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Die Stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Frauenpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Charlotte Schneidewind-Hartnagel im Gespräch mit Hebamme Michaela Falter. (Foto: pm)

Heddesbach. (pm) „Sie wollen ( noch) ein Kind? Dann aber flott! Eine Hebamme steht ihnen nur noch bei einer Befruchtung bis zum 23. September 2014 zur Seite. Also husch, husch oder kämpfen Sie für eine Zukunft mit Hebammen. Derzeit gibt es ab dem 1. Juli 2015 keine Versicherung mehr, die das „Risiko“ freiberuflicher Hebammen versichern will. Das ist unser aus! “ – so der Plakattext einer aktuellen Hebammen-Kampagne zum Ausstieg der Versicherer aus der Risikohaftpflicht für Hebammen.

Die Wahl des Geburtsortes und die Wahl einer Hebamme des Vertrauens sind elementar für werdende Mütter. Der Kostendruck auf Hebammen ist durch massiv ansteigende Haftpflichtprämien seit Jahren dramatisch angestiegen. Nun droht vielen freiberuflichen Hebammen im Bereich der Geburtshilfe faktisch das berufliche Aus – aktuell ausgelöst durch den Ausstieg der Nürnberger Versicherung aus den beiden verbliebenen Versicherungskonsortien. Hebamme Michaela Falter aus Heddesbach berichtete in einem Gespräch mit der Landtagsabgeordneten dazu: „Der Ausstieg der Versicherer kommt einem Berufsverbot gleich. Dies stellt neben dem vergleichsweise geringen Gehalt der Hebammen eine unzumutbare Härte dar. Die enorm gestiegenen Versicherungsbeiträge sind dabei nicht steigenden Versicherungsfällen geschuldet, sondern den exorbitant gestiegenen Kosten für den einzelnen Schadensfall.“

Doch nicht nur die Versicherungsbeiträge stellen ein Problem dar, wie die Frauenpolitische Sprecherin der grünen Fraktion Charlotte Schneidewind-Hartnagel feststellt. Die Zahlen belegen, dass die Mehrzahl der freien Hebammen nicht existenzsichernd arbeiten kann. Viele sind bei der Ausübung ihres Berufes auf ein sicheres Partnereinkommen angewiesen. Bereits seit dem Jahr 2010 appelliert die grüne Fraktion an die Bundesregierung, den Berufsstand der freien Hebammen nachhaltig zu stärken – bislang ohne gehört zu werden. Falter dazu: „In der MedizinerInnenausbildung taucht die Geburt hauptsächlich als Krankheitsbild auf. Stetig steigende Kaiserschnittraten sind die Folge.“

Mit einer Kampagne des Sozialministeriums zur Stärkung der natürlichen Geburt, die im März gestartet wird, will die grün-rote Landesregierung ein Zeichen setzen, so Schneidewind-Hartnagel: „Es ist in unser aller Interesse Frauen und ihre Kinder in dieser besonderen Phase ihres Lebens die bestmögliche individuelle Betreuung zu gewährleisten. Sie brauchen umfassende Information und die freie Wahl. Wir haben uns deshalb als Sozialpolitikerinnen nachdrücklich für die Bundesratsinitiative zur Absicherung der Geburtshilfesituation eingesetzt, der sich die Bundesregierung nicht entziehen darf. Sie erzeugt den notwendigen Druck, damit die Arbeitsbedingungen der Hebammen nachhaltig verbessert werden und Frauen auch weiterhin selbstbestimmt entscheiden können, wo und mit wem sie ihre Kinder zur Welt bringen und wer sie während und nach der Schwangerschaft betreut. Ich wünsche mir zu jedem Geburtstag eine Hebamme und eine garantierte 1:1 Betreuung, wie sie zum Beispiel an hebammengeführten Kreißsälen angeboten wird. Hebammen brauchen eine existenzsichernde Entlohnung und auch hier stelle ich mir, wie bei vielen Gesundheits- und Pflegeberufen die Frage: Warum wird die Betreuung von Bankkonten bei uns so viel besser bezahlt als die Betreuung von Menschen?“

Baden-Württemberg beteiligt sich an der Bundesratsinitiative, die ausgehend von Schleswig-Holstein, von den meisten Bundesländern unterstützt wird. Diese geht am 14.03.2014 in den Bundesrat ein.

Info zur Kampagne des Sozialministeriums: www.sm.baden-wuerttemberg.de/de/28_Maerz_2014_Auftaktveranstaltung_der_Kampagne_zur_Staerkung_der_natuerlichen_Geburt/310384.html

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