Mit 95 Jahre noch lebenslustig

15.03.10

Ida Zimmermann feiert als älteste Bewohnerin der Johannes-Diakonie ihren Geburtstag

Über die vielen Geschenke zum 95. Geburtstag freute sich Ida Zimmermann (l.) auch zusammen mit Marianne Holzwarth (r.). (Foto: Dirk Adler)

Schwarzach. (da) Dass Ida Zimmermann der Schalk im Nacken sitzt, zeigte sie auch an ihrem 95. Geburtstag. Um der ältesten Bewohnerin der Johannes-Diakonie zu gratulieren, kamen am 11. März den ganzen Tag über Gratulanten in das Haus Schönblick auf dem Schwarzacher Hof in Schwarzach.

„Fast jeder auf dem Schwarzacher Hof kennt sie“, weiß Thomas Maurer, Leiter eines Wohnverbundes der Johannes-Diakonie. Deshalb nimmt es Ida Zimmermann auch keiner übel, wenn es der Seniorin bei ihrer Geburtstagsfeier zuviel wird. Mit „Geh hom!“ schickt sie dann den einen oder anderen Gast keck heim. Als ihr abermals „Happy Birthday“ gesungen wird, sagt sie nur: „Blablabla“. Für ein Geburtstagsfoto steckt sie die Zunge heraus. Madeleine Adamietz kennt den Humor von Ida Zimmermann bereits. „Mit ihr kann man scherzen“, erzählt die Heilerziehungspflegerin und bekommt von der Seniorin einen Kuss auf die Wange gedrückt. Trotz ihrer kurzen und unverblümten Bemerkungen bestimmt die betagte Bewohnerin die Unterhaltung in ihrer Wohngruppe. Sie pufft ihre Mitbewohnerinnen und Betreuenden scherzhaft in die Seite und lacht.

Inzwischen braucht sie mehr Ruhe als in früheren Jahren. Sie liebt es, fern zu sehen und zu lesen. Wird um sie der Rummel zu groß, macht sie eine klare Ansage: „Halt dei Gosch!“ Lisel Reichstätter, mit der sie ein Zimmer teilt, weist sie dann schon einmal zurecht: „Na, das sagt man aber nicht.“ Trotzdem verstehen sich beide prächtig miteinander.

Ida Zimmermann ist ein zufriedener Mensch. Was sie sich zum Geburtstag gewünscht habe? „Ich brauch nix, ich hab alles“, sagt sie. Ihre gute Laune hat sie sich auch durch unruhige Zeiten hindurch bewahrt. Sie wurde in Basel geboren und kam 1925 in die Johannes-Diakonie, die damals noch „Erziehungs- und Pflegeanstalt für Schwachsinnige in Mosbach“ hieß. Als Mensch mit Behinderung fand sie in Waldkatzenbach Schutz vor der Verfolgung durch die Nazis. Seit 1952 ist der Schwarzacher Hof ihre Heimat, wo sie als Hilfskraft arbeitete. 2005 erhielt sie als erste Bewohnerin der Johannes-Diakonie eine Urkunde zum 80-jährigen Wohnjubiläum.

Sechs Mitbewohnerinnen hat Ida Zimmermann. „Die Seniorinnen harmonieren miteinander“, berichtet Adamietz. Alle Mitbewohnerinnen halfen auch bei der Festvorbereitung am vorigen Tag mit. Da hatte Ida Zimmermann noch auf der ihr eigenen verschmitzten Art gesagt: „Kommt eh keiner!“ Zu diesem Zeitpunkt war ihr aber noch nicht bewusst gewesen, dass es um ihren Geburtstag ging. Doch nachdem sie dies erfahren hatte, konnte es mit dem Feiern für sie nicht mehr schnell genug gehen: „Hol mich aus dem Sessel raus, wir fangen an!“ forderte sie darauf hin augenblicklich. Am folgenden Tag sind dann doch alle gekommen: Bürgermeister Theo Haaf, der die Glückwünsche der Gemeinde Schwarzach überbringt, Marianne Holzwarth, Stellvertreterin des Geschäftsbereichsleiters Wohnen, ihre Betreuerin Anneliese Kieslinger sowie viel Bewohner und Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen der Johannes-Diakonie.

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