Retter wollen sich besser aufstellen

 Landrat Dr. Achim Brötel, DRK-Kreisgeschäftsführer Steffen Blaschek (im RTW) und Präsident Gerhard Lauth mit einem Rettungswagen in der Wache in Mosbach. (Foto: Sabine Braun)

DRK Mosbach: Drei neue Standorte für Rettungswagen in der Erprobung

Mosbach.  (pm) Mit drei Probestandorten für Rettungswagen testet der DRK-Kreisverband Mosbach Möglichkeiten, im Notfall schneller an Orte zu gelangen, die weit von den bisherigen Wachen entfernt liegen. Etablierte Rettungswachen sind in Mosbach, Asbach, Oberneudorf, Osterburken, Hardheim und Buchen untergebracht.

Die seit Juli erprobten Standorte sind in Wagenschwend, Schefflenz und Walldürn. Die Details des Probelaufs, der bis Ende September dauert, stellten DRK-Präsident Gerhard Lauth und Kreisgeschäftsführer Steffen Blaschek gemeinsam mit Landrat Dr. Achim Brötel bei einem Pressegespräch in der DRK-Kreisgeschäftsstelle der Öffentlichkeit vor.

So werden bei den Probestandorten keine zusätzlichen Rettungswagen (RTW) eingesetzt, es handelt es sich vielmehr um Verlagerungen. Der RTW Oberneudorf wurde komplett nach Wagenschwend verlegt.

Das ist auch deshalb wichtig, so Landrat Dr. Achim Brötel, weil infolge der geplanten Sanierung der Landesstraße 524 bei Wagenschwend der Hohe Odenwald nicht mehr unproblematisch vom nähergelegenen Rettungsstandort Eberbach aus angefahren werden könne. Der RTW Hardheim steht nun tagsüber in Walldürn bereit. Nachts ist er weiterhin in Hardheim stationiert.

Einer der Mosbacher RTW steht nun tagsüber in Schefflenz, ein weiterer bleibt in Mosbach. Insgesamt sind tagsüber sieben RTW, nachts fünf RTW bereit für den Einsatz, besetzt jeweils mit einem Rettungssanitäter und einem Notfallsanitäter.

In Schefflenz sind die DRK-Mitarbeiter in einer Notunterkunft der Gemeinde untergebracht. In Walldürn ist der Standort beim Feuerwehrgerätehaus, in Wagenschwend im Dorfgemeinschaftshaus. Die Standorte werden aus dem Pool der Mitarbeiter des Rettungsdienstes beim Kreisverband Mosbach besetzt.

Ein großes Dankeschön geht an die Gemeinden für die gute Zusammenarbeit bei der Unterbringung.
Hintergrund der Neuerung ist die Tatsache, dass im Neckar-Odenwald-Kreis die vom Gesetzgeber für den Rettungswageneinsatz vorgesehene Hilfsfrist – das ist der Zeitrahmen, der vom Eingehen des Notrufs bis zum für den Rettungswageneinsatz Eintreffen der Retter am Notfallort vergehen darf – aktuell nicht voll eingehalten werden kann.

Im ersten Halbjahr 2022 wurde die Hilfsfrist vom DRK Kreisverband, der zuständig ist für den gesamten Neckar-Odenwald-Kreis, in durchschnittlich rund 90 Prozent der Einsätze eingehalten. Gefordert sind 95 Prozent.

Festgeschrieben ist die Hilfsfrist in Baden-Württemberg im Rettungsdienstplan. Dieser sieht für den sognannten „bodengebundenen“ Rettungsdienst, also für den Rettungswagen und den Notarzt, eine Hilfsfrist von nicht mehr als zehn bis maximal 15 Minuten vor. Das gelingt landesweit lediglich in fünf von 35 Rettungsdienstbereichen.

Ziel des Bereichsausschusses, paritätisch besetzt aus Kostenträgern und Leistungserbringern, zu denen das DRK Mosbach gehört, ist es, die Retter besser aufzustellen, um diese Hilfsfrist einzuhalten. „Kontinuierlich besser zu werden“ sei das Ziel aller Beteiligten, so Landrat Dr. Brötel, wobei er die gute Zusammenarbeit im Gremium ausdrücklich betonte.

Über die Ergebnisse des Probelaufs wird dann am 15. November im Bereichsausschuss gesprochen. Wahrscheinlich werde die reine Verlagerung der Rettungswagen jedoch nicht ausreichen, sondern es werden zusätzliche Standorte notwendig sein, so DRK-Kreisgeschäftsführer Steffen Blaschek.

„Sportlich“ ist nach den Worten von Präsident Gerhard Lauth vor diesem Hintergrund die im neuen Rettungsdienstplan vorgesehene Verkürzung der Hilfsfrist auf zwölf Minuten.

Blaschek ergänzte: „Ein neuer RTW-Standort mit 24-Stunden-Besetzung macht etwa 11,5 Vollzeitstellen nötig.“ Obwohl der Kreisverband eine vergleichsweise große Krankentransportwagen-Flotte habe und stark in die Ausbildung von Notfall- und Rettungssanitätern investiere, wäre das eine personelle und organisatorische Herausforderung.

Jeder neue RTW-Standort koste rund 900.000 Euro. Finanziert werden die Standorte durch die Krankenkassen und zu einem kleinen Teil vom Land Baden-Württemberg.

Ein zweites Thema des Pressegesprächs waren die neuen Möglichkeiten für die Notfallsanitäter. Diese dürfen nach aktueller Rechtslage nun am Einsatzort auch Medikamente verabreichen.

Während das bei den künftigen Rettern Teil der Ausbildung sein wird, müssen bereits aktive Notfallsanitäter noch spezielle Schulungen und Prüfungen durch die Ärztlichen Verantwortlichen absolvieren.

„Ich freue mich, dass es nach doch recht langer Zeit gelungen ist, den Notfallsanitätern die Medikamentengabe zu ermöglichen. Nun können sie ihre Kompetenzen beweisen und mit dafür sorgen, dass Patienten schnell geholfen wird“, so DRK-Präsident Gerhard Lauth.

Beispiel zum Thema Hilfsfristeinhaltung:

Beispielsweise im Juni waren die RTW im Neckar-Odenwald-Kreis in 66 von 673 Fällen nicht innerhalb von 15 Minuten am Einsatzort. Die Gründe dafür sind genau hinterlegt: In der überwiegenden Zahl der Fälle war der nächstgelegene Rettungswagen nicht verfügbar, also bereits im Einsatz, im Fachjargon spricht man von „Duplizität“, in fünf Fällen war die weite Anfahrt die Ursache. Überschritten wurde die Hilfsfrist in 42 Fällen um eine bis fünf Minuten, in weiteren 19 Fällen um sechs bis zehn Minuten.

Auch bei den Notarzteinsätzen war die Verfehlung der Hilfsfrist in den meisten Fällen in der Duplizität begründet. In 35 von 347 Einsätzen war der Notarzt nicht in den geforderten 15 Minuten am Einsatzort. Überschritten wurde die Hilfsfrist beim Notarzteinsatz in zwölf Fällen um bis zu zwei Minuten, in weiteren 20 Fällen um bis zu fünf Minuten.

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