Schlossfestspiele sind künftig gefährdet

(Foto: Samuel Dicke)

Aktuelle Spielzeit finanziell uneingeschränkt gesichert

Zwingenberg.  (pm) Am 15. Juli starten die Schlossfestspiele Zwingenberg. Nach zwei Jahren Corona-Pause sind die Festspiele mit der 39. Spielzeit endlich wieder zurück auf dem Schloss.

Ob es allerdings auch eine 40. Spielzeit geben wird, erscheint ungewiss, so der Vorsitzende des Trägervereins Landrat Dr. Achim Brötel und sein Stellvertreter Bürgermeister Norman Link.

Insbesondere der zaghafte Vorverkauf bei der Oper, Giacomo Puccinis „Tosca“, bereitet den Verantwortlichen Kopfzerbrechen. Einen Monat vor der Premiere sind gerade einmal rund 34 Prozent der Tickets verkauft. Die Gesamtauslastung aller Veranstaltungen liegt bei rund 49 Prozent.

„Wenn man weiß, dass sich die Festspiele zu 50 Prozent aus dem Kartenverkauf finanzieren, dann ist klar, dass das durchaus existenzgefährdend ist“, betonen Brötel und Link: „Wir machen die Festspiele mit großem Engagement und mit mindestens genauso großer Freude, aber wir machen sie nicht für uns, sondern wir brauchen auch die Solidarität aus der Region, um ein solches Angebot im ländlichen Raum auf Dauer aufrechterhalten zu können.“

Dass andere Freilichttheater momentan ebenfalls mit einbrechenden Vorverkaufszahlen zu kämpfen hätten, sei dabei nur ein schwacher Trost. „Wir leben davon, dass der Hof voll ist“, so Brötel und Link.

Wo auf jeden Fall keine Abstriche gemacht werden, ist bei der Qualität, so die feste Überzeugung des Festspielteams. Beide Hauptproduktionen und das Rahmenprogramm sind mit Spitzensolisten aus der Opern- und Musicalwelt besetzt. Die Oper wird zudem von 55 Profi-Musikerinnen und Musikern der Staatsoper Stuttgart und des Nationaltheaters Mannheim gespielt, das Musical von einer erfahrenen Rockband.

„Zwingenberg hat schon immer von der Mischung aus großartigem ehrenamtlichem Engagement wie beispielsweise bei unserem Festspielchor einerseits und den Profis bei Hauptdarstellern und Technik gelebt. Letztere kosten aber einfach Geld und dieses müssen wir, trotz vieler treuer Sponsoren und Partner, vor allem über die Karten wieder einnehmen“, unterstreichen Brötel und Link.

Dabei ist klar, dass der zaghafte Vorverkauf nicht allein ein Zwingenberger Problem ist. Auch andere Festspiele berichten von sehr zurückhaltenden Verkäufen. Die Gründe dafür liegen wahrscheinlich in der noch immer andauernden Pandemie und in der allgemeinen Teuerung in vielen Lebensbereichen.

„Allein es gibt einen wichtigen Unterschied: Wir stemmen Festspiele auf höchstem Niveau mit einem vergleichsweisen geringen Budget von rund 411.000 Euro. Der Trägerverein hat nach den Rekordjahren 2018 und 2019 durchaus noch kleinere Rücklagen, so dass die aktuelle Spielzeit uneingeschränkt gesichert ist.

Andere haben jedoch deutlich größere Töpfe zur Verfügung“, betonen Brötel und Link. Das mache bis zu einem gewissen Grad auch die Einzigartigkeit von Zwingenberg aus. Dabei erinnerte der Landrat an den noch immer abrufbaren SWR-Film „Ein Dorf macht Musical“.

Dieser sei 2019 rund um den überwältigen Erfolg von „Artus – Excalibur“ aufwändig gedreht worden und zeige sehr schön das Zusammenspiel von Profis und gut ausgebildeten Laien auf und hinter der Bühne.

„Aber auch das Ehrenamt ist nicht unbegrenzt belastbar. Deshalb brauchen wir einfach die Kartenverkäufe und zwar möglichst frühzeitig und nicht erst am Tag der Vorstellung“, so der Tenor der beiden Verantwortlichen.

Oben auf dem Schloss laufen die Vorbereitungen für die diesjährige Saison derweil auf Hochtouren. Vor wenigen Tagen hat der Aufbau der Technik begonnen, die Proben sind ebenfalls gestartet. Das Schloss erwacht damit wieder zum Festspielleben und den unvergesslichen Abenden steht nichts mehr im Weg.

Gerade deshalb war es dem Trägervereinsvorsitzenden und seinem Stellvertreter ein Anliegen, die Situation öffentlich zu machen. Schließlich wolle man im kommenden Jahr die Jubiläumsspielzeit auf dem Schloss gebührend feiern. Und das wieder mit einem Musical, aber voraussichtlich natürlich auch mit der berühmten Hausoper, dem „Freischütz“ von Carl Maria von Weber.

Nähere Informationen zu den Produktionen und Besetzungen gibt es unter www.schlossfestspiele-zwingenberg.de. Karten sind ebenfalls über die Webseite, beim Kartentelefon 06263/45154 und bei den Touristeninformationen der Region erhältlich.

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