Zum Szenario der Katastrophenschutzübung gehörte die Rettung von Personen aus dem brennenden Gefahrstofflager. Die DLRG übte die Rettung von Personen, die in einen Löschteich gestürzt waren. (Foto: Markus Moll)
Rund 500 Mitwirkende testen Einsatzkonzepte auf Würth-Betriebsgelände
Bad Mergentheim. (pm) Das Sachgebiet Kreisbrandmeisterei des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis hat am Samstag gemeinsam mit rund 500 Einsatzkräften auf dem Areal der Firma Würth Industrie Service GmbH & Co. KG am Drillberg in Bad Mergentheim sowie im angrenzenden
Waldgebiet den Ernstfall im Rahmen einer großangelegten Katastrophenschutzübung geprobt.
In dem anspruchsvollen Szenario wurde die Kollision zweier Bundeswehr-Hubschrauber im Tiefflug über dem Drillberg simuliert. Einer der Hubschrauber stürzte in ein Gefahrstofflager. Dies führte zu einem Folgebrand, bei dem Gefahrstoffe austraten, und sich Schadstoffe in umliegende Gebäude ausbreiteten. Die zweite Maschine schlug im nahegelegenen Waldgebiet auf. Insgesamt galt es laut dem Drehbuch, rund 50 verletzte und betroffene Personen zu retten, medizinisch zu versorgen, zu betreuen und abzutransportieren.
Verlässliches Zusammenspiel im Krisenfall
„Katastrophen und schwere Krisen kündigen sich nicht an. Wenn eine Großschadenslage eintritt, erwarten die Bürgerinnen und Bürger unseres Landkreises zu Recht, dass alle Rädchen ohne Zeitverlust ineinandergreifen. Dass heute rund 500 Einsatzkräfte – der Großteil davon ehrenamtlich – gemeinsam mit den Behörden, Hilfsorganisationen und den Streitkräften unter realistischen Stressbedingungen für den Ernstfall üben, erfüllt mich mit großem Respekt und tiefer Dankbarkeit. Was hier geübt und verfeinert wird, ist das Fundament für die Sicherheit unserer Region und rettet im Ernstfall Menschenleben“, betonte Landrat Christoph Schauder, der die Übung gemeinsam mit zahlreichen Ehrengästen und Übungsbeobachtern vor Ort verfolgte. Ein besonderer Dank des Landrats galt zudem der Firma Würth Industrie Service für die unkomplizierte Bereitstellung des Betriebsgeländes.
Starke Gemeinschaft aller Rettungsorganisation
Großschadenslagen wie Flugunfälle, Gefahrstoffeinsätze oder andere Katastrophen stellen höchste Anforderungen an die Rettungskräfte. Sie fordern nicht nur die medizinische Notfallversorgung, sondern benötigen vor allem eine perfekt koordinierte Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen verschiedenen Organisationen unter massivem Zeitdruck.
An dem realitätsnahen Einsatz waren neben den regionalen Feuerwehren (darunter die Feuerwehr Bad Mergentheim und der Gefahrstoffzug des Landkreises) auch die Bundeswehrfeuerwehr, das Deutsche Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk, die DLRG-Wasserrettung, Rettungshundestaffeln, die Polizei, die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) sowie Einsatzkräfte des Such- und Rettungsdienstes (SAR) der Bundeswehr beteiligt. Neben der Brandbekämpfung und Menschenrettung unter Atemschutz kamen Taucher an einem Löschwasserteich sowie Drohnen zur Erkundung zum Einsatz. Parallel suchten Teams vermisste Personen im Gelände. Zudem nahmen Spezialkräfte in Chemikalienschutzanzügen die ausgetretenen Gefahrstoffe mithilfe von speziellen Pumpen sicher auf und pumpten diese um. Gleichzeitig wurde ein Behandlungsplatz eingerichtet und der Führungsstab des Landkreises einberufen.
Rettungskette unter Volllast
Nach der Alarmierung durch die Brandmeldeanlage stand zunächst die umfangreiche Lageerkundung im Fokus, um ein klares Lagebild für die Einsatzleitung zu schaffen. Die geretteten Patienten wurden vor Ort gesichtet, nach der Schwere ihrer Verletzungen kategorisiert und erstversorgt.
Eine Besonderheit der Übung lag in der konsequenten Fortführung der Rettungskette bis in die regionalen Krankenhäuser: Nach der Erstversorgung am Behandlungsplatz wurden die Patienten in das Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim sowie in das Krankenhaus Tauberbischofsheim transportiert. Vor Ort übernahmen die Teams der Notaufnahmen die Weiterversorgung, wodurch auch die Krankenhäuser ihre internen Abläufe und Kapazitäten bei einem Massenanfall von Verletzten unter realen Bedingungen trainieren konnten. Gleichzeitig betreute das Team der Notfallseelsorge unverletzte Betroffene und Augenzeugen.
Führungsstab zieht positive Bilanz
„Ich bin unglaublich stolz, Kreisbrandmeister in einem Landkreis mit einer solch hervorragend ausgebildeten Blaulichtfamilie zu sein. Diese großangelegte Übung hat mir einmal mehr auf beeindruckende Weise bestätigt, was ich bei unseren täglichen Einsätzen erlebe: Die Zusammenarbeit und die Professionalität aller beteiligten Hilfsorganisationen bewegen sich bei uns auf höchstem Niveau. Mein herzlicher Dank gilt allen Einsatzkräften für dieses herausragende Engagement“, betonte Kreisbrandmeister Andreas Geyer voller Anerkennung.
Ergänzend hob der stellvertretende Sachgebietsleiter der Kreisbrandmeisterei, Jörg Weber, die Bedeutung der Führungs- und Stabsarbeit hervor: „Diese beeindruckende Professionalität der Einsatzkräfte vor Ort muss sich auch auf Führungsebene nahtlos fortsetzen. Eine Schadenslage dieser Dimension stellt die Gesamteinsatzleitung und den Führungsstab des Landkreises vor eine enorme Koordinationsaufgabe. Die Übung hat eindrucksvoll gezeigt, wie präzise die Rädchen von der Lageerfassung über die logistische Steuerung bis hin zur schnellen Entscheidungsfindung ineinandergreifen. Wir nehmen aus diesem Tag wertvolle Impulse mit, um die Stabsarbeit und die Schnittstellen zu den Hilfsorganisationen für den Ernstfall noch weiter zu festigen.“

Die Teilnehmer der Übung versammelten sich vor Beginn zum Gruppenbild mit Landrat Christoph Schauder und dem „Hausherrn“ auf dem Übungsgelände, Vertriebs-Geschäftsführer Alexandros Mikros von der Würth Industrie Service. (Foto: Markus Moll)



