(Foto: privat)
Tradition, Gemeinschaft und Begegnung
Von Richard Zöller
Mosbach Die Donauschwaben feierten in diesem Jahr ihr 76. Kirchweihfest. Neben der Pflege von Gesang und Tanz standen die Vertreibung der Donauschwaben aus ihrer Heimat vor 80 Jahren und das außergewöhnliche Gemeinschaftsgefühl im Mittelpunkt. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit, das in der alten und in der neuen Heimat bestand und bis heute besteht, ist auch ein Bindeglied zwischen den Generationen.
Gottesdienst erinnert an Heimat und Gemeinschaft
Beim Eröffnungsgottesdienst betonte Pfarrer Michael Gartner die Bedeutung des Kirchweihfestes. Neben der Erinnerung an die Weihe des Gotteshauses erinnere es auch an die Gemeinschaft der Gläubigen. Diakon Manfred Leitheim verwies darauf, dass zu allen Zeiten Menschen aus ihrer Heimat vertrieben worden seien. Für die Gestaltung der Zukunft seien jedoch die Bereitschaft zum Verzeihen und der Wille zur Integration notwendig.
Das Lied der Gesangsgruppe der Donauschwaben, „Herr, gib uns Mut zum Brückenbauen, gib mir den Mut zum ersten Schritt“, ergänzte die Predigten und bildete einen würdigen Abschluss des Gottesdienstes.
Tanz und Musik im Haus der Landsmannschaft
Zum Kirchweihfest gehört auch das Feiern. Zu Tanz und Musik trafen sich die Donauschwaben und ihre Gäste im Haus der Landsmannschaft. Der Vorsitzende Anton Kindtner hieß alle herzlich willkommen. Die weiteste Anreise hatte die 20-köpfige Tanzgruppe aus Saar/Szár mit ihrer Kapelle „Löderbuam“.
Die Grüße des Oberbürgermeisters überbrachte Stadtrat Werner Heininger. Besonders herzlich begrüßte Kindtner den Generalkonsul der Republik Ungarn, Dr. András Iszák. Der Konsul betonte, dass seine regelmäßigen Besuche bei Veranstaltungen der Donauschwaben auch eine Wertschätzung für diese Volksgruppe seien. Er bezeichnete die Vertreibung der Donauschwaben aus ihrer Heimat als „Schandfleck“ in der ungarischen Geschichte. Aus diesem Bewusstsein heraus habe das ungarische Parlament den 19. Januar zum nationalen Gedenktag erklärt, an dem an die Vertreibung von etwa 200.000 Donauschwaben gedacht werde.
Volkstanzgruppen aus der Region
Durch das anschließende unterhaltsame Programm führte Sabine Kress. Die feierliche Eröffnung erfolgte durch das diesjährige Kirchweihpaar Rebecca Greeuw und Christian Polland. Die Auftritte der Mosbacher Tanzgruppen und weiterer Volkstanzgruppen aus der Region waren ein Beweis für das Traditionsbewusstsein und die enge Verbindung der Donauschwaben in nah und fern.
Die Saarer Tanzgruppe zeigte ihr umfangreiches Repertoire und machte dabei deutlich, dass sie zu den besten ungarndeutschen Ensembles gehört. Auf die Frage, was junge Menschen motiviere, traditionelle donauschwäbische Tänze und Musik zu pflegen, kam die überzeugende Antwort: Vor allem der Wunsch, die Traditionen – auch als Bestandteil der eigenen Identität – zu erhalten.
Die jungen Tänzerinnen und Tänzer betonten außerdem, dass auf diese Weise das Gemeinschaftsgefühl gepflegt werde. Begegnungen, gemeinsame Proben und Fahrten wie die nach Mosbach stärkten das Wir-Gefühl. Dadurch werde es auch jungen Menschen ohne donauschwäbische Vorfahren ermöglicht, mitzutanzen und mitzusingen.
Wie immer begleitete die Musikgruppe der „Gschlampadn“ die auftretenden Gruppen den ganzen Abend hindurch.
Showturngruppe „Exótica“ sorgt für einen Höhepunkt
Ein besonderer Höhepunkt war der Auftritt der Mosbacher Showturngruppe „Exótica“. Unter der Leitung von Petra Watzal und Bernhard Stoitzner präsentierten die Tänzerinnen und Tänzer ein Showprogramm aus Turnen, Tanz und Akrobatik. Kleidung und Beleuchtung, vor allem aber die phantastische und abwechslungsreiche Choreografie, boten dem Publikum ein vielseitiges Unterhaltungsprogramm, das mit lang anhaltendem Beifall belohnt wurde.
Das Kirchweihfest der Donauschwaben 2026 war erneut ein Beweis dafür, dass Tradition, Gemeinschaftsgefühl und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, feste Bestandteile der Landsmannschaft sind.



