„Hinter jeder Zahl steht ein Mensch“

Landkreisverwaltung präsentierte Sozialbericht vor Kreistagsausschuss für Gesundheit und Soziales – Sitzung in Hardheim

Hardheim.  (pm) 71,5 Millionen Euro: Diese Summe hat der Neckar-Odenwald-Kreis im vergangenen Jahr für Soziales und Jugend ausgegeben. Wofür im Einzelnen beleuchtete Renate Körber, Leiterin des zuständigen Fachbereichs des Landratsamtes, bei einer Sitzung des Kreistagsausschusses für Gesundheit und Soziales am vergangenen Mittwoch in Hardheim. Für die Bereitstellung des Saals ging der Dank von Landrat Dr. Achim Brötel zunächst an Bürgermeister Volker Rohm, der den Kreisräten die Gemeinde vorstellte.

Der Landrat unterstrich zu Beginn, dass es dem Landkreis Auftrag und Verpflichtung sei, Menschen zu unterstützen, die besonderer Fürsorge bedürfen: „Natürlich kostet das viel Geld, der Bereich macht rund 52 Prozent des Gesamthaushaltes aus. Deshalb müssen wir uns heute auch genau die Zahlen anschauen, aber dabei nicht vergessen, dass hinter jeder Zahl Menschen stehen.“

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Gleich zu Beginn wies Körber darauf hin, dass die Transferaufwendungen, also Leistungen, die der Landkreis an Hilfeempfänger zahlt, nach rund 61 Millionen in 2015 erneut gestiegen seien. Bei der Eingliederungshilfe habe man 1,6 Millionen mehr gezahlt, auch die Aufwendungen für Asylantragsteller und die Jugendhilfe hätten sich deutlich erhöht. Bei der Hilfe zur Pflege habe es ebenfalls Steigerungen gegeben, lediglich der Aufwand für das Sozialgesetzbuch II (Hartz IV) sei gesunken, aber das auch nur aufgrund einer erhöhten Bundesbeteiligung.

Bei der Darstellung der einzelnen Themenfelder listete Körber jeweils die Zahlen auf, zeigte aber auch die zugrunde liegenden Entwicklungen auf. Im Bereich der Eingliederungshilfe gebe es weiterhin den Trend hin zu mehr teilstationären und ambulanten Angeboten, wie dies im Sinne der Inklusion ja auch angedacht sei: „Gute Erfahrungen haben wir mit dem Modell eines persönlichen Budgets für 47 Menschen mit Behinderungen gemacht, die sich nun selbst die benötigten Hilfen einkaufen können“, so Körber. Aber auch jenseits der rein monetären Hilfe habe es wichtige Entwicklungen gegeben, wie die Anstellung einer kommunalen Behindertenbeauftragten und die Einrichtung einer Beratungsstelle für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Eine wichtige Rolle spiele das Bundesteilhabegesetz. Die Behindertenbeauftragte Jutta Schüle wies in diesem Zusammenhang auf eine Veranstaltung hierzu für Menschen mit Behinderungen am 05. Mai im Landratsamt hin.

Auch auf das Thema Armut im Kreis ging Körber ein. Zwar sei der Anteil der Empfänger von Mindestsicherungsleistungen an der Gesamtbevölkerung im Kreis mit 4,5 Prozent vergleichsweise niedrig (Deutschland 9,3 %, Baden-Württemberg 5,3 %), sie sei sich aber nicht sicher, ob in ländlichen Regionen die Hilfen aus Scham oft einfach nicht beantragt werden.

Bei der Hilfe zur Pflege seien die Fallzahlen nur moderat gestiegen, da im Kreis viele Menschen privat betreut würden. Genauer untersuchen werde die Verwaltung im Rahmen der Fortschreibung des Altenhilfeberichts unter anderem die Auswirkungen der Landesheimbauverordnung auf die zur Verfügung stehenden Pflegeplätze.

Deutliche Steigerungen seien, so Körber weiter, bei den Aufwendungen für Asylantragssteller zu verzeichnen. Leistungen beruhend auf dem Sozialgesetzbuch II hätten zum Jahresende 635 Asylberechtigte bezogen. „Es ist aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht realistisch, dass anerkannte Asylbewerber unmittelbar eine Arbeit aufnehmen. Das Erlernen der deutschen Sprache dauert einfach.“ Mit den zuverlässigen Partnern des Amtes habe man daher 22 Sprachkurse mit 330 Teilnehmern durchgeführt. Erfreulich sei, dass immerhin 39 Flüchtlinge in den ersten Arbeitsmarkt integriert worden seien, 2015 seien es nur drei gewesen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 902 Flüchtlinge dem Kreis zugewiesen, während 211 Menschen in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind.

In der Jugendhilfe beschäftigten allein reisende Jugendliche, so genannte unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA), die sozialen Dienste. Ende 2016 war man für 95 meist männliche Jugendliche zuständig. Der ausdrücklichen Dank Körbers ging an das Kinder- und Jugendheim St. Kilian, das Kinder- und Jugenddorf Klinge und die Johannes-Diakonie, die 77 neue Plätze aufgebaut hätten. Aber auch unabhängig von den UMA sei die Zahl der Jugendhilfefälle gestiegen, so dass die Mitarbeiter alle Hände voll zu tun und auch die ein oder andere schlaflose Nacht gehabt hätten. Mit Sorge beobachte man die sich verringernde Zahl der Pflegefamilien. „Es ist unheimlich traurig und belastend, wenn wir gerade Kleinkinder in Heimen unterbringen müssen“, sagte Körber. Jede potenzielle Pflegefamilie könne sich beim Landratsamt melden, erfahrene Kollegen würden dann die Familie unverbindlich beraten.

Ausblickend auf das laufende Jahr unterstrich Körber, dass es eine Fülle neuer Aufgaben gebe, unter anderem die Neuorganisation der sozialpädagogischen Familienhilfe. Körber wie Dr. Brötel dankten den über 200 Mitarbeitern des Fachbereichs. Der besondere Dank des Landrats ging auch an die Autoren des Sozialberichts. Er verwies darauf, dass der Bericht bei der Kreistagssitzung am 10. Mai ausgehändigt und anschließend auch auf der Webseite des Amtes veröffentlicht werde.

Auch Ausschussmitglieder aller Fraktionen dankten für die gute Arbeit und hakten bei verschiedensten Aspekten nach. Besonders im Fokus standen dabei die Sozialbetreuung von Flüchtlingen in der Anschlussunterbringung und die Aufgaben der Behindertenbeauftragten.

Entscheiden mussten die Ausschussmitglieder abschließend über eine überarbeitete Richtlinie des Kreises zur Gewährung von Eingliederungshilfe für Kinder mit Behinderungen, die inklusiv in Kindertageseinrichtungen betreut werden. Die gemeinsame Förderung soll unter anderem die Eingliederung in die Gesellschaft erleichtern. Da vor allem die Pauschalen für die Einrichtungen nicht mehr auskömmlich seien, wurden diese in der neuen Richtlinie erhöht, erklärte der Landrat. Die voraussichtliche Kostensteigerung werde sich auf maximal 55.000 Euro im Jahr belaufen. Diesem Vorschlag stimmten die Kreisräte einstimmig zu.

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1 Kommentar

  1. „Hinter jeder Zahl steht ein Mensch“ wenn es nur so währe meistens steckt hinter jeder zahl eine Organisation für die großen Organisationen AWO Diakonie Caritas ist das das Geschäft ihres Lebens natürlich sagt das keiner! Aber hinweisgebend ist doch wenn außerhalb dieser Organisationen jetzt jemand das „Geschäft“ macht,
    Dann kommen die Schlagzeilen „Russenmafia zogt Pflegekassen ab“
    ich halte es für interessant ich bekomme tatsächlich Persönliches Budget bei einer Veranstaltung der Diakonie redete ich mal mit einer Stadträtin (Mosbach) die früher für die Diakonie tätig war, ich sagte ihr wie es ist, das wenn jeder Persönliches Budget bekommen würde und damit genau das bezahlen müsste was er auch bekommt die Diakonie innerhalb von kürzester Zeit Pleite gehen wurde. Die Stadträtin nur: „Herr Ertl das dürfen sie doch nicht sagen“
    Spricht bände.

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