Vorreiter für Toleranz und Integration

(Foto: bd)

Alevitische Gemeinde Mosbach e.V. seit 25 Jahren aktiv – Jubiläumsfest in der Pattberghalle

 Neckarelz. (bd) Glückwünsche für mehr als einem Vierteljahrhundert gelungener Vereinsentwicklung und Integration durfte die Alevitische Gemeinde Mosbach reichlich entgegennehmen, als sie kürzlich ihr 25–jähriges Jubiläum in der Neckarelzer Pattberghalle feierte.

Schon der 19.06.1994 dokumentierte einen Meilenstein der Integration, denn mit der Gründung eines eingetragenen Vereins und der Eintragung ins Vereinsregister wurde der formellste Integrationsschritt begangen. Aktuell sind etwa 1.000 Mitglieder aus der Kreisstadt und den Gemeinden des Neckar-Odenwald-Kreises im Verein zusammengeschlossen, der sein Gemeindezentrum im zeitgemäß renovierten ehemaligen Gasthaus Felsenkeller in Mosbach hat.

Die Glaubensgemeinschaft der Aleviten, die Anfang der 1970-er durch sogenannte Gastarbeiter, überwiegend aus anatolischen Dörfern und Kleinstädten nach Deutschland kam, zählt ca. 700-800.000 Mitglieder. Sie ist als eigenständige Religionsgemeinschaft anerkannt und hat auch mit dem Land Baden-Württemberg einen Staatsvertrag geschlossen.

Der Bundesverband der Aleviten gehört der deutschen Islamkonferenz als berufenes Mitglied an, doch unterscheidet sich die alevitische Lehre und Glaubenspraxis vom sunnitischen Islam sichtbar. So spielen mystische Elemente aus dem Islam eine bedeutende Rolle. Zentraler Inhalt des Glaubens ist das Gottesbild „Enel-Hak“, das aussagt: „Gott steckt in jedem Menschen!“. Durch ein gerechtes, vollkommenes Leben komme man Gott näher – so sei jeder aufgefordert ein guter Mensch sein.

Auch die Lehren von Haci Bektas Veli und Pir Sultan Abdal, Dichter aus dem 13. bzw. 15. Jahrhundert, haben hohe Bedeutung. Für den Gottesdienst diene nicht die Moschee, sondern das Cemhaus als Gebetshaus. Frauen und Männer beten mehrmals im Jahr gemeinsam während der „Cem“-Zeremonie, bei der Gesang zu den Klängen der Saz, der anatolischen Gitarre, eine wichtige Rolle spielt. Sowohl Männer wie Frauen können als Geistliche fungieren, die „Pir“ heißen. Außer einem großen zwölftägigen Fastenzyklus im Jahr ist ein weiteres dreitägiges Fasten im Februar vorgesehen.

Daneben lädt der Verein in Mosbach jeden Sonntag zum Frühstück ein, unterhält einen Gemeindechor und feiert jährlich den 1. Mai als Kultur- und Grillfest. Als Mitglied im Interkulturellen Dialog der Stadt Mosbach beteiligt er sich regelmäßig am Weltkulturen-Fest des Mosbacher Sommers. Wie bundesweit – der Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland e.V., ist mit ca. 35.000 Mitgliedern größte Migrantenjugendselbstorganisation Deutschlands – wird die Jugendarbeit großgeschrieben und die örtliche Jugendorganisation gehört dem Kreisjugendring an.

Beim Festakt, der musikalisch vielfältig umrahmt und von Gizem Eligül (Haßmersheim) und Mustafa Yasar (Mosbach) eloquent zweisprachig moderiert wurde, begrüßte der Vorsitzende Sakir Yalcinkaya zahlreiche Ehrengäste und die Delegationen der Nachbarvereine, u.a. aus Heilbronn, Wiesloch und Lauda.

Die Glückwünsche der Stadt Mosbach überbrachte OB-Stellvertreter Stadtrat Timo Riedinger. Der Verein bereichere das kulturelle Leben Mosbachs mit Tanzveranstaltungen, dem jährlichen großen Kinderfest aber auch Diskussionsabende, die das friedliche Zusammenleben aller Menschen aller Kulturen und Religionen zum Inhalt hätten. Die Stadt Mosbach bedanke sich „für diesen Einsatz für ein friedliches Miteinander gerade auch in einer Zeit, in der Fremdenfeindlichkeit und Hass oft zwischen den Menschen steht!“.

Für den Kreisvorstand der Grünen erinnerte Klaus Brauch-Dylla an Abgeordnetenbesuche und Diskussionen. Landtagspräsidentin Muhterem Aras verkörpere die Verbundenheit bei der Verteidigung der Demokratie gegen deren Verächter, hier wie auch in der Türkei.

Ergün Özcan, Vorsitzender des Alevitischen Landesverbandes Baden-Württemberg, wies darauf hin, der Mosbacher Verein zu den ersten im Land außerhalb der Großstädte gehörte, der sich erfolgreich organisierte. Zu später Stunde stieß auch Hüseyin Mat, Vorsitzender der Alevitischen Gemeinde in Deutschland und Vorsitzender des Dachverbandes der Aleviten in Europa, zum Fest und zeigte damit den Stellenwert der Mosbacher Gemeinde.

Deren Pionieren und Vorstandsvorsitzenden der vergangenen 25 Jahre, Cemalettin Arslan, Ismail Celebi (Geistlicher), Salih Hasirci, Mevlüde Caylak, Haydar Karaoglan, Sertip Celik, Mehmet Celik, Kerami Dagdeviren, Atik Ünsal, Ali Riza Görmemis und Sakir Yalcinkaya wurde mit einer Ehrengabe gedankt.

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