Belastungen am Arbeitsplatz

Wir bleiben für Sie am Ball, spendieren Sie uns dafür einen Kaffee.

(Foto: Privat)

Was macht ErzieherInnen krank?

1. Fachtag zur Gesundheitserhaltung an der FSP Buchen
Buchen. (kr) Dass der Frühpädagogik die Gesundheitsförderung von Kindern besonders am Herzen liegt ist bekannt. Dabei wird jedoch häufig die Gesundheit der Fachkräfte vergessen, die in ihrem Job teils großen Belastungen ausgesetzt sind.  Diese Erfahrung machte auch Leonie Senft während ihrer Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin an der katholischen Fachschule für Sozialpädagogik (FSP) in Buchen und Ihrem anschließenden Berufsalltag. Die Tatsache das Erzieherinnen und Erzieher in ihrem Job teilweise großen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt und Rückenprobleme, Infektionskrankheiten und Burnout in dieser Berufsgruppe keine Seltenheit sind, spiele im Ausbildungsalltag kaum eine Rolle, so Senft. Diese Erkenntnisse waren für Sie Anlass genug um im Rahmen ihres Projektstudiums an der FSP ein Projekt unter dem Namen „Zwischen Viren, Stress und Lärm – Macht der Berufsalltag ErzieherInnen krank?“ ins Leben zu rufen. Im Rahmen dieses Projekts fand am vergangenen Dienstag erstmalig ein Fachtag statt bei dem man sich genau mit diesen Themen beschäftigte.

Experten informierten Azubis

Um den Auszubildenden praxisnahe Methoden zur Gesundheitserhaltung und Präventionsmaßnahmen aufzuzeigen wurden im Vorfeld verschiedene Experten gesucht, welche die Möglichkeiten und Chancen bezüglich ihres Fachgebiets vorstellen. Bei der Suche von Dozierenden bzw. Kooperationspartnern stieß Projektleiterin Senft erfreulicherweise ausschließlich auf positive Rückmeldung. So konnten eine Logopädin, eine Physiotherapeutin, ein Pädakustiker sowie ein Mitarbeiter der DAK Krankenkasse gewonnen werden um ihr Wissen an angehenden ErzieherInnen weiter zu geben. Zu bemerken ist in diesem Zusammenhang, dass bei diesen Fachkräften ausnahmslos Begeisterung für dieses elementare Thema herrschte und unentgeltlich referiert wurde. Aufgrund der aktuell geltenden CoronaVO mussten die Azubis jedoch in zwei Gruppen aufgeteilt werden, so dass jeder Dozent zwei Mal sein Fachwissen gepaart mit Erfahrungen und Übungen weitergab.

„Dein Lächeln steht dir besonders gut!“

Mit diesem am Eingang ausgehängten Kompliment starteten alle Auszubildenden in den Fachtag. Denn der Start in den Tag ist eine Situation, die bewusst wahrgenommen und positiv gestaltet werden soll, und bildet das Fundament für alles was noch an diesem Tag auf uns zukommt, so Projektleiterin Senft in ihrem Vortrag. Dass das Ohr ein unglaublich wichtiges Organ ist und viel mehr als nur hören kann, brachte Hörakustikmeister bzw. Pädakustiker Herr Donner von der Praxis „Donner -der hörmeister- GmbH“ aus Buchen in seinem Vortrag zum Ausdruck. Während seines lebendigen Vortrags über das Ohr an sich und seine vielfältigen Funktionen, wurde allen ZuhörerInnen schnell bewusst, hier brennt jemand für das Thema. Welche Schwierigkeiten bei Kindern auftauchen und wann ErzieherInnen sensibel Themen wahrnehmen, erkennen und bearbeiten müssen, waren Thema im weiteren Verlauf des Vortrags.

ErzieherInnen ändern Ihr Sprechverhalten

Logopädin Frau Stapf zeigte den Auszubildenden anschließend verschiedene Methoden und praktische Übungen wie sie Ihre Stimme präventiv gesund halten können. Schließlich ist Sprache einer der festen Bestandteile im pädagogischen Alltag. Kinder orientieren sich an Sprachvorbildern Ihrer Umwelt und so sei es keine Seltenheit, dass ErzieherInnen ihr Sprechverhalten verändern und eine Logopädie aufsuchen müssten. Einen guten Einblick, wann genau Belastungen im Tagesablauf einer pädagogischen Fachkraft möglich sind, gab Herr Throm von der DAK Krankenkasse in seinem Vortrag. Weiter erläuterte er welche grundsätzlichen Leistungen von einer gesetzlichen Krankasse zu erwarten seien und dass neben der grundsätzlichen Leistung noch Online-Coachings für Versicherte angeboten werden. Dabei stellte sich heraus, dass es weitaus mehr präventive Maßnahmen für den Rücken gibt als für andere Bereiche.

Praktische Übungen für Rücken und Halswirbelsäule

Sitzen auf Stühlen in Kindergröße, gebeugte Haltung, Heben und Tragen – diese täglichen Belastungen muss der Körper von pädagogischen Fachkräften im Kindergartenalltag aushalten. Schließlich komme man beispielsweise nicht immer drumherum ein Kind auch mal auf den Arm zu nehmen. Physiotherapeutin Frau Kistner machte in Ihrem Vortrag, auch mit praktischen Beispielen, darauf aufmerksam dass man mit ergonomischen Sitzgelegenheiten oder verschiedenen Kissenformen hier eine Linderung bei der Belastung des Bewegungsapparats schaffen könne. Auf eine rückenschonende Haltung beim Aufstehen legte die Therapeutin einen Fokus Ihres Vortrags. Ebenso wichtig sei aber auch die präventive Rückengesundheit, weshalb Frau Kister, zum Abschluss den beiden Gruppen verschiedene Übungen für die Halswirbelsäule, den Schultergürtel, Brustwirbelsäule wie auch Lendenwirbelsäule zeigte.

Work-Life-Balance für ErzieherInnen

Der Berufsalltag als ErzieherIn bringt immer wieder auch Stress mit sich. Die innere und äußere Balance zu halten und Strategien zur Stressbewältigung zu kennen ist wichtig. Deshalb widmete Projektleiterin Leonie Senft auch dem Thema Work-Life-Balance den letzten Teil des Fachtags. Ihrer Meinung nach schlummern in WhatsApp Gruppenchats oder in Pausen die eigentlich keine Pausen sind viele versteckte Belastungen. Ihr Ziel war es, den Auszubildenden mit dem Vortrag Mut zu machen. Sie sollen von den Rechten als pädagogische Fachkräfte Gebrauch machen und wahrnehmen wenn etwas getan wird obwohl es die eigene Freizeit und keine bezahlte Dienstzeit mehr ist. Die Azubis müssen lernen sozial mit ihrem eigenen Körper umzugehen und demnach auch mit den eigenen Ressourcen zu haushalten.

Zum Abschluss des ersten Fachtages kamen alle angehenden Erzieherinnen und Erzieher zu dem einhelligen Ergebnis dass der Tag für Sie ein voller Erfolg war und man viele Informationen und Übungen mit in den Berufsalltag nehmen kann. Dies haben Sie in erster Linie den vielen Fachkräften zu verdanken, die sich Mühe gemacht und Zeit genommen haben.

Artikel teilen:

  • 1

Zum Weiterlesen: