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Kreiserntedankfest – Kuh ist nicht lila – Milch kommt nicht vom Bären

von Liane Merkle

Neckar-Odenwald-Kreis. Das Thema ,,Erntedank – Leben ist mehr wert“ stand im Mittelpunkt der Festrede von Hannelore Wörz, ihres Zeichens Präsidentin des Landfrauenverbandes Württemberg/Baden, anlässlich der Kreiserntedankfeier im Dorfgemeinschaftshaus im Seckacher Ortsteil Zimmern.

Nach der musikalischen Eröffnung durch den Musikverein Seckach unter der Leitung von Martin Heß oblag es dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Neckar-Odenwald-Kreis, Herbert Kempf, die zahlreichen Gäste und Ehrengäste zu begrüßen, darunter auch Landrat Dr. Achim Brötel, Bürgermeister Thomas Ludwig mit Ortsvorsteher Josef Ackermann, MdB Alois Gerig, Bürgermeister Roland Burger, Dekan Rüdiger Krauth, Rolf Brauch vom kirchlichen Dienst auf dem Lande und die Vertreter der Kreislandfrauen, Landsenioren des NOK, des Kreisbauernverbandes und der Landjugend Mosbach. Ein besonderer Willkommensgruß galt dem Ehrenvorsitzenden des Kreisbauernverbandes Siegfried Hornung und den Kindergartenleiterinnen Sigrid Egenberger, Gabriele Schmitt und Silke Jaufmann-Dörsam, die im Anschluss an das offizielle Programm die Erntegaben durch die Festredner überreicht bekamen.


Eingangs seiner Ausführungen dankte Herbert Kempf dem Musikverein Seckach für die musikalische Umrahmung der Feierstunde, der katholischen Frauengemeinschaft Zimmern für die Bewirtung, dem Ortsbauernverband Seckach für Organisation und Ausschmückung und allen, die beim Zustandekommen der Kreiserntedankfeier mitgeholfen hatten.

Trotz hoch technisierter Landwirtschaft, Ernteeinbußen und Wetterkapriolen gelte es, dem Herrgott und der Natur Dank zu sagen für alles, was sie dem Menschen wieder bereitet hatte. ,,Unsere Aufgabe ist es, die Gaben der Natur nicht nur dem Diktat des Marktes zu unterwerfen, sondern auch wieder mehr ethische Maßstäbe und die Verantwortung für die kommenden Generationen einzuhalten“.

Hinsichtlich der riesigen Berge von jährlich weggeworfenen Lebensmitteln betonte der Kreisbauernverbandsvorsitzende, dass auch die Verbraucher mehr Achtung für Lebensmittel und für landwirtschaftliche Erzeugnisse aufbringen müssten. ,,Wir leben alle von der Garantie Gottes: So lange die Erde steht soll nicht aufhören Saat und Ernte“.


Die Grüße des Landkreises mit Kreistag und Kreisverwaltung sowie des Fachdienstes Landwirtschaft mit Gerhard Kohler an der Spitze übermittelte Landrat Dr. Achim Brötel in gewohnt kurzweiliger Art. Mit Sorge betrachte man die Tatsache, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe auch im Neckar-Odenwald-Kreis bereits seit Jahren kontinuierlich jeweils um drei bis vier Prozent rückläufig sei. Wie der Landrat weiter ausführte, würden von den noch rd. 1.100 Betrieben schon heute etwa ¾ im Nebenerwerb geführt. Den Ewiggestrigen mit Geist nur bis zum nächsten Discounter und mit ihren städtisch geprägten negativen Aussagen über das Leben und Arbeiten auf dem Lande gelte es klar zu machen, dass ohne Landwirtschaft eben auch die Regale bei den Discountern leer bleiben würden. „Nüchternheit, Alltagsvernunft, Bescheidenheit, Dankbarkeit, Demut und Augenmaß seien Wertbegriffe, die im Rahmen einer Erntedankfeier auch heute noch Gültigkeit haben. Abschließend seiner Ausführungen sagte der Landrat: ,,Man soll Gott erst für das Brot danken, ehe man um den Kuchen bittet“.

Als große Ehre für die Gemeinde Seckach bezeichnete Bürgermeister Thomas Ludwig die Ausrichtung des Kreiserntedankfestes in Zimmern. Für eine bessere Vermittlung von Landwirtschaft und ihren Erzeugnissen besonders an die Kinder gelte es zu werben, um auch der hohen Bedeutung von Lebensmitteln gerecht werden zu können. „Die Kuh ist eben nicht lila und die Milch bringt auch nicht der Bär“. Ludwig appellierte an alle Verbraucher, mehr einheimische Produkte zu kaufen, denn dies sichere einerseits die Existenz unserer landwirtschaftlichen Betriebe und trage andererseits wesentlich zum Erhalt unserer Kulturlandschaft bei. Dingen wie z.B. dem Auto, der Wohnungseinrichtung, dem Urlaub und der Kleidung würden heute höhere Bedeutung beigemessen als dem lebenswichtigen aller Güter – unserer Lebensmittel.

Dies betonte die Präsidentin des Landfrauenverbandes, Hannelore Wörz, im Rahmen ihrer Festrede. Demnach seien nur noch 12,5 Prozent der Konsumausgaben in einem Haushalt im Jahre 2008 in Deutschland für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke aufgewendet worden. „Leben ist eben mehr wert“. Das Interesse der Verbraucher dürfe auch nicht erst bei Skandalen geweckt werden. Ihr Appell an alle Verbraucher beinhaltete eine allgemeine Informationspflicht. Nur wenn man die Mühe und den Einsatz des Erzeugers kenne, die bei der Züchtung beginnt und über Anbaufolgen, Bodenpflege bis hin zu Erntemaßnahmen geht, könne Achtung vor den landwirtschaftlichen Kulturen aufbringen. Die Präsidentin abschließend: „Qualität sollte uns wirklich was wert sein“.

Für mehr Menschlichkeit und Verständnis in den verschiedensten Bereichen des Lebens appellierten von den Kreislandfrauen Geschäftsführerin Heike Becker und Helga Horn, ehe MdB Alois Gerig die Bauern dazu aufrief, gerade bei Häufungen von Wetterkapriolen, enger zusammen zu rücken. Denn ein konstruktives Miteinander sei durch nichts zu ersetzen.

Nachdem Grußredner und Verantwortliche die obligatorischen Erntegaben an die Kindergärten der Gemeinde Seckach verteilt hatten, beschloss die traditionsreiche Hymne der Badener mit dem Musikverein Seckach  vor dem gemeinsam gesungenen  Erntedanklied den offiziellen Teil der Kreiserntedankfeier im Zimmerner Dorfgemeinschaftshaus.

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