»Schuld an Sucht meiner Eltern!«

(Symbolbild – geralt/Pixabay)

Hilfe für Kinder von Suchtkranken – Bundesweite Aktionswoche

Mosbach.  (pm) „Sie haben sich gestritten, Sachen sind durch die Gegend geflogen, es war laut. Das ging meist bis spät in die Nacht hinein, so dass ich kaum schlafen konnte.“ Berichte wie der von Marina sind typisch für Kinder suchtkranker Eltern. Sie wachsen in einer spannungsgeladenen Atmosphäre auf und leben in ständiger Unsicherheit, was ihre Eltern im nächsten Moment tun werden. Daran erinnert die Suchtkoordinatorin des Neckar-Odenwald-Kreises Angelika Bronner-Blatz zusammen mit Dr. Martina Kirsch von der Beratungsstelle für Suchtfragen des Kreises anlässlich einer bundesweiten Aktionswoche.

Auf 2,6 Millionen wird die Zahl der Kinder aus Suchtfamilien geschätzt. Etwa jedes sechste Kind in Deutschland würde somit im Schatten der Sucht aufwachsen, die meisten davon mit Alkoholikern. In Baden-Württemberg sind nach Schätzungen rund 150.000 Kinder unter 15 Jahren von diesem Schicksal betroffen. Sehr früh übernehmen diese Kinder Verantwortung für die Eltern und springen in die Bresche, wenn die Erwachsenen suchtbedingt ausfallen. Nicht selten erledigen die Kinder den Haushalt und versorgen die kleineren Geschwister. Und oftmals kümmern sie sich so sehr um die Bedürfnisse ihrer Eltern, dass sie darüber verlernen, Kind zu sein.

„Sowohl betroffene Kinder in diesem Prozess frühzeitig zu begleiten als auch pädagogische Fachkräfte in ihrer Arbeit zu unterstützen, ist uns im Kreis ein wichtiges Anliegen. So halten wir beispielsweise Angebote für Pädagoginnen und Pädagogen an Schulen und Kindergärten vor, die im Umgang mit Kindern suchtkranker Eltern hilfreich sind“, erklärt Angelika Bronner-Blatz, die zusammen mit der Beratungsstelle für Suchtfragen umfangreiche Hilfemöglichkeiten aufzeigt.

Denn Kinder von Suchtkranken schämen sich für ihre Eltern und versuchen zugleich alles, um sie zu schützen. Niemand außerhalb der Familie soll erfahren, dass Vater oder Mutter ein Suchtproblem haben. Eine solche Kindheit hinterlässt Spuren in den Seelen der Kinder. Doch es gibt Hoffnung für Kinder aus Suchtfamilien. So haben sie gute Chancen, sich trotz widriger Kindheitsumstände relativ gesund zu entwickeln, wenn es in ihrer Umgebung erwachsene Vertrauenspersonen gibt.

Solche sicheren Bezugspersonen können Großeltern oder andere Verwandte sein, aber auch Lehrer, Erzieherinnen, Schulsozialarbeiter oder Eltern von Spielfreunden. „Die Beratungsstelle für Suchtfragen hält deshalb mit „Trampolin“ speziell für die Altersgruppe der Acht- bis 12-Jährigen ein Angebot vor, das von erfahrenen Forschungsgruppen entwickelt und erprobt wurde“, erklärt die Suchtkoordinatorin. Das Programm sei für Mädchen und Jungen gleichermaßen geeignet. Spielerisch lernen Kinder von suchtbelasteten und psychisch belasteten Eltern, ihre Stärken zu entdecken, ihre Belastung zu reduzieren und ihr Selbstvertrauen zu stärken. „Durch „Trampolin“ erfahren diese Kinder auch, dass sie nicht alleine sind“, so Bronner-Blatz weiter.

Infos im Internet: 
www.coa-aktionswoche.dewww.suchtberatung-nok.de Neckar-Odenwald-Kreises(Suchstichwort „Sucht“). Dort gibt es auch ausführliche Einblicke in das Leben von Kindern wie Marina.

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1 Kommentar

  1. Hey, das ist eine wichtige und richtige Sache für mich natürlich 35 Jahre zu spät! Bei dieser Gelegenheit
    möchte ich als 50 Jähriger darauf hinweisen, als ich 25 war habe ich meinen Eltern die Schuld
    an allem gegeben sucht-Erkrankung schwerwiegende Erziehung Fehler. Erst jetzt erkenne ich das
    die selbst Kriegs traumatisiert waren und da gibt es viele deren Eltern das sind unter den heutigen
    50-60 Jährigen „Kindern“. In dieser Richtung wird seit einigen Jahren geforscht. Die Eltern tragen
    keine schuld, meine nicht ausgebombt und Vertrieben, und die Pille noch nicht richtig im Einsatz.
    Ich werde und würde nie heiraten und auch nie kinder zeugen ist und war für mich die logische Konsequenz. Gruß Peter Ertl

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