Buchen gedenkt der Pogrom-Opfer

Buchcover Gast in der Heimat von Victoria Wolff mit Koffern.
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Im Roman „Gast in der Heimat“ schildert Victoria Wolff die zunehmende Entfremdung der Menschen unter dem wachsenden Einfluss der NS-Diktatur. 85 Jahre nach dem Verbot in Deutschland wurde der Exilroman von der Literaturwissenschaftlerin Anke Heimberg im AvivA Verlag neu herausgegeben. (Foto: AvivA Verlag)

Veranstaltungen beleuchten NS-Zeit

Buchen. (pm) Wider das Vergessen: Auch in diesem Jahr finden in Buchen verschiedene Veranstaltungen zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938 und ihre Opfer statt.

Die Veranstaltungsreihe beginnt am Donnerstag, 05. November 2026. Das Kinomobil Baden-Württemberg zeigt in Zusammenarbeit mit der Stadt Buchen, der Stiftung Bücherei des Judentums und Herz statt Hetze Neckar-Odenwald-Kreis im Atrium des Burghardt-Gymnasiums Buchen in der St.-Rochus-Straße 5, um 19 Uhr, den nationalsozialistischen Propagandafilm Jud Süß.

Der Film gehört zu den erfolgreichsten und aufwendigsten antisemitischen Propagandafilmen des NS-Regimes. Die Vorführung wird von dem Filmwissenschaftler Arndt Klingelhöfer aus Mainz begleitet, der in den Film einführen und dessen historische und propagandistische Bedeutung einordnen wird.

Am 09. November 2026 bietet sich um 18.45 Uhr die Möglichkeit, in der „Gedenkstätte für alle Opfer des Nationalsozialismus“ am Jakob-Mayer-Platz öffentlich den NS-Opfern aus Buchen zu gedenken.

Im Anschluss an die politische Gedenkveranstaltung findet um 19.30 Uhr, im Klösterle eine Lesung aus dem Roman Gast in der Heimat der jüdischen, aus Heilbronn stammenden Schriftstellerin Viktoria Wolff statt.

Der vorläufige negative Höhepunkt antijüdischer Maßnahmen waren auch in Buchen die Novemberpogrome am 09. November 1938. Neben der Zerstörung der Inneneinrichtung der damals bereits (zwangs-)verkauften Synagoge in der Vorstadt wurde auch massiv mit Gewalt gegen die noch verbliebene jüdische Bevölkerung vorgegangen.

Der Kaufmann Strauß wurde von einem SS-Mann gequält; dieser stach mit einer Mistgabel auf ihn ein und brach ihm zwei Rippen. Jacob Mayer wurde von einem SA- und SS-Mann zusammengeschlagen.

Auch in den jüdischen Gemeinden Bödigheim, Eberstadt und Hainstadt kam es zu Misshandlungen und Zerstörungen. In Eberstadt wurde die Witwe Susanna Stern durch den Ortgruppenleiter Adolf Heinrich Frey ermordet.

Rund 100 Frauen und Männer, die in der Stadt Buchen oder den heutigen Stadtteilen geboren wurden und/oder eine Zeitlang gelebt haben, kamen durch die nationalsozialistische Verfolgung ums Leben.

Nicht nur Menschen jüdischen Glaubens, sondern auch Sinti, Menschen mit Einschränkungen und solche, die eine andere Gesinnung hatten.

Um dieser Menschen und ihrem ganz individuellen Schicksal würdig zu gedenken, sollen auf der Webseite www.buchen-gedenkt.de die Lebensgeschichten der NS-Opfer aus Buchen erzählt werden. So auch von Julius Rothschild aus Eberstadt, der seit 1922 in der Hansestadt Hamburg lebte und arbeitete. Julius wurde im Herbst 1941 ins Ghetto Lodz deportiert, wo er am 19. Februar 1942 unter unbekannten Umständen starb.

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