„Viel Mensch und noch mehr Zeit“

DFB-Ehrenamtspreis vergeben

Karlsruhe.  (pm) Herausragende Persönlichkeiten erhalten den DFB-Ehrenamtspreis als Dank und Wertschätzung für unermüdliches Engagement. Die Ehrenamtsbeauftragten der Fußballkreise wählten einmal mehr aus zahlreichen gemeldeten Kandidaten einen Ehrenamtspreisträger pro Kreis.

Das 50. Jubiläum des Frauenfußballs in Deutschland stellte in diesem Jahr einen Schwerpunkt des Ehrenamtspreises dar. bfv-Vizepräsident und Ehrenamtsbeauftragter Helmut Sickmüller: „Es ist beachtlich wie viele Personen in den bfv-Vereinen sich im Bereich des Mädchen- und Frauenfußballs in vorbildlicher Weise engagieren. Besonders freue ich mich daher über die drei Preisträgerinnen.“

Neben der Ehre wartet auf die Geehrten das Dankeschön-Wochenende der drei baden-württembergischen Fußballverbände.

Aus unserem Verbreitungsgebiet wurden folgende drei Funktionäre ausgezeichnet

Silke Geier, TV Reisenbach, Fußballkreis Mosbach


(Foto: pm)
Eigentlich wollte Silke Geier, die in jungen Jahren schon mal Fußball gespielt hatte, beim TV Reisenbach „nur aushelfen“. Doch dann entschied sie sich, voll einzusteigen. Es folgte die Gründung der Frauenmannschaft im Jahr 2007, seitdem ist die heute 47-Jährige ununterbrochen für den TVR aktiv.

„Als Gründungsmitglied der Frauenmannschaft war sie von Beginn an ein entscheidender Faktor, dass das Team über all die Jahre den Spielbetrieb aufrechterhalten konnte. Nicht nur als Spielerin, sondern auch im Spielausschuss, wo sie den Zusammenhalt der Mannschaft mitgestaltete“, lobt Manfred Link, 1. Vorstand des Dorfvereins.

Zusätzlich ist Geier auch in der Vorstandschaft des Fördervereins als Kassiererin tätig. Da sie seit dieser Saison ihre aktive Laufbahn beendet hat, ist sie nun ins „Management“ der Damen gewechselt. Link beschreibt die Preisträgerin als „sehr aktive und dynamische Frau“ – „kurz gesagt: Sie ist ein Kümmerer.“

Was Geier anpackt, werde gut und schnell erledigt. Sie bringt sich aktiv in den Verein ein. Dies umfasst nicht nur den Frauenfußball, sondern alle Themen rund um die Vereinsführung. „Besonders liegt mir die Jugend am Herzen“, betont Geier, selbst zweifache Mutter. In einem kleinen Ort gebe es sonst nicht viel. Doch die B-Juniorinnen standen auf der Kippe.

„Wir haben dann viel Zeit damit verbracht, ein Gerüst für die Jugendarbeit aufzubauen“, fasst sie diese schwierige Phase zusammen. „Es kostet schon viel Freizeit, aber ohne Fußball kann ich nicht“, so Geier, die sich darüber hinaus auch als Ortschaftsrätin engagiert. „Sie ist für unser 320-Seelendorf einer unserer Aktivposten“, so Link.

„Die Auszeichnung bietet dem Verein die Möglichkeit, sich für die langjährige Tätigkeit bei ihr zu bedanken“, freut sich Link über den erfolgreichen Vorschlag für den DFB-Ehrenamtspreis. Für die Preisträgerin steht fest, dass sich Ehrenamt lohnt: „Mir tut es gut, wenn ich sehe, dass ich die anderen dazu bringe, weiterhin im Verein aktiv zu sein. So bleibt die Vereinsgemeinschaft erhalten – und es macht mir Spaß!“

Michael Schwebler, SV Schlierstadt, Fußballkreis Buchen


(Foto: pm)
„Uns hat der SV Schlierstadt wie in eine Familie aufgenommen“, erinnert sich Michael Schwebler dankbar zurück. Das war 1993, als der Berufssoldat zum Bundeswehrstandort Walldürn wechselte und mit seiner Frau und den Kindern nach Schlierstadt zog. Schwebler erhielt eine Einladung zum Fußballtraining – ab diesem Tag schlug sein Herz für den SVS.

„Die ganze Familie ist im Verein, auch die Enkel“, freut sich der 57-Jährige. Für ihn sei es eine Selbstverständlichkeit, dem Verein etwas zurückzugeben. Zehn Jahre engagierte er sich von den Bambini bis zur A-Jugend als Jugendtrainer, fünf Jahre coachte er die 1. Seniorenmannschaft, war beim Aufstieg in die Kreisliga beteiligt. Von 2003 bis 2013 kümmerte er sich als Gesamtjugendleiter um die SVS-Jugend. Parallel dazu brachte er sich elf Jahre als Spielausschussvorsitzender ein.

Seit 1999 bis heute ist er Beisitzer im Gesamtverein und der Fußballabteilung, zudem ist er Kassier im Förderverein des SV Schlierstadt. Als Ortschafts- und Gemeinderat reicht sein ehrenamtliches Engagement über den Sport hinaus. „Mit ihm besitzt der SV Schlierstadt einen Tausendsassa, wie unschwer an seinem Werdegang beim SVS erkennbar ist. Er setzte und setzt sich in allen Belangen für den Verein ein“, fasst Vereinsvorsitzender Mike Zöller das vielseitige Wirken seines Vereinskameraden zusammen.

Ob DSGVO, Passwesen oder der Bau einer neuen Gerätehalle: Schwebler sei sich für nichts zu schade. „Er ist nie Teil eines Problems, sondern immer ein Teil der Lösung“, lobt Zöller. Dabei schätze er sein vielseitiges Wissen und seine offene Art, wodurch er ein „unverzichtbares Mitglied“ der SVS-Familie sei: „Durch seine über zwei Jahrzehnten langen ehrenamtlichen Tätigkeiten ist er ein absolutes Vorbild für die heutige Gesellschaft.“

Trotz des großartigen Engagements war Schwebler dann doch sehr überrascht, als ihm bei der Verwaltungsratssitzung mitgeteilt wurde, dass er den DFB-Ehrenamtspreis erhält. „Es ist eine große Ehre und Freude für mich.“ Für ihn gibt es ein einfaches Rezept fürs Ehrenamt: „Es muss Spaß machen.“ – und das macht es Schwebler nach all den Jahren immer noch.

Waltraud Pfenning, FC Wertheim-Eichel, Fußballkreis Tauberbischofsheim


(Foto: pm)
Die Fußball-Karriere von Waltraud Pfenning begann 1969 wie bei vielen Kindern dieser Zeit mit elf Jahren auf der Dorfwiese, als sie beim Kicken mit den Jungs vom Trainer des Nachbarorts entdeckt wurde: „So eine wie dich können wir gebrauchen.“ Obwohl Frauenfußball noch offiziell verboten war.

Nach verschiedenen Vereinsstationen kam „Wally“, wie sie von ihren Vereinsfreunden genannt wird, 1989 zum FC Wertheim-Eichel. Dort schnürte sie bis 1998 die Kickschuhe im Frauenteam als Spielertrainerin. Nach ihrer aktiven Zeit stand sie dem Team noch weitere zwei Jahre als Trainerin zur Seite. Der Aufstieg in die Verbandsliga 1989/90, die Verbandsliga-Meisterschaft 1996/97 und 1999/2000 und der damit verbundene Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg gehören zu ihren größten Erfolgen.

„Wie aus dem Nichts gekommen“, beschreibt FC-Vorstand Kai Grottenthaler dann das erneute Engagement von Pfenning, als sie 2016 erneut das Frauenteam als Trainerin übernahm. „Sie hat dem Frauenbereich neues Leben eingehaucht“, so Grottenthaler über die damals schwierige Situation. Der Spielbetrieb in der Landesliga war in Gefahr. Doch Pfenning gelang es, neue junge Spielerinnen zu gewinnen. „Die Hälfte des Teams ist unter 18, sie hat einen sehr guten Draht zu ihnen.“

Seit 2018 betreut sie auch die B-Juniorinnen, möchte die Spielerinnen sukzessive an die Frauenmannschaft heranführen. „Hierbei fungiert sie vielen Mädchen als Vorbild, sowohl sportlich als auch menschlich“, so Grottenthaler. Die 61-Jährige ist sich sicher: „Mir tut es gut, mit den jungen Menschen zusammen zu sein – das hält mich jung.“ Und das ist auch gut so, denn ihr Engagement geht weiter: Seit 2019 leitet sie die Abteilung Frauenfußball beim FC, „wobei sie diese Aufgabe inoffiziell schon mindestens ein Jahr zuvor übernommen hatte“, so der Vorstand.

Bei all dem Ehrenamt, ist Zeit knapp. Trotzdem sieht sie es für sich „als selbstverständlich“ an: „Ich empfinde es als gigantische Wertschätzung. Ich habe meine Tätigkeit hier im Verein nie als Ehrenamtsarbeit gesehen, sondern als Teil meines Lebens. Ein größeres Geschenk hätte mir niemand machen können.“ Entsprechend gerührt war sie dann auch, als sie beim Training mit der Auszeichnung überrascht wurde. „Die ganze Mannschaft hat es gewusst, außer ‚Danke‘ konnte ich nichts sagen“, gibt Pfenning zu. Neben dieser Auszeichnung wurde Waltraud Pfennig in den Club der DFB 100 aufgenommen.

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