Buchen kämpft gegen Müllsünder

Das ist der illegal an den sechs Glas- bzw. Altkleidercontainerstandorten in der Kernstadt abgelagerte Müll, der in einer einzigen Tour eingesammelt wurde und kostenpflichtig von der Stadtverwaltung auf der Deponie Sansenhecken entsorgt werden muss. (Foto: pm)

Buchen. (pm) Rund 200 Mülleimer gibt es im Buchener Stadtgebiet. Außerdem unter anderem sechs zentrale Standorte für Glas- und Altkleidercontainer. Und es gibt die K-Win – früher AWN – mit einem sehr differenzierten Annahmesystem, in dem beinahe jeder Abfall- bzw. Wertstoff Berücksichtigung findet – jeder Kreisbewohner kann dort zu bestimmten Zeiten also so ziemlich alles, was in einem Haushalt oder Betrieb anfällt, ordnungsgemäß und mit einem guten Gewissen entsorgen.

Dennoch hält sich auch in Buchen und nicht zuletzt bei der Stadtverwaltung der Eindruck, dass Müll oft da landet, wo er nicht hingehört. Das beginnt bei den wilden Ablagerungen von ausgebauten Küchenzeilen, alten Teppichen oder halbvollen Farbeimern in Wald und Flur und geht über die Deponierung verschiedenster Abfälle im Umfeld der Container bis hin zu den achtlos weggeworfenen Fastfood-Behältnissen, den Getränkebechern oder den Kippen auf Straßen und Wegen – deren Besitzer im Übrigen 15 Euro Strafe riskieren, wenn sie in flagranti erwischt werden. Die Polizeiverordnung schafft hierfür die Rechtsgrundlage.

Klar ist: Die Straftatbestände sind eindeutig, die Bußgeldkataloge auch. Das Problem ist die Umsetzung. Denn leider gelingt es nur ganz selten, Müll seinem Verursacher zuzuordnen. Nur wenige Menschen haben die Zivilcourage, andere auf ihr Fehlverhalten anzusprechen oder gar anzuzeigen.

Also verbringen die Bauhofmitarbeiter der Stadt viel Zeit damit, anderer Leute illegal weggeworfener Abfall einzusammeln oder zusammen zu kehren und letztlich für das Geld der Allgemeinheit ordnungsgemäß zu entsorgen. „Ein Riesenärgernis“ laut Bernd Egenberger, der bei der Stadt die Arbeiten koordiniert. Bei ihm landen auch die Beschwerden der Bürger, wenn sich irgendwo wieder Berge türmen. Oder wenn die Mülleimer überquellen, was immer mal wieder passieren kann, weil irgendjemand seinen Hausmüll oder die Reste einer spontanen „Party“ vor Ort dort deponiert hat

Was tun? Kameraüberwachung zumindest bei den Containern? Sensibilisierung durch Stadtreinigungstage und Kooperationen mit den Schulen? Werden gut angenommen, zeigen aber keine langfristige Wirkung. Noch mehr Mülleimer?  Die müssen geleert werden, was Personaleinsatz und damit Geld kostet und nur bedingt Wirkung zeigt. Oder eine Konzentrierung der meist im Abseits liegenden Containerstandorte auf wenige, besser einsehbare „Wertstoffhöfe“? Vermeintliche „Servicerückschritte“ haben es schwer mit der Akzeptanz der Bevölkerung.

Ein Grund für Müllberge in der Landschaft ist zweifellos der nach wie vor grassierende „Verpackungswahn“, der viel mehr Abfall entstehen lässt als noch vor wenigen Jahrzehnten. Ein weiterer Grund sind die Menschen selbst bzw. deren fehlendes Unrechtsbewusstsein, das sie mit ihrem Beispiel auch an ihre Kinder weitergeben. Die Arbeit der Bauhofmitarbeiter gibt diesen Menschen fatalerweise auch noch recht. Denn wenige Tage später ist der irgendwo abgestellte Müll beseitigt, was auch immer es war. Ohne Konsequenzen für die – unbekannten – Verursacher.

Ein Dilemma, das man im Herbst auch im Gemeinderat besprechen will.  Überlegungen stehen im Raum, Fastfoodketten, deren Verpackungen einen gewissen Anteil haben an der Vermüllung, miteinzubeziehen. Was aber immer freiwillig ist.

Ein grundsätzlich zielführender Ansatz war beispielsweise die Installierung von Hundekotbeutelspendern, mit der vor acht Jahren begonnen wurde. Rund 50 Standort gibt es mittlerweile. Viele Hundebesitzer nutzen sie und gehen ordnungsgemäß damit um, nehmen die gefüllten Beutel also mit und werfen sie unterwegs oder zu Hause in den Abfall. Richtig gut wäre es, wenn jetzt auch die, die volle Beutel in den umliegenden Wiesen fallen lassen, dem Sinne des Erfinders entsprächen. So aber wird das Ganze ad absurdum geführt: Ohne Plastikumhüllung wäre die Hinterlassenschaft nämlich deutlich umweltfreundlicher…

„Wir nehmen uns des Themas an“, betont Bürgermeister Burger, der gleichzeitig feststellt: „Würden die Leute ein bisschen mehr darauf achten, weniger Müll zu produzieren und zum anderen die Verpackungen, die sie gefüllt irgendwohin mitnehmen, auch im leeren Zustand wieder einpacken und daheim in den Restmüll oder die gelbe Tonne geben – dann müssten wir uns über dieses Thema gar nicht unterhalten. Und auch nicht viel Geld der Allgemeinheit dafür ausgeben.“

 

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