm jetzt Bürgermeister Thomas Ludwig die Verpflichtungsformel ab.

Die Bürgerfragestunde nutzte Günter Schmitt-Haber zu einigen Fragen an das Gremium zum einen über 109 neue Bauplätze in der Kerngemeinde und das daraufhin mögliche Aussterben der Ortsteile. Der Bürgermeister erläuterte, dass zum einen die 109 Bauplätze nicht auf einmal erschlossen werden und zum zweiten in allen Ortsteilen genügend Bauplätze vorhanden sind. Alle weiteren Fragen wurden an das Gremium insgesamt gestellt und müssen erst besprochen werden.

Auf jeweils einstimmigen Beschluss durch die Ortschaftsräte bestätigte der Gemeinderat die Vorschläge zum Ortsvorsteher von Zimmern mit Siegfried Barth und Daniel Kohler als seinen Stellvertreter sowie in Großeicholzheim mit Reinhold Rapp als Ortsvorsteher und Reiner Müller zum Stellvertreter.

Zügig geht es in Sachen „Neubau einer Kindertagesstätte in Seckach“ weiter. Nach der Einarbeitung der eingegangenen Vorschläge und Anregungen im Rahmen der Behörden- und Einwohneranhörung durch Herrn Marius Bergmann von den IFK-Ingenieuren Mosbach billigte man nun den Entwurf des Bebauungsplanes und die Offenlegung im Rathaus für die Zeit vom 14. Oktober bis 15. November dieses Jahres.

Allerdings trieben sowohl der Sachstandsbericht des Architekten Christoph Simon vom Stuttgarter Büro Simon – Freie Architekten BDA und der Fachplaner als auch die Kostenschätzung für das auf knapp 12 Mio. Euro veranschlagte Großprojekt Sorgenfalten nicht nur auf die Stirn des Bürgermeisters. Ausschlaggebend hierfür waren auch die mahnenden und kritischen Äußerungen des Gemeindekämmerers in der Sitzungsvorlage.

Aufgrund geänderter Richtlinien und teilweise erschöpfter Fördertöpfe beim Land und Bund könne man derzeit „nur“ mit einer finanziellen Förderung von 746.000 Euro rechnen. War die ursprünglich angedachte Million schon viel zu wenig, so ist die Neuberechnung fast ein Schock für die Gemeinde und die Gemeinderäte.

Verbleibt nur noch eine mögliche Förderzusage aus dem Gemeindeausgleichsstock, die allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch in den Sternen steht. Und natürlich kam die realistische Frage auf „Können wir uns das überhaupt leisten oder müssen wir die Reißleine ziehen?“, was natürlich auch nicht geht, weil ein Gesetzesanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr besteht.

Ihrer Pflicht nachkommend verweisen sowohl Kämmerer als auch Bürgermeister auf die Tatsache, dass man an die Entwurfsplanung nicht kleinlich herangegangen sei und dabei dem Architekten und Planer bezüglich der räumlichen Standards eine qualitativ hochwertige Planung suggerierte.

Mit Blick auf den Gemeindehaushalt mit weiteren größeren Investitionsvorhaben machten schnell Begriffe wie „Einsparmöglichkeiten“ und „Alternativen“ die Runde. Nach Aussage von Architekt Simon können aber echte Einsparungen lediglich durch Wegnahme von viel Baumasse ermöglicht werden.

Deutliche Kritik ging in Richtung Bund und Land, wobei man eindringlich an die Verantwortlichen appelliert, die Kommunen so finanziell auszustatten, dass sie in der Lage sind, ihren gesetzlichen Aufgaben in Sachen „Kinderbetreuung“ nachkommen können. „Wer Zukunft gestalten soll, dem muss man auch die notwendigen Mittel an die Hand geben“.

Letzlich beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, zusammen mit den Planern und dem Bau- und Planungskomitee nach sinnvollen Einsparmöglichkeiten und Alternativen zu suchen und diese dem Gremium vorzulegen. Gleichzeitig wurde die Verwaltung mit der Stellung von Förderanträgen und dem bereits genannten deutlichen Appell an die Politik von Bund und Land beauftragt.

Fast gleich lautend gestalteten sich die Probleme beim Neubau der Aussegnungshalle im Zimmerner Friedhof mit Sanierung der beiden Zufahrtswege. Hier hat sich nach Erläuterungen von Architekt Martin Kast aus Osterburken insbesondere das Gewerk Rohbauarbeiten von ursprünglich 143.000 Euro auf 287.000 Euro verteuert, so dass der geplante finanzielle Rahmen nicht mehr gehalten werden konnte.

Daher hatte sich der Ortschaftsrat mit möglichen Einsparmaßnahmen beschäftigt und nun dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt. Somit könnte der ursprüngliche Kostenrahmen in Höhe von 890.000 Euro auf nun 805.800 Euro gesenkt werden. Verzichtet wird dabei auf die Außenfassade mit Naturstein für 72.600 Euro.

Die Einsparmöglichkeiten Heizung und Wärmedämmung für 11.600 Euro, Glockenturms mit 59.500 Euro und Windschutzes mit 23.800 Euro werden zurückgestellt bis die neue Ausschreibung für das Gewerk Rohbauarbeiten vorliegt, mit der Architekt Kast beauftragt wurde.

In der Wasserversorgungskonzeption für die Gemeinde Seckach liegt man aktuell bei Gesamtkosten von knapp 6 Mio. Euro, wobei in der nun begonnenen zweiten Ausbaustufe 1.113.056 Euro veranschlagt wurden. Bei der Maßnahme handelt es sich um den Anschluss des Ortsteils Seckach an den Hochbehälter „Talberg“.

Hierzu wurde nun die Firma Fritz-Planung aus Bad Urach beauftragt, mit der Ausschreibung der ergänzenden Arbeiten zu beginnen. Bürgermeister Thomas Ludwig wurde ermächtigt, ein Kommunaldarlehen in Höhe von 550.000 Euro für den Eigenbetrieb „Wasserversorgung“ aufzunehmen.

Unter dem Punkt Bekanntgaben informierte Bürgermeister Ludwig über die Bewilligung von 129.000 Euro aus dem Gemeindeausgleichstock für die Erneuerung der Gehwege im Ortsteil Seckach mit Gesamtkosten von 685.000 Euro.

Des Weiteren will man sich am Aufbau einer sogenannten kommunalen Klima-Datenbank, insbesondere an der Aktion je „1000 Bäume für 1000 Kommunen“ beteiligen. Dafür sollen bis zum „Tag des Baumes“ am 25. April 2020 1.000 Bäume von den Bürgern aller Altersklassen auf vorgegebenen Kahlflächen gepflanzt werden.

Weiter wurde bekannt, dass die Netze BW in dieser Woche in Seckach auf dem Verbindungsweg zwischen Eicholzheimer Straße und Mittelgasse eine Ladesäule für Elektroautos aufgestellt und in Betrieb genommen. Die Kosten übernimmt im Rahmen einer entsprechenden Aktion des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg die Netze BM, die Gemeinde hat lediglich das Gelände zur Verfügung gestellt.

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