Mehr Artenvielfalt ohne Neuaussaat

Eine Streifenmahd bietet unterschiedliche Entwicklungsstadien der Wiesengesellschaft und somit ein breites Spektrum an Lebensräumen und Nahrungsquellen für Insekten (Foto: Kuhlmann)

(pm) Insekten wie Bienen oder Schmetterlinge brauchen Hilfe: Neue Lebensräume mit einem breiten Spektrum an Nahrungsquellen werden benötigt.

Möchte man im Projekt „Blühender Naturpark“ aktiv werden, so erscheint häufig eine Neuaussaat mit heimischem und mehrjährigem Saatgut als die sinnvollste Initiative. Aber in vielen Fällen kann es sich empfehlen, eine allgemeine Pflegeumstellung durchzuführen und auf diesem Wege den Artenreichtum zu erhöhen. Doch was sind die Vorteile und was beinhaltet eine solche Pflegeumstellung?

Wichtige Faktoren für den Verlust der Artenvielfalt in unseren Landschaften sind der vermehrte Einsatz von Düngemitteln und ein großflächiger Anbau von Kulturpflanzen in Monokulturen. Unter diesen Bedingungen können oft nur noch spezialisierte Pflanzenarten in großen Mengen vorkommen, so zum Beispiel der stickstoffliebende Löwenzahn.

Um nun konkurrenzschwache Pflanzenarten zu unterstützen, ist ein Umdenken in der Bewirtschaftungsweise vonnöten. Standen die Maßnahmen früher unter dem Motto „Viel hilft viel“, so sollten in der Pflegeumstellung die Schlagworte „gezielt“ und „extensiv“ vorherrschen.

Die meisten Flächen leiden unter einem Überschuss an Nährstoffen. Deshalb ist es der erste Schritt zu einer artenreichen Blumenwiese, Düngemaßnahmen einzustellen. Auch zahlreiche Insekten profitieren von einem lückigen Pflanzenbestand; er bietet Brut- und Überwinterungsmöglichkeiten.

Um die Fläche weiter zu verarmen und so die Chancen für konkurrenzschwache Pflanzenarten zu erhöhen, ist es wichtig, das Mahdgut abzutragen und nicht zu mulchen. Mehr als zweimal jährlich sollte nicht gemäht werden.

Die erste Mahd sollte nicht vor Mitte Juni/Anfang Juli stattfinden: Die ansässigen Pflanzenarten benötigen Zeit zur Fruchtreife. Außerdem bekommen auf diese Weise Wiesenvögel Ruhe während der Brutzeit. Auch Rehkitze profitieren von einem späteren Mahdzeitpunkt. Die zweite Mahd im September verhindert das Verfilzen der Wiese.

Eine Mahd in zeitversetzen Etappen bietet zudem einen facettenreichen Lebensraum für Insekten wie auch Vögel: Unterschiedliche Entwicklungsphasen der Wiese sind somit auf kleinem Raum zu finden. Saumstreifen sollten zudem den Winter überdauern und in dieser Zeit einen wichtigen Rückzugsort bilden.

Eine Pflegeumstellung ohne Neuaussaat ist somit eine geeignete Alternative zum Flächenumbruch. Durch einfache Maßnahmen lässt sich so die Artenvielfalt der Wiese erhöhen. Allerdings ist der Weg zu einer facettenreichen Wildblumenwiese stets mit Zeit und viel Geduld verbunden.

Ansprechpartnerin für den „Blühenden Naturpark“ ist Projektmanagerin Michaela Kahl, die mit Rat unter info@np-no.de zur Verfügung steht.

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