Kulturlandschaft und Artenvielfalt gestärkt

Kulturlandschaft und Artenvielfalt gestärkt 2
Kulturlandschaft und Artenvielfalt gestärkt 2

Mit Haselbüschen bewachsener Steinriegel im Muschelkalk, der freigepflegt werden soll. (Foto: pm)

Zufallsfund mit ökologischer Bedeutung

Adelsheim. (pm) Der Landschaftserhaltungsverband Neckar-Odenwald-Kreis e. V. (LEV) entdeckte das Projektgebiet im Gewann Heidelberg bei Adelsheim eher zufällig, als Geschäftsführer Matthias Jurgovsky gemeinsam mit dem Vorsitzenden der NABU-Gruppe „Bauland Süd“, Lothar Huhnstock, ein Flurstück des Naturschutzvereins erkundete. Entlang eines Feldwegs stießen die beiden auf zahlreiche Relikte einer früher vielfältigen und für Adelsheim typischen Kulturlandschaft.

Wertvolle Struktur im Brünnbachtal

Die Vielfalt und ökologische Bedeutung entlang des Brünnbachtals mit seinen angrenzenden Muschelkalkhängen zwischen Adelsheim und dem Wemmershof östlich von Adelsheim führten 1995 zur Ausweisung als Naturschutzgebiet „Brünnbachtal“ und rund zehn Jahre später zur Meldung als Flora-Fauna-Habitatgebiet nach der FFH-Richtlinie der EU.

Schutzzweck der Gebiete im Naturraum Bauland ist unter anderem die Erhaltung von Kalk-Magerrasen, Obstbaumwiesen und den hangparallelen Lesesteinriegeln. Besonders auffällig sind im Projektgebiet die mächtigen Solitärbäume, darunter Eichen, Buchen und Hainbuchen.

Diese Baumüberhälter bezeichnet man in der Fachwelt ebenso wie die vielen alten Obstbäume als Habitatbäume. Kennzeichnend sind zahlreiche Baumhöhlen und ein hoher Alt- und Totholzanteil, der unter anderem Fledermäusen, Vögeln und Insekten als inzwischen seltener Lebensraum dient.

Früher offene Wiesen, Weiden und Obstbäume

Bei einem Rundgang berichteten die Eigentümer vom früheren Zustand mit offenen Wiesen, Weiden, Magerrasen und hohem Strukturreichtum. Ein bereits älterer Mann hielt früher selbst Schafe.

Damals wurden auch die schwierigeren Hanglagen mit besonders kargen und steinigen Böden regelmäßig als Weiden genutzt. Auch die Obstbäume erfuhren einen regelmäßigen Erhaltungsschnitt und wurden genutzt.

Verbuschung gefährdet Vielfalt

Heute droht dieses Ensemble allmählich zuzuwachsen, wodurch die große Vielfalt verloren ginge. Organisiert durch den LEV soll dem gemeinsam entgegengewirkt werden. Die NABU-Gruppe, ein örtlicher Landwirt und ein spezialisiertes Forstunternehmen haben sich bereit erklärt, die Landschaftspflegemaßnahme im kommenden Herbst und Winter umzusetzen. Auch die Forst- und Naturschutzverwaltung unterstützt das Vorhaben ebenso wie die Stadt Adelsheim. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln der Landschaftspflegerichtlinie Baden-Württemberg.

Pflege soll ab Oktober 2026 erweitert werden

Was im Jahr 2025 mit der Pflege des NABU-Grundstücks am Westrand begonnen hat, soll mit der Erweiterung nach Osten ab voraussichtlich 01. Oktober fortgeführt werden. Geplant ist eine größere Gehölzpflegemaßnahme, bei der vor allem starke Haselbüsche und einige jüngere Bäume entfernt werden.

Auch das Zurückdrängen der Sukzession aus Schlehe, Hartriegel und anderen stark wachsenden Sträuchern ist vorgesehen. Die Öffnung der Steinriegel dient einer besseren Besonnung, was für spezialisierte Reptilien, Wildbienen und Heuschrecken wichtig ist.

Die Baumüberhälter und alten Obstbäume bleiben erhalten und werden lediglich aufgeastet, damit darunter gemäht werden kann. Während der Pflegemaßnahmen kann es in diesem Bereich tagsüber zu einer Lärmentwicklung kommen, die sich jedoch in Grenzen halten sollte.

Ziel ist eine artenreiche Kulturlandschaft

Im Mittelpunkt der Maßnahme steht die Schaffung beziehungsweise Wiederherstellung einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft mit unterschiedlichsten Lebensräumen für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Biodiversität rund um Adelsheim geleistet.

Dauerhafte Offenhaltung durch Mähweide

Nach der umfangreichen Erstpflege ist eine dauerhafte Offenhaltung durch eine extensive Nutzung als Mähweide vorgesehen. Ein Heuwiesenschnitt meist im Juni und eine Nachbeweidung mit Schafen im Spätsommer sollen das Ziel unterstützen.

Glücklicherweise gibt es noch einen Schafhalter, der das angrenzende Grünland pflegt und sich für die künftige Nutzung bereit erklärt hat. Die Eigentümer könnten möglicherweise auch wieder Lust bekommen, ihre Obstbäume zu pflegen und zu nutzen.

Die Bevölkerung von Adelsheim darf sich auf ein abwechslungsreiches Landschaftsbild freuen. Natur- und Kulturgenuss gibt es freilich nur, wenn Spaziergänger und Freizeitsuchende Rücksicht nehmen und ihren Unrat wieder mit nach Hause nehmen.

Weitere Informationen zum Projekt

Weitere Informationen zum Projekt gibt es beim Landschaftserhaltungsverband Neckar-Odenwald-Kreis e. V. unter www.neckar-odenwald-kreis.de

Zunehmende Ausbreitung von Gehölzen auf ehemaligen Wiesen und Weiden, die wieder in Nutzung gebracht werden sollen. (Foto: pm)

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