„Kein alter Mann mit weißem Bart“

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(Foto: pm)

20 Jahren Kreisarchiv in Mosbach

Mosbach. (pm) Vor 20 Jahren wurde das Kreisarchiv in Mosbach als „Gedächtnis des Landkreises“ eingerichtet. Nach mehreren Anläufen in den 1980er und 1990er Jahren entschloss sich der Neckar-Odenwald-Kreis im Oktober 1999, einen eigenen Kreisarchivar einzustellen. Bis zu diesem Zeitpunkt übernahm das Generallandesarchiv im fernen Karlsruhe das Kreisarchivgut.

Zunächst gab es nur ein Büro für den aus Offenburg stammenden Diplom-Archivar (FH) Alexander Rantasa M.A., der nach einem Geschichtsstudium und Fachstudien an der Archivschule Marburg und an der FH Ludwigsburg sowie Ausbildungsstationen am Hauptstaatsarchiv Stuttgart und am Universitätsarchiv Freiburg direkt nach Mosbach gewechselt war.

Zur Überraschung einiger Kollegen im Landratsamt war der neue Mitarbeiter vergleichsweise jung, was so gar nicht dem Stereotyp des verstaubten Archivars mit Ärmelschonern und Nickelbrille entsprechen wollte.

Augenzwinkernd bekannte daher auch eine Kollegin gegenüber dem frisch gebackenen Kreisarchivar, dass man eigentlich mit einem alten Mann mit weißem Bart gerechnet hätte.

Dass ein Archivar nicht zwangsläufig alt sein musste, war damit erwiesen. Aber auch nicht verstaubt? Das konnte der Fachmann sogleich unter Beweis stellen. Denn es galt, die neue Kreiseinrichtung aufzubauen, nach fachlichen Grundsätzen einzurichten, ihr mit der Archivordnung gemäß dem Landesarchivgesetz Baden-Württemberg einen rechtlichen Rahmen zu geben sowie in vielerlei Hinsicht archivarische Pionierarbeit zu leisten.

Das Kreisarchiv sollte im Gebäude 3 des Landratsamts in Mosbach seinen Platz finden. Dafür musste das komplette Untergeschoss für Archivzwecke bis Mitte des Jahres 2000 umgebaut werden. Neben zwei Büros für das Archivpersonal wurden vier Magazinräume mit einer Lagerkapazität von heute rund 1.300 Regalmetern eingerichtet, die 2019 nahezu ausgeschöpft sind. Im Flurbereich wurden die Verwaltungs- und die Archivbibliothek untergebracht. Derzeit verfügt das Kreisarchiv über eine Vollzeitstelle sowie zwei Teilzeitstellen. Der Kreisarchivar wird von Archivmitarbeiterin Regina Gassert und von Hubert Deckert, Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste Fachrichtung Archiv, tatkräftig unterstützt.

Zu den Kernaufgaben des Kreisarchivs zählen die Bewertung der archivreifen Unterlagen des Landratsamts, die Übernahme und Erschließung des archivwürdigen Verwaltungsschriftguts sowie dessen Zugänglichmachung für die Archivnutzung.

Das Archiv ist Anlaufstelle für Schüler, Studenten, Heimatforscher, Historiker und andere Wissenschaftler. Im Internetangebot „Findbuch.net“ kann in einigen amtlichen Beständen online recherchiert und einzelne Archivalien zur Einsichtnahme in den Archivräumen vorbestellt werden. Zum Nutzerkreis zählen aber auch Privatleute, Architekten, Bauingenieure und Immobilienmakler, die vor allem den umfangreichen Bestand an alten Bauakten zu schätzen wissen. Außerdem verwahrt das Archiv kreisrelevante Dokumentationsunterlagen, Sammlungen und schriftliche Nachlässe und fördert die Erforschung und Kenntnis der Kreis- und Heimatgeschichte, etwa mit der Herausgabe der Buchreihe der „Beiträge zur Geschichte des Neckar-Odenwald-Kreises“ oder durch Mitwirkung an der jährlich stattfindenden Mosbacher Dezemberausstellung. Berichte im Mosbacher Jahresheft und im Buchener Wartturm legen regelmäßig Rechenschaft über die geleistete Arbeit ab.

Seit 2005 organisiert das Kreisarchiv den Historikertag im Rahmen der Neckar-Odenwald-Tage und nimmt weitere Aufgaben der Kulturverwaltung wahr. Darüber hinaus ist es fachlicher Ansprechpartner für Kreisgemeinden, deren Kommunalarchive nicht hauptamtlich betreut werden. Auch vor der Archivwelt macht die Digitalisierung nicht halt, so dass zu den neuen Aufgaben der Kreiseinrichtung der Aufbau eines digitalen Magazins (DIMAG) und die digitale Langzeitarchivierung gehören.

Wenn auch nach 20 Jahren die Bart- und Haarfarbe des Kreisarchivars sich allmählich den Erwartungen der früheren Kolleginnen und Kollegen annähert: Einstauben müssen Archivleiter Rantasa und sein Team nicht, denn auch in Zukunft wird die Archivarbeit abwechslungsreich bleiben und eine wichtige gesellschaftliche Funktion erfüllen.

Öffnungszeiten des Kreisarchivs sind dienstags, 9 bis 12 Uhr, und donnerstags, 14 bis 17 Uhr, sowie nach Vereinbarung. Eine Voranmeldung unter Tel. 06261/84-1102 oder per E-Mail unter kreisarchiv@neckar-odenwald-kreis.de ist erwünscht.

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