MdB Franziska Brantner besucht Jugendgefängnis

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Unser Foto zeigt von links: Vollzugsabteilungsleiter Max Roser, Anstaltsleiterin Katja Fritsche, Verwaltungsleiter Klaus Brauch-Dylla, MdB Dr. Franziska Brantner und stv. Anstaltsleiter Dr. Nikolas Blanke vor dem Tor zur Freiheit. (Foto: J. Hildenbrand)

Projekte und Werkstätten bieten außergewöhnliches Programm für die Inhaftierten – Desolaten Zustand der Anstaltsgebäude bedauert

Adelsheim. (jhi) Zum insgesamt vierten Mal hatte im vergangenen November eine Gruppe von Mitarbeitenden und Inhaftierten des Adelsheimer Jugendgefängnisses an einer Bildungsreise des Bundestages nach Berlin teilgenommen und dabei Franziska Brantner (Bündnis 90/Grüne) an ihrem Haupt-Arbeitsort besucht, nun kam die Heidelberger Bundestagsabgeordnete zum Gegenbesuch nach Adelsheim.

Anstaltsleiterin Katja Fritsche begrüßte das Mitglied des Europaausschusses des Bundestages und Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen herzlich. Fritsche betonte, dass die politisch Verantwortlichen auch die Menschen im Blick haben müssten, die am Rand der Gesellschaft stünden und keine Lobby hätten. „Dies gilt besonders auch für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Gefängnis, die häufig aus prekären Verhältnissen kommen und ganz besondere Hilfestellungen benötigen, um ihnen eine Perspektive zu geben und eine gleichberechtigte Teilhabe an unserer Gesellschaft zu ermöglichen“.

Dem hatte schon der letzte Besuch von Franziska Brantner in der JVA im Jahr 2012 gedient. Damals stand das Programm BASIS – „berufliche, ausbildungsbegleitende und soziale Integration von jungen Strafgefangenen“ -, auf Grund bevorstehender Förderungseinstellung auf der Kippe. Mittlerweile heißt das Übergangsmanagement-Programm „ReSo“ und konnte, auch dank des Einsatzes der Abgeordneten Brantner, fest im Landeshaushalt etabliert werden. Ein bedeutend wichtiges Projekt bestätigte Fritsche, finden doch gut drei Viertel der jährlich rund 250 Teilnehmer dank der Hilfestellung durch drei Berater nach ihrer Entlassung einen Job, besuchen eine Schule oder beginnen eine Ausbildung. Eine enorme Vermittlungsquote, wenn man weiß, wie schwer es die Klientel sonst hat, im „normalen Leben“ wieder Fuß zu fassen.

„Reso“ leiste dabei in den Bereichen Bewerbungstraining, Begleitung zum Vorstellungsgespräch oder Hilfestellung beim Umgang mit Behörden wichtige Unterstützung für die jungen Erwachsenen beim Wiedereinstieg in ein Leben nach dem Vollzug. Für viele Inhaftierte sei es erstmals in ihrem Leben die Erfahrung, dass sich jemand intensiv um sie kümmere. Das beinhalte auch die Nachbetreuung, denn der Schritt in die Freiheit, vom total geregelten Tag in der Justizvollzugsanstalt zum ungeregelten Dasein draußen, falle häufig nicht leicht und sei die größte Hürde, wenn es darum gehe nicht wieder straffällig zu werden. „Auch deshalb habe ich mich dafür stark gemacht“ erklärte Franziska Brantner hoch erfreut über die feste Verankerung und positive Bilanzierung des Projekts in Adelsheim.

Denn beileibe nicht alle der Bewohner der 434 Haftplätze sind ganz schwere Jungs. Verurteilt wurden die Jugendlichen und Heranwachsenden hauptsächlich für Diebstahl, Körperverletzung, Raub und Verstößen gegen das Betäubungsmittelrecht, der Anteil der Gefangenen, die wegen Tötungs- oder Sexualdelikten einsitzen ist erfreulicherweise sehr gering.

Beim Rundgang und der Besichtigung der Ausbildungsbetriebe von Reiseteilnehmern konnte Brantner sich ein Bild der wertvollen Arbeit dort vor Ort machen.

„Wermutstropfen dabei war zu sehen, dass alle gut geleistete Arbeit bei leider unzulänglicher Unterbringung der Insassen wie Mitarbeitenden einen faden Beigeschmack hat!“. Die Bausubstanz der in den 1970er Jahren gebauten Anstalt ist in einem vielfach desolaten und vielfach nicht mehr renovierungswürdigen Zustand, bedürfe eigentlich eines Komplettabrisses und Neubaus, um menschenwürdige Unterbringung der Insassen und akzeptable Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zu gewährleisten. „Zu vermitteln, dass Investitionen im Bereich von 100 Millionen plus X in einen Randbereich der Gesellschaft ein wichtiger Teil gesellschaftspolitischer Arbeit sind, ist gar nicht so einfach,“ so Fritsche.

Marilena Geugjes, Heidelberger Stadträtin und Mitarbeiterin von Ministerin Theresia Bauer, die von Landesseite beim Besuch ebenfalls mit anwesend war, betonte an dieser Stelle die Wichtigkeit solcher Investitionen, die sich bei gelungener Resozialisierung der Gefangenen in maßgelblichen Einsparungen späterer Folgekosten deutlich machen und auszahlen und daher hohe Priorität besitzen sollten.

Dass Katja Fritsche und ihr Team trotz der schwierigen Bedingungen neben Schul- und Berufsausbildung ein mutiges und ambitioniertes Programmangebot für die Jugendlichen organisieren, das Theater und Musik über Sportangebote und Filmkurse umfasst, beeindruckte die Besucher.

Auch die politische Bildungsfahrt mit dem Wahlkreisbüro von Franziska Brantner im November 2019 gehörte zu den außergewöhnlichen Bildungsmaßnahmen der Anstalt, die die Bundestagsabgeordnete besonders zu schätzen weiß. „Den Insassen Wege abseits gängiger Bahnen zu zeigen und Potentiale zu wecken ist ein so wichtiges Moment der Vollzugsarbeit, dass ich das Engagement von Frau Fritsche sehr zu schätzen weiß. Selbstverständlich helfe ich hier im Rahmen meiner Möglichkeiten, beispielsweise bei der Teilnahme an Bildungsfahrten, gerne wo ich kann,“ so Brantner.

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