Endspurt am Ausbildungsmarkt

Endspurt am Ausbildungsmarkt
Endspurt am Ausbildungsmarkt

(Foto: Brauch-Dylla)

Lehrstellenbörse RUN bringt Jugendliche und Betriebe zusammen

Mosbach. (bd) Zwischen den Pfingst- und den Sommerferien hatte die Agentur für Arbeit zur Ausbildungsmesse „RUN“ in ihre Räume eingeladen. Ziel der Veranstaltung in der Eisenbahnstraße war es, Jugendlichen, die kurzfristig noch eine Ausbildungsstelle für 2026 suchen oder sich bereits für 2027 orientieren wollen, eine unkomplizierte Plattform zu bieten.

Das Konzept ging auf: Die Gänge waren dicht gefüllt mit jungen Menschen, die von einem Infostand zum nächsten gingen. Rund 30 ausstellende Betriebe – von kleinen Handwerksbetrieben über mittelständische Unternehmen bis hin zu großen, bekannten Firmen und Dienstleistern aus der Region – nutzten die Gelegenheit. Vertreten waren die Bereiche Industrie, Handwerk, öffentlicher Dienst, Polizei, Bundeswehr sowie der Pflege- und Sozialsektor. Um die Gunst der Schülerinnen und Schüler zu gewinnen, stellten sich die Betriebe nicht nur vor, sondern warben auch mit dem einen oder anderen Präsent.

Last-Minute-Chance vor den Sommerferien

Das Besondere an der „RUN“ ist der bewusst gewählte Termin noch vor den Sommerferien. Als „Last-Minute-Chance“ soll die Messe die Hemmschwelle für Jugendliche möglichst niedrig halten. „Man kommt hier eigentlich nicht durch, ohne ein Gespräch zu führen“, erklärten die Verantwortlichen der Agentur für Arbeit. Genau das ist der Ansatz: Unverkrampfte und einfache Gespräche sollen entstehen, damit der Einstieg in die Berufsorientierung leichter fällt.

Nahezu 400 Jugendliche im Alter von 14 bis 20 Jahren strömten während der dreieinhalbstündigen Veranstaltung in die Agentur für Arbeit. Unter den Besuchern, die teils auch von ihren Eltern begleitet wurden, befand sich vor allem die nächste Generation von Fachkräften – überwiegend Schülerinnen und Schüler aus den Abschlussklassen von Gemeinschaftsschulen, Werkrealschulen und Realschulen der Region.

Direkter Kontakt überzeugt Jugendliche und Lehrkräfte

Dass der persönliche Austausch durch nichts zu ersetzen ist, bestätigten auch die begleitenden Lehrkräfte vor Ort. Lehrer Oliver Scheicher von der Schefflenztalschule war mit seiner achten Klasse nach Mosbach gereist, auch Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse waren vor Ort.

Scheicher betonte den praktischen Nutzen der Messe: Der unmittelbare Kontakt mit Ausbildungsbetrieben sei seiner Erfahrung nach deutlich zielführender als die Online-Präsentation von Unternehmen. Für viele Jugendliche seien Firmen im Internet oft nur etwas Abstraktes. Nach persönlichen Gesprächen fassten sie viel leichter Mut, nach einem Praktikumsplatz zu fragen oder sich zu bewerben.

Einen schweißtreibenden Fußweg zur Agentur für Arbeit hatten die Klassen 9 und 10 der Mosbacher Lohrtalschule hinter sich. Klassenlehrerin Eva Maria Kretz begleitete ihre Schülerinnen und Schüler zur Messe und berichtete aus der Praxis, dass bislang etwa ein Drittel ihrer Abschlussschüler einen festen Ausbildungsvertrag habe. Vielen werde trotz intensiver Berufsberatung oft erst im letzten Halbjahr vor dem Schulabschluss bewusst, dass der Übergang in den Beruf unmittelbar bevorsteht. In dieser Phase könne die Jobmesse eine entscheidende Hilfe sein, um über Praktika konkrete Schritte zu gehen.

Persönliche Geschichten zeigen die Bedeutung der Messe

Wie wichtig ein solcher persönlicher Türöffner sein kann, zeigt das Beispiel ihrer Schülerin Blertina, die seit Kurzem ihren Ausbildungsvertrag in der Tasche hat. Sie gilt als Musterbeispiel für Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen: Trotz mehr als 40 Absagen gab sie nicht auf und wurde noch vor der Messe fündig. Wer Blertina persönlich erlebt, kann die vielen Absagen kaum nachvollziehen. Die Realität zeigt jedoch, dass die Hürden auf dem Arbeitsmarkt für Jugendliche mit ausländisch klingendem Namen oft höher sind als für andere. Auch hier setzt die „RUN“ an, indem sie mögliche Vorurteile und Unsicherheiten durch das persönliche Kennenlernen am Stand abbaut.

Kontinuierliche Berufsberatung schafft Vertrauen

Dass die Jugendlichen so zahlreich und gut vorbereitet auf der Messe erschienen, ist auch dem Verdienst einer intensiven und kontinuierlichen Betreuung im Vorfeld zu verdanken. Sowohl die Lohrtalschule als auch die Schefflenztalschule und die Mosbacher Pestalozzi-Realschule werden von Berufsberaterin Silke Bachert betreut.

Seit inzwischen zehn Jahren geht sie dieser Tätigkeit nach. In den Werkrealschulen ist sie bereits ab Ende der siebten Klasse nahezu monatlich vor Ort. Durch diese dauerhafte Präsenz überwindet sie die Distanz zu den Schülerinnen und Schülern und schafft ein echtes, niedrigschwelliges Beratungsangebot direkt im Lebensumfeld der Jugendlichen.

VR-Brillen und freie Ausbildungsplätze ergänzen das Angebot

Neben den direkten Gesprächen bot die Messe ein interaktives Rahmenprogramm. Besonders beliebt waren die VR-Brillen, die als digitaler Türöffner dienten. Mit ihnen konnten die Jugendlichen virtuell in verschiedene Berufsfelder eintauchen, die nicht durch einen eigenen Stand vor Ort vertreten waren.

Der Arbeitgeber-Service steuerte außerdem einen umfassenden Überblick über aktuell noch freie Ausbildungsplätze bei.

Positive Bilanz der Agentur für Arbeit Mosbach

Am Nachmittag zogen die Verantwortlichen eine durchweg positive Bilanz. Ein Sonderlob ging an das gesamte Team der Berufsberatung sowie an die helfenden Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bereichen der Agentur für Arbeit, die für einen reibungslosen Ablauf sorgten. Vor allem Silke Bachert, die in diesem Jahr erstmals auch die federführende Organisation der gesamten Messe übernommen hatte, wurde hervorgehoben.

Dominik Münch, Teamleiter der Berufsberatung vor dem Erwerbsleben, zog ein rundum positives Fazit des Aktionstages: Viele Betriebe hätten zurückgemeldet, dass sich die Teilnahme gelohnt habe und die Gespräche oft qualitativ besser gewesen seien als im Vorjahr. Wieder seien Praktika vereinbart und Kontaktdaten für Bewerbungen um Ausbildungsstellen ausgetauscht worden. Daher sei man optimistisch, dass die „RUN“ erneut der Anstoß zu einigen weiteren Ausbildungsverträgen sein werde. Die Vorfreude auf die Veranstaltung im kommenden Jahr sei groß.

Für alle Jugendlichen, die den Termin verpasst haben oder weiterhin Unterstützung bei der Suche benötigen, bleibt die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Mosbach auch nach der Messe der feste und verlässliche Ansprechpartner.

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