(Foto: Liane Merkle)
Hans Slama führt durch die Ortsgeschichte
Mudau. (lm) Hans Slama führte einen Bus voller Ortsgeschichtsinteressierter zu historisch bedeutsamen Orten und durch die Landschaften rund um die Odenwaldmetropole Mudau.
Vom ehemaligen Rathaus zum historischen Gerichtshof
Geschichtsträchtiger Ausgangspunkt der Reise war das ehemalige Rathaus – heute eine Sparkassenfiliale. Das Gebäude hatte im Laufe der Zeit vielfältige Nutzungen erfahren, unter anderem als Zehnthaus unter dem Erzbistum Mainz und als Feuerwehrhaus. Zwischen diesem Gebäude und der seit 1724 bestehenden Mariensäule befand sich früher der Gerichtshof. Dort stand der steinerne Tisch für den Zehntgrafen – auch „Hund“ genannt – und seine 14 Schöffen. Wie Hans Slama anschaulich berichtete, fällte das Gericht meist harte Urteile, die häufig den Pranger vorsahen.
Unter anderem erklärte sich an diesem Ort auch die Redewendung „auf den Hund gekommen“. Passend dazu wusste der Historiker genau, welcher zu Unrecht Verurteilte in mondhellen Nächten hier noch herumirrt. Bei der Madonna, deren Anblick die Grausamkeiten der Gerichtsbarkeit überstrahlte, waren neben dem Strahlenkranz, der große Ähnlichkeit mit der Europaflagge aufweist, auch die Erläuterungen zur Farbgebung interessant: Das Blau des Mantels steht für den Himmel, das Braun des Kleides für die Erde. Zumindest dürfte die Madonna bei so mancher Gerichtsverhandlung dem einen oder anderen „Angeklagten“ Hoffnung gegeben haben.
Vom Strohmarkt zum Mudauer Galgen
Nachdem alle 15 Interessierten einen Platz im Bus gefunden hatten, führte die Fahrt über den ehemaligen „Strohmarkt“ – die Hauptstraße in Richtung Schuh-Götz. Slama erzählte von den einstigen Märkten und der Strohschule, vom „gesicherten Mudau“ mit seinem städtischen Charakter und von der Enttäuschung der „Halbherrn“, weil die Stadtrechte nie erreicht wurden. Zum Einzugsbereich des Mudauer Zehnts zählten neben den heute noch bestehenden Ortsteilen auch Waldhausen und Krumbach.
Weiter ging es über den Bödigheimer Weg zum Mudauer Galgen. Unterwegs passierte die Gruppe unzählige Bildstöcke, die hauptsächlich an Kreuzungen stehen und teilweise sogar vom bekannten Bildhauer Nicolas Hoff stammen. Auch zu diesem Thema wusste der profunde Heimatkundler einiges zu berichten.
Am dreischläfrigen Galgen erfuhren die Teilnehmenden, dass dieses „Denkmal“ nicht an seinem ursprünglichen Standort wiederaufgebaut wurde. Die Rekonstruktion war in den 1960er-Jahren mit großem Werbeaufwand durchgeführt worden. Unter anderem hatte die KaGeMuWa damals sogar veröffentlicht, dass man Bürgermeister Bucher – einen großen Unterstützer dieser touristischen Attraktion – am Galgen gefunden habe.
Neben dem Aufhängen, der damals entwürdigendsten Art der Hinrichtung, und dem Pranger als Mittel der Erniedrigung erläuterte Slama auch die unterschiedlichsten und überaus grausamen Hinrichtungsmethoden: Rädern, Vierteilen, Pfählen, Federn oder Verbrennen. Dabei ließ sich nicht verheimlichen, dass Mudau mit schätzungsweise 500 Hexenverbrennungen im 16. und 17. Jahrhundert ein unrühmliches Zentrum dieser Verfolgungen war.
Man ging davon aus, dass beim Verbrennen auch der Geist abgetötet werde. Genau dieser war den meisten Bauern bei den Hexen und Hexern besonders wichtig: Schließlich waren diese Menschen, die über viel Wissen verfügten, meist die „Hausärzte und -ärztinnen des Mittelalters“. Die Bevölkerung war überwiegend gegen die Hexenverbrennungen, konnte jedoch nichts dagegen ausrichten, ohne selbst wegen „Verleumdung“ als Hexer angeklagt zu werden.
Durch den Wald zum FFH-Gebiet bei Langenelz
Anschließend führte die Fahrt durch den Wald in Richtung Langenelz. Die Gründung des Ortes geht auf acht Höfe zurück. Auf dem höchsten Punkt befand sich einst der Standort des Galgens. Vorbei am versteckten Langenelzer See ging es über die ehemalige Zehntgrenze und entlang des Weges, der vom Heerhag begleitet wird, zum weitläufigen FFH-Gebiet auf der Langenelzer Gemarkung. FFH steht für Flora, Fauna und Habitat.
Hier erläuterte Jäger Slama, weshalb der heutige Hochwald erst spät aus dem ursprünglichen Hackwald entstanden ist und weshalb es im Mudauer Odenwald keine wirklich alten Eichen gibt: Die ehemaligen Herren hatten sie für viel Geld an die Holländer verkauft. Fleißige Eberbacher Flößer transportierten das Holz dorthin.
Die Gruppe erfuhr außerdem von der einst üblichen Wiesenbewässerung, deren Spuren noch heute sichtbar sind. An der Elz konnte sie zahlreiche Biberburgen bewundern. Zu sehen war auch das sogenannte „Ofenloch“, ein FFH-Gebiet, dessen Name auf eine frühere Glasbrennerei zurückgeht. Der Hochwald konnte sich erst durch den Fichtenanbau ab 1850 entwickeln.
Begeistert zeigten sich die Busfahrgäste nach der zweieinhalbstündigen, überaus interessanten Exkursion in die Geschichte der Gemeinde Mudau.



