(Foto: Liane Merkle)
Buchvorstellung und -übergabe
Mudau. (lm) „Als ich 2020 von der Idee eines Mundartwegs erfuhr, dachte ich „Wie soll das denn gehen?“, aber wenn sich unser Ehrenvorsitzender Hans Slama etwas in den Kopf gesetzt hat, dann wird das auch umgesetzt!“, so Klemens Schork als Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Mudau im Rahmen der Buchvorstellung und -übergabe „Der Mundartweg im Dreiländereck“.
Mit der Erstellung dieser Dokumentation wollte Hans Slama das Mammutprojekt mit aktuell rd. 70 Mundarttafeln von Großrinderfeld bis Obrigheim über vier Landkreise und drei Bundesländer eigentlich final abrunden.
Doch der Mundartweg hat sich zu einem Selbstläufer entwickelt und wird derzeit von Großrinderfeld aus in die andere Richtung weitergeführt. Man kann also nur hoffen, dass es nach endgültiger Fertigstellung des Wegs einen Fortsetzungsband geben wird. Schon jetzt ist es durch das Projekt gelungen, trotz der unglaublichen Mundartvielfalt eine Identifikationsachse und damit ein neues sprachliches Gemeinschaftsgefühl im Dreiländereck Baden-Württemberg, Bayern und Hessen zu schaffen.
Dr. Isabell Arnstein – Mitstreiterin der ersten Stunde und als Sprachforscherin, Dialektologin und Heimatforscherin sowie laut Slama ein Segen für seine Arbeit und das Projekt – sah durch das Gemeinschaftsprojekt zahlreicher engagierter Ehrenamtlicher unter Federführung von Hans Slama ein gelungenes Zusammenrücken von unterost-, ost-, süd-, main- und rheinfränkisch bzw. südhessisch sowie kurpfälzisch sprechender Menschen, die den bis dato größten Textcorpus an gesprochenen Ortsdialekten unserer Region, also ein klingendes Museum geschaffen haben.
Ein Großteil der Mundartaktivisten umrahmte auch die Buchübergabe durch Dominik Henn von der Druckerei Henn & Bauer aus Limbach an Buchautor Hans Slama und die engsten Unterstützer wie MdL Peter Hauk sowie Dr. Isabell Arnstein, Roland Grimm und Klemens Schork (HVV), Felicitas Zemelka (Bezirksmuseum Buchen), „Übersetzerin“ Frederike Kroitsch, den Vertreter der LEADER (Regionalentwicklung Neckartal-Odenwald aktiv e.V. und Badisch Franken).
Gleich zwei Liebeslieder an sein „Pülfri“ hatte mit „Hoomet“ und „Es muss en Sundach g’wese sei“ der Pülfringer Mundartpreisträger Roland Scherer im Gepäck, der humorvoll ergänzte, dass jeder diese Liebeserklärungen für sein Heimatdorf im Dreiländereck umdichten könne.
Liebeserklärungen an diese Region und ihre Dialekte hatten auch die Grußwortredner in ihrem jeweiligen „Slang“ zu verkünden. In seinem ostfränkischen Dialekt lobte MdL Peter Hauk das Projekt „Mundartweg“ sowie dessen 200 Seiten starke Dokumentation von Hans Slama und Dr. Arnstein, sortiert nach den einzelnen Sprachräumen, ihren Mundarttafeln und den zugehörigen Tourismusinformationen als großartige Initiative für das Dreiländereck und seine Menschen, die er jederzeit wieder nach Kräften unterstützen würde.
In Donebacher Mundart bedankte sich Bürgermeisterstellvertreterin Antonia Schölch für die ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Beiträge des Abends und konnte bestätigen, dass sie bei allen Aktiven immer „Ebbs“ verstehen konnte, also auch für sie durchaus Gemeinsamkeiten der Sprachräume erkennbar seien.
Und als stellvertretende Landrat von Miltenberg hatte der Großheubacher Günther Oettinger die verbindende Wirkung seines Rheinfränkischen Heimatdialekts als ein Stück Heimat zum Mitnehmen bei einem Ausflug nach Prag selbst erlebt und er war begeistert von der hochkarätigen Veranstaltung mit den authentischen Mundartrednern, deren Beiträge auf den Mundarttafeln und im Buch – auch per QR-Code und mit Übersetzung – zu finden sind.
So erfuhr man höchst unterhaltsam von Gerhard Lausberger wie und wem in Schneeberg nach einem Schlachtfest die „Worschtsuppe“ verteilt wird und dass der „Mooschd“ unmöglich für die Dummheit der Menschheit verantwortlich sein kann. Manfred Geiger erinnerte sich an die Vorweihnachtszeit in Großrinderfeld als die „Döggeli“ noch versteckt wurden und für was die verschiedenen Geläute der „vier Glogge“ der Dorfkirche stehen.
In Büschemer Mundart beschrieb Irmgard Wernher-Lippert aus Tauberbischofsheim u.a., was Gänse noch vor gar nicht so langer Zeit mit der frisch gewaschenen Wäsche, die zum Trocknen auf „Die ünnere Bleich“ gelegt waren, so anstellen konnten.
Und Helga Schwab-Dörzenbach aus Hettigenbeuern rührte mit großer Überzeugung die Werbetrommel für ihr „Heddebör im schöine Morredal“. Dem in Rippberg geborenen, in Amorbach zur Schule gegangenen und in Buchen wohnhaften Stefan Müller-Ruppert gelang es erwartungsgemäß hervorragend, im Buchener Dialekt die Geschichten „Ma Buche“ von Jakob Mayer, „Zeppelin über Buche“ von Susi Levi sowie „Berch un Daal kumme net zamme“ von Walter Jaegle miterlebbar zu machen.
Rippberg und „Am Mondach is Wäschdach“, der gut für die Wäsche, aber schlecht für Dackel Hedda ausging, wurde lebendig durch Bernhard Pfeiffer und mit dem „Ewwerbescher Guggugsfresserlied“ konnte der Kurpfälzer Liedermacher Roland Beigel mit viel Humor ausführen, weshalb der Kuckuck einen so hohen Stellenwert für die Eberbacher hat.
Als Obrigheimer Botschafterin meinte Heidrun Eyermann „Gun Dach unn willkomme am owerrischer Heimatmuseum“, wo die Mundart nicht hingehört, sondern „unner die Leit“ und sie demonstrierte zum Vergnügen des Publikums den ungewöhnlichen und Kropf bedingten „Owwerische Gruß“.
Roland Grimm aus Mudau informierte aus den Geschichten seiner Mutter „De Blutdruck“ und „De Babbe als Mamme“ über das Unvermögen der einstigen Männergenerationen im Haushalt und schließlich kam Hessen zu Gehör mit dem Hesselbacher Rainer Müller und seinen Erzählungen „Wies emool war“ in „Hesselboch- ziemlich abgleeche“ und mit der Kailbacher Vertreterin Ingrid Krieger und der Ortssage „De Akschdhersch“.
Bevor die Veranstaltung mit dem gemeinsamen Singen von Badner- und Frankenlied zu den Akkordeonklängen von Gerhard Lausberger endete, dankte Hans Slama den Sponsoren und allen Mitstreitern für die Verwirklichung des Mundartwegs und besonders Dr. Arnstein für die engagierte Mitwirkung bei der Bucherstellung.
„Der Mundartweg im Dreiländereck“ bietet auf 200 Seiten über 70 Mundarttexte zum Lesen und Hören, von der Tauber zum Main und Neckar, von Unterostfränkisch zu Ostfränkisch, Südfränkisch, Kurpfälzisch, Südhessisch und auch Mainfränkisch mit Beschreibung der Ortschaften.
Das Buch (ISBN 9783-00-088905-9) ist zum Preis von 28 Euro bei folgenden Stellen der Region erhältlich
Mudau:
- Aral Tankstelle Buchelt, Bahnhofstr. 7, Tel. 06284/95025
- Geschenke/Postfiliale Breunig-Link, Franz-Bingler-Str. 2, Tel. 06284/329
- Landbäckerei Peter Schlär, Hauptstr. 16, Tel. 06284/544
Buchen:
- Buchhandlung Volk, Marktstr. 23, Tel 06281/8922 [email protected]
- Mein Bücherglück, Rathausstr. 42, Buchen-Eberstadt, : Tel 06292/9272333 [email protected]
Walldürn:
- Mein Bücherladen, Hauptstr. 19, Tel 06282/95509 [email protected]
Tauberbischofsheim:
- Buchhandlung Schwarz auf Weiß, Hauptstr. 32, Tel 09341/7768, [email protected]
Miltenberg:
- Buchhandlung Schöningh, Hauptstr. 124, Tel 09371/2112 [email protected]
Mosbach:
- Kindlers Buchhandlung, Hauptstr. 37, Tel 062612871, [email protected]



